Hightech-Standort Mitteldeutschland Nachwuchssorgen im "Silicon Saxony"

Das "Silicon Valley" in den USA ist weltweit eines der wichtigsten Zentren der Hightech-Industrie. Weltmarkführer wie Google, Facebook, Intel oder Apple haben sich in diesem Tal der Spitzentechnologie angesiedelt und mit ihnen tausende anderer Firmen. Weil es ein Tal der Innovationen und Global Player ist, wurde sein Konzept oft kopiert und als Vorbild für die Standorentwicklung genutzt. So auch in Mitteldeutschland. Die Region rund um Dresden hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Hort in Sachen Mikroelektronik und Informationstechnik entwickelt. In Anlehnung an das große Vorbild in den USA wird es "Silicon Saxony" genannt.

Ausgerechnet Sachsen?

Nach dem wirtschaftlichen Zusammenbrüchen nach der Wende galt es den Ruf Sachsens als Industrieland wieder herzustellen. Mit vielen Hunderten Millionen Mark Steuergeldern lockte die Landesregierung die Großen der Halbleiterproduktion an. Global Player wie Siemens und AMD siedelten sich dort an. Diese Investition trägt bis heute. Davon ist auch Heinz Martin Esser, Vorstandsvorsitzender des im Jahre 2000 gegründeten Vereins Silicon Saxony, überzeugt:

Ich denke mal, alle Fördermittel, die geflossen sind, sind auch in großem Maße wieder zurückgeflossen.

Heinz Martin Esser, Silicon Saxony

Hard- und Software zusammendenken

"Silicon Saxony" ist Europas größter Mikroelektronik-Verbund, auch Cluster genannt. Rund 2.300 Firmen und 60.000 Arbeitplätze hängen direkt und indirekt mit dem Standort zusammen.

Doch der Erfolg wird nicht mehr von den Großen der Halbleiterproduktion bestimmt. Ein großes Augenmerk gilt der Hard- und Software. Die werden in Zukunft viel mehr zusammengedacht.

Mit solchen integrierten Angeboten hat beispielsweise die Ausgründung junger Doktoranden der TU Dresden mit dem Kombinamen "Wandelbots" in kürzester Zeit schon internationale Erfolge erzielt.

Ihr Ansatz: Robotern mittels sensorenbestückter Kleidung, die von Menschen getragen wird, Bewegungsprozesse beizubringen. Das ist bisher weltweit einmalig.

Am Ende kann mit unserer Lösung jeder Mensch, egal was für einen technologischen Hintergrund er hat, Roboter in Automatisierungsprozessen teachen.

Christian Piechnick, Geschäftsführer Wandelbots

Das ist möglich durch universelle, schnell lernende und für neue Anwendungen leicht umzuprogrammierende Software "Made in Silicon Saxony". Auch wenn sich der Standort Dresden im Moment in der Breite noch nicht mit dem "Silicon Valley" vergleichen kann, mit den aktuellen Trends und denen, die in Zukunft gesetzt werden, hat er durchaus Potenzial, weltweite Spitze zu werden. Da ist Piechnick zuversichtlich.

Wo ist der Nachwuchs?

Zuversicht allein reicht aber nicht aus, um erfolgreich zu sein. Vorallem Expertise muss her und die wird zunehmend knapp. Es herrscht Fachkräftemangel.

Es ist extrem schwer, offene Stellen zu besetzen. Wo man früher vielleicht mit einer Anzeige relativ schnell zum Erfolg gekommen ist, sind wir heute zum Teil bei Facharbeitern schon sechs bis acht Monate auf der Suche.

Heinz Martin Esser, Silicon Saxony

Um dem entgegenzuwirken veranstaltet der Verein jährlich den "Silicon Saxony Day". Bei Speeddatings sollen hier Firmen mit den Absolventen der Universitäten und Hochschulen zusammengebracht werden. Diese Art der Vernetzung ist unabdingbar, um Innovationen hervorzubringen. Wissenschaftliche Ideen müssen mit kompetenten Akteuren der Wirtschaft zusammengebracht werden, erklärt Wirtschaftswissenschaftler Uwe Kantner. Er berät die Bundesregierung als Mitglied der Expertenkommission Forschung und Innovation.

Eine Portion Mut bitte

Zwar gibt es in Mitteldeutschland gut funktionierende Netzwerke und Wissenstransfers, doch Kantner glaubt, dass seitens der Politik mehr getan werden könnte. Er wünscht sich vor allem mehr Risikobereitschaft.

Man sollte bestenfalls auf fünf Ideen setzen und dann klappen vielleicht drei davon.

Uwe Kantner

Kantner kann zwar nachvollziehen, dass dieses Vorgehen in der Politik nicht gern gesehen ist, weil dort vor allem auf Erfolge gesetzt wird und es auch immer um die Gelder von Steuerzahlern geht. Doch Mut wäre angebracht, um voranzukommen. Das gilt generell und für die ostdeutschen Bundesländer um so mehr.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR Radio | Spezial | 05. Juni 2018 | 18:00 Uhr