Mondmission Wir fliegen zum Mond, um zu bleiben: Das Artemis-Programm erklärt

Mit der Mondmission Artemis wollen die Amerikaner zurück zum Mond. Zusammen mit ihren europäischen, kanadischen und japanischen Partnern. Dieses Mal wollen sie aber dort bleiben und in Zukunft sogar Stationen errichten. Die Artemis 1 Mission startet bereits im Sommer 2022. Weitere Missionen sollen folgen. Dieser Überblick beschreibt die ehrgeizigen Ziele der westlichen Welt.

Eine künstlerische Darstellung zur Artemis-Mondmission der NASA. Ein Astronaut lässt den Mondsand zwischen seinen Fingern zerrinnen.
Eine künstlerische Darstellung zur Artemis-Mondmission der NASA. Ein Astronaut lässt den Mondstaub zwischen seinen Fingern zerrinnen. Bildrechte: NASA

Gekommen, um zu bleiben. So kann man das neue Mond-Programm der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa und ihrer Partner passend beschreiben. Auch, wenn die ersten Menschen erst in der Mitte oder Ende dieses Jahrzehnts auf dem Erdtrabanten landen sollen. Neben dem nächsten Mann, soll diesmal auch die erste Frau über die Mondoberfläche laufen.

In wenigen Wochen soll bereits die Artemis I Mission starten: Ein unbemannter Rundflug um den Mond, bei dem Technik getestet wird und die ersten Experimente durchgeführt werden. Auch deutsche Forschung wird sich an Bord des Orion-Raumschiffes befinden. Angetrieben und versorgt wird es vom European Service Module ESM, das ebenfalls mit deutschem Know-how hergestellt wurde. Aber was steckt hinter der gesamten Artemis-Mission?

Artemis nimmt seinen Anfang

Im März 2019 gab der damals amtierende Präsident Donald Trump bekannt, "zum Mond zurückkehren" zu wollen, um "danach zum Mars" zu fliegen. Ein möglicher Versuch, um wie Kennedy in die Geschichte einzugehen? Der Zeitplan war straff. Bis 2024 sollten die nächsten Amerikaner auf der Mondoberfläche landen – pünktlich zum erhofften Ende seiner zweiten Legislaturperiode. Dabei hatte die Nasa eigentlich 2028 als Termin vorgesehen.

Ehemaliger Vizepräsident Mike Pence stellt den ersten Kader an Nasa-Astronauten vor, die für eine Mondlandung in Zuge des Artemis-Programmes infrage kommen: Jessica Meir, Joseph Acaba, Anne McClain, Matthew Dominick und Jessica Watkins (von links). Das Foto entstand während einer Sitzung des National Space Council im Apollo/Saturn V Center im Kennedy Space Center Visitor Complex in Florida und wurde am 9. Dezember 2020 aufgenommen.
Ehemaliger Vizepräsident Mike Pence stellt den ersten Kader an Nasa-Astronauten vor, die für eine Mondlandung in Zuge des Artemis-Programmes infrage kommen: Jessica Meir, Joseph Acaba, Anne McClain, Matthew Dominick und Jessica Watkins (von links). Das Foto entstand während einer Sitzung des National Space Council im Apollo/Saturn V Center im Kennedy Space Center Visitor Complex in Florida am 9. Dezember 2020. Bildrechte: NASA, Kim Shiflett

Dann gewann Joe Biden die US-Wahl 2020 und wurde der neue Präsident der Vereinigten Staaten. Für die Artemis-Mission begann das Bangen. Immerhin ist es keine Seltenheit, dass die Pläne der Nasa mit dem Einzug eines neuen Präsidenten ins Weiße Haus über Bord geworfen werden. 

Bereits 2004 verkündete der damalige US-Präsident George W. Bush, dass bis 2020 wieder Menschen auf dem Mond landen sollen, damit sich die Menschheit für Missionen zum Mars und darüber hinaus vorbereiten könne. Doch nach dem Amtseintritt von Barack Obama wurden diese Pläne gestrichen. Die Nasa durfte aber weiterhin am Orion-Raumschiff arbeiten. Es sollte als mögliches Fluchtfahrzeug für die Raumstation dienen. 

Trump warf die Pläne erneut um und setze die Kolonisierung des Mondes auf die Agenda. Für langfristige Raumfahrtmissionen ist dieser sprunghafte Wechsel der Ausrichtung eine Katastrophe. Doch Biden hielt an den Plänen seines Vorgängers fest, lockerte den straffen Zeitplan jedoch. Die Gelder, die bereits investiert wurden, die Corona-Pandemie und die Tatsache, dass Nationen wie China und Russland ebenfalls den Mond als dauerhaftes Ziel anstreben, waren gewichtige Gründe, an dem bisherigen Kurs festzuhalten. 

Artemis I: Ein unbemannter Rundflug

Mit der Artemis I Mission soll der Mond zunächst nur umrundet werden. Dabei sollen das Orion-Raumschiff sowie das Lebenserhaltungsmodul der Europäer, das ESM getestet werden. Zudem wird dabei eine ideale Mondumlaufbahn erprobt und es werden wissenschaftliche Experimente durchgeführt. Das alles zunächst unbemannt. Ein Grund dafür ist auch die unbekannte Auswirkung der Weltraumstrahlung. Auf der Erde werden wir durch das Magnetfeld und die Atmosphäre davor geschützt. Auch die Astronautinnen und Astronauten auf der internationalen Raumstation ISS werden durch ihre Nähe zur Erde – sie fliegen nur in einer Höhe von rund 400 Kilometern – teilweise vor dieser Strahlung geschützt.

Titelgrafik Artemis - Erster unbemannter Testflug zum Mond 2 min
Titelgrafik Artemis - Erster unbemannter Testflug zum Mond Bildrechte: MDR/M. Schuntermann
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Mit den Artemis-Missionen der US-Raumfahrtbehörde Nasa und ihren Partnern soll die Menschheit zurück zum Mond kehren. Artemis I wird der Auftakt dieser Mondmissionen sein. Doch wie wird die Mission ablaufen?

Fr 22.07.2022 10:33Uhr 02:02 min

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Anders sieht es auf dem Mond und dem Weg zum Mond aus. Die Strahlung kann das Krebsrisiko erhöhen. Bei langfristigen Missionen, wie sie in Zukunft geplant sind, könnte dies die Lebensdauer der Astronauten und Astronautinnen verkürzen. Besonders die Auswirkungen der Strahlung auf den weiblichen Körper sind noch nicht bekannt. Das Brustgewebe ist beispielsweise anfällig für Strahlung. Mit der Artemis I Mission soll unter anderem auch die Stärke der Strahlung gemessen werden. 

Während der Mission wird das Raumschiff in verschiedenen Orbits um den Mond kreisen. Dabei wird es sich dem Trabanten auf ungefähr 100 Kilometer nähern und sich bis zu 70.000 Kilometer von seiner Oberfläche entfernen. Während der 26 bis maximal 42 Tage dauernden Mission soll das Raumschiff um die zwei Millionen Kilometer zurücklegen. 

Artemis II: Die erste bemannte Mission seit über 50 Jahren

1972 waren die letzten Menschen auf dem Mond oder sind um ihn herumgeflogen. Das soll sich mit Artemis II ändern. Bis zu vier Personen sollen innerhalb von zehn Tagen um den Mond herumfliegen. Für Hin- und Rückflug sind jeweils vier Tage eingeplant. 

Wie lange die Mission tatsächlich dauern wird, liegt auch an der Erledigung der Sekundär-Ziele. Nach dem Start soll das Raumschiff die Erde zweimal umrunden, damit die lebenserhaltenden Systeme genau überprüft werden können. Innerhalb der nächsten zehn bis 21 Tage wird die Besatzung erfahren, wie es ist, in einem Raumschiff zu leben, das das Erdmagnetfeld verlässt. Sie werden Notfallprozeduren üben und den Strahlungsschutz testen.

Laut der Nasa wird die Besatzung an Bord des Orion-Raumschiffes "weiter ins Sonnensystem vordringen als es die Menschheit je zuvor getan hat". Das Raumschiff wird sich 7.400 Kilometer vom Mond entfernen, um von dort aus Sicht auf den Trabanten und die Erde zu haben.

Diese Mission wird beweisen, dass die kritischen Lebenserhaltungssysteme von Orion bereit sind, unsere Astronauten auf länger andauernden Missionen zu unterstützen, und der Besatzung die Möglichkeit geben, Operationen zu üben, die für den Erfolg von Artemis III wichtig sind.

Mike Sarafin, Leiter der Artemis-Mission

Unter den vier Astronauten werden drei Amerikaner und ein Kanadier sein. Wer voraussichtlich im Mai 2024 genau mitfliegt, soll erst nach Artemis I bekanntgegeben werden. 

Artemis III: Die erste Frau auf dem Mond

Mit der Artemis III Mission sollen erneut vier Besatzungsmitglieder mit dem Orion-Raumschiff zum Mond aufbrechen. Zwei von ihnen sollen auf dessen Oberfläche landen. Namen wurden noch nicht bekanntgegeben. Jedoch soll nach zwölf Männern die erste Frau auf einem fremden Himmelskörper landen. Ein weiterer Mann soll ebenfalls auf dem Trabanten landen. Einer von ihnen soll eine PoC, also eine Person of Color (farbige Person) sein.

Ursprünglich sollte die Mission 2024 erfolgen, musste unter anderem aus finanziellen Gründen und wegen eines Rechtsstreites mit dem privaten Raumfahrtunternehmen Blue Origin verschoben werden. Dessen Gründer Jeff Bezos hatte gegen die Vergabe des Landefähren-Auftrags an seinen Kontrahenten Elon Musk und dessen Starship vergeblich geklagt. Nun wird die Mission wahrscheinlich erst 2026 erfolgen.

Künstlerisches Konzept des Starship HLS von SpaceX, das auf dem Mond landen soll.
Künstlerisches Konzept des Starship HLS von SpaceX, das auf dem Mond landen soll. Bildrechte: SpaceX

In der Mondumlaufbahn angekommen, werden die beiden Mond-Astronauten mit dem Human Landing System HLS (deutsch: menschliches Landungs-System) in der Südpolregion des Trabanten landen und dort eine knappe Woche verbringen. Sie sollen bis zu vier Weltraumspaziergänge auf der Mondoberfläche unternehmen und wissenschaftlichen Beobachtungen und Experimente durchführen, wie die Entnahme von Wassereisproben. 

Bereits vor ihrer Landung sollen Gerätschaften wie ein Mondrover für die Astronauten auf die Mondoberfläche gebracht werden. Dadurch könnten die beiden Astronauten bis zu 15 Kilometer bei ihren Mondspaziergängen zurücklegen. Die beiden anderen Astronauten werden während dieser Zeit im Orion-Raumschiff verweilen. Ursprünglich sollte der erste Teil des Lunar Gateway – einer Raumstation, die um den Mond kreisen soll – mit dieser Mission in Position gebracht werden. Dafür soll nun eine gesonderte Mission im November 2024 starten. Mit einer Falcon-Heavy-Rakete von SpaceX sollen die ersten Bestandteile des Gateway während der Mission "Mini-space station Gateway" (engl. Mini-Raumstation Tor/Portal) im Mondorbit platziert werden. 

Eine dunkle künstlerische Weltraum-Darstellung des Lunar Gateway, einer Raumstation (mitte), die den Mond (links) umrunden soll. Von rechts kommt das Orion-Raumschiff angeflogen.
Eine künstlerische Darstellung des Lunar Gateway, einer Raumstation, die den Mond umrunden soll. Angeflogen wird sie von dem Orion-Raumschiff (r.). Bildrechte: MDR, NASA

Das ist nur der Anfang

Nach einer Woche auf dem Mond kehren die Astronauten mit dem HLS zurück zum Orion-Raumschiff. Dort werden sie mit ihren Kollegen dann zur Erde aufbrechen. Nach Artemis III plant die Nasa für jedes Jahr eine weitere bemannte Mission zum Mond. Im Orion-Raumschiff sind auch drei Plätze für europäische Raumfahrende reserviert – ob diese auch auf dem Mond landen dürfen, steht noch in den Sternen.

Die Nasa hat Ende März 2022 eine neue Ausschreibung bekanntgegeben, die im kommenden Jahr veröffentlicht werden soll. Amerikanische Unternehmen sollen darin aufgerufen werden, Konzepte für neue Mondlandefahrzeuge einzusenden. Diese können ab Artemis IV auf dem Mond landen – jeweils mit einer unbemannten Testlandung und einer anschließenden Landung von Menschen auf der Mondoberfläche.

Voraussichtlich zwei Unternehmen werden dann die Chance haben, ab 2026 oder 2027 eine Mondlandung im Auftrag der Nasa durchzuführen. Sie müssen aber auch dazu in der Lage sein, an das Lunar Gateway anzudocken. Doch der Mond soll dabei nur das Sprungbrett zum Mars sein. In den späten 2030er- oder frühen 2040er-Jahren könnten die ersten Menschen mit der Nasa auf dem Trabanten landen – wenn ihnen Elon Musk nicht zuvorkommt.

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