Sars-CoV-2 Biontech, Moderna, Sanofi – wann kommen die Omikron-Impfstoffe?

Nach Moderna hat nun auch Biontech positive Daten zu einer an Omikron BA.1 angepassten Corona-Impfung bekanntgegeben. Zugleich hat Biontech-Chef Sahin angeregt, die Zulassung deutlich zu beschleunigen.

Junge Frau wird geimpft
Wenn ein an Omikron angepasster Impfstoff zugelassen wird, könnte auch für junge Menschen eine vierte Impfung sinnvoll werden. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / Kay-Helge Hercher

Es sieht gut aus: Am vergangenen Sonnabend haben die Impfstoffpartner Biontech und Pfizer per Pressemitteilung erste Daten zu zwei Kandidaten einer an die Omikron BA.1 Variante von Corona angepassten Impfung bekanntgegeben. Eine vierte Impfung mit 60 Mikrogramm Impfstoff führte demnach bei den Versuchspersonen zu einem durchschnittlich 19,6-fachen Anstieg der neutralisierenden Antikörper gegen das mutierte Virus. Und: Auch gegen die neuen Omikron-Linien BA.4 und BA.5 zeigten die Versuchspersonen im Labor einen besseren Schutz. Die Menge der wirksam neutralisierenden Antikörper liege hier allerdings etwa drei Mal niedriger, als gegen BA.1.

Biontech-Chef Sahin für beschleunigte Zulassung von angepassten Corona-Impfungen

An den Versuchen nahmen insgesamt 1.234 Versuchspersonen im Alter von mindestens 56 Jahren teil. Sie erhielten entweder eine 30 oder eine 60 Mikrogrammdosis der reinen Omikron-Impfung. Oder sie bekamen 30 oder 60 Mikrogramm eines sogenannten bivalenten Impfstoffs, der einen an Omikron BA.1 angepassten Teil und einen Teil, der noch der ursprünglichen Version entsprach, enthielt. Beim bivalenten Impfstoff lagen die Werte etwas niedriger als beim reinen Omikron-Booster.

Biontech/Pfizer reichen diese Daten nun ebenfalls zur Prüfung bei den Zulassungsbehörden in den USA und in der EU ein. Zugleich kritisierte Biontech Chef Ugur Sahin in einem Gespräch mit der Financial Times das immer noch langwierige Zulassungsverfahren für angepasste Varianten des Impfstoffs. Könnte wie bei den jährlich angepassten Grippe-Impfstoffen auf klinische Versuche verzichtet werden, könnten die angepassten Impfstoffe bis zu vier Monate schneller auf den Markt kommen.

Zulassungsbehörden bevorzugen gründliche Prüfung angepasster Impfungen

Professor Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, der deutschen Zulassungsbehörde, sieht das allerdings skeptisch. Er hält eine Verfügbarkeit angepasster Impfungen im Herbst für ausreichend. "Wenn wir uns in Ruhe vorbereiten auf die Herbstwelle, gibt es überhaupt keinen Grund, auf die entsprechenden klinischen Daten beim Menschen zu verzichten", sagte er der Welt am Sonntag.

Die mRNA-Technologie erlaubt zwar eine rasche technische Anpassung des Impfstoffs an neue Virusvarianten. Doch bislang erfordern die Zulassungsregeln, dass die Hersteller mit Versuchen nachweisen, dass die angepassten Versionen auch wirklich bessere Ergebnisse gegen neue Virusvarianten bringen. Dazu müssen aber in monatelangen Prozeduren zunächst Versuchspersonen rekrutiert, dann geimpft und schließlich über vier bis zehn Wochen beobachtet werden.

Biontech-Chef Sahin warnte dennoch: "Omikron verfügt über sich kontinuierlich weiterentwickelnde Subvarianten, die BA.1 verdrängen und tendenziell ein erhöhtes Potenzial haben, das Immunsystem zu umgehen. Wir werden daher weiterhin wachsam sein und sind bereit, unsere Omikron-basierten Impfstoffkandidaten rasch an neu auftretende Subvarianten anzupassen, falls epidemiologische und Labordaten darauf hindeuten."

Proteinimpfstoff von Sanofi/GSK mögliche neue Alternative – Totimpfstoff von Valneva zugelassen

Vor Biontech/Pfifer hatte bereits Moderna Daten zu einem angepassten Impfstoff mitgeteilt und die Zulassung beantragt. Beide Booster sollen bis zum Herbst verfügbar sein. Außerdem befindet sich laut einem Bericht des Handelsblatts aktuell ein Proteinimpfstoff der Firmen Sanofi und GSK in der Prüfung. Die Impfung enthält Eiweiße der originalen Wuhan- und der Beta-Variante und soll bei Menschen, die bereits eine Grundimmunisierung mit einem mRNA-Impfstoff erhalten haben, bis zu 40 Mal mehr Antikörper gegen Omikron hervorrufen, so der Bericht.

Ebenfalls am Wochenende entschied die Europäische Kommission die Zulassung des sogenannten Totimpfstoffs von Valneva. Das inaktivierte Ganzvirus-Vakzin ist damit der erste Corona-Impfstoff dieses traditionellen Typs auf dem europäischen Markt. Bei den klinischen Versuchen zeigte er eine ähnlich gute Wirkung wie der inzwischen in Deutschland kaum noch verwendete Impfstoff von Astrazeneca. Wann der Valneva-Totimpfstoff in Deutschland verfügbar wird, ist allerdings noch unbekannt.