Covid-19 Corona-Sommerwelle durch BA.4 und BA.5: Modellierer erwarten sehr hohe Inzidenzen

Die 7-Tages-Inzidenz steigt wieder stark, vor allem junge Erwachsene stecken sich an. BA.4 und BA.5 werden dominant. Modellierer von der TU Berlin erwarten, dass ähnlich hohe Inzidenzen erreicht werden wie im März.

Menschenmenge bei einem Rockkonzert
Optimale Bedingungen für das Coronavirus: Tausende Besucher standen dicht gedrängt ohne Masken vor den Bühnen beim Rock am Ring Festival. Bildrechte: IMAGO/Marc John

Die Corona-Sommerwelle in Deutschland rollt. In seinem neuen Wochenbericht hält das Robert Koch-Institut fest, dass die bundesweite 7-Tage-Inzidenz im Vergleich zur Vorwoche erneut deutlich angestiegen ist und zwar um insgesamt 34 Prozent. Dabei haben die neuen Omikron-Untervarianten BA.4 und BA.5 ihre Anteile an den Infektionen laut RKI erneut verdoppelt.

BA.5 hatte in der Woche vor Pfingsten einen Anteil von 23,7 Prozent, BA.4 kommt jetzt auf 4,2 Prozent. Der Anteil von BA.2 ging auf 71,7 Prozent zurück. "Das starke Wachstum von BA.4 und insbesondere BA.5, aber auch BA.2.12.1, lässt darauf schließen, dass diese Varianten aktuell bereits die Mehrzahl der Nachweise ausmachen", schreiben die Autoren des Wochenberichts.

Modellrechnung: Sommerwelle könnte Inzidenzen wie im März erreichen

Das Team um den Wissenschaftler Kai Nagel von der Technischen Universität Berlin geht in den Modellrechnungen aktuell davon aus, dass durch BA.4 und BA.5 ähnliche Infektionszahlen und Arbeitsausfälle erreicht werden könnten wie im Frühjahr. Ende März hatte die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland einen Spitzenwert von 1.942 erreicht. In einigen Regionen, darunter Sachsen, lag sie teilweise noch deutlich höher.

Am stärksten ist aktuell laut dem RKI-Wochenbericht der Zuwachs bei jungen Erwachsenen im Alter von 20 bis 29-Jahren – hier dürften große Musikfestivals zu Pfingsten eine gewisse Rolle gespielt haben – und bei den 50 bis 59-Jährigen. Insgesamt schätzt das RKI die Zahl derjenigen, die Covid-19 mit Erkältungssymptomen haben, aktuell auf 600.000 bis 1,1 Millionen Menschen in Deutschland.

Allerdings schwankt die Inzidenz derzeit von Tag zu Tag stark. Nachdem sie am Mittwoch bereits auf 511 geklettert war, lag sie am Freitag zwischenzeitlich bei 428 (eine Zahl, dies sich im Laufe des Tages aber noch ändern kann, siehe Grafik). Eine Rolle dürften die zurückliegenden Pfingst-Feiertage spielen. So wurden viele Tests erst nach dem langen Wochenende gemacht, was zu einer Häufung von Fällen geführt haben könnte. In der Woche nach Pfingsten lag die sogenannte Test-Positiv-Rate, also der Anteil an tatsächlichen Corona-Nachweisen bei 41,8 Prozent, dem höchsten Wert seit Mitte April.

Hohe Krankenstände auf Ausfälle erwartbar

Die Belegungen der Krankenhäuser mit schwer erkrankten Covid-19-Patienten ist zwar weiterhin auf einem vergleichsweise niedrigen Stand. Allerdings deute sich erstmals seit rund zweieinhalb Monaten wieder ein Anstieg schwerer Fälle an. "Die Zahl von auf einer Intensivstation behandelten Personen mit Covid-19-Diagnose ist im Vergleich zu den Vorwochen wieder gestiegen und lag am 15.06.2022 bei 668 Fällen", heißt es im RKI-Bericht.

Über schärfere Maßnahmen müsse bei der aktuellen Situation der Kliniken noch nicht diskutiert werden, sagt Professor Kai Nagel auf Anfrage von MDR Wissen. Aber; "Man sollte sich vorbereiten auf viele Ausfälle und Krankschreibungen, die jetzt wieder kommen werden."

Starke Mobilität sorgt für weitere BA.2 Ansteckungen

Allerdings machen sich einige neue Aspekte durchaus bemerkbar. So könne durch die stark gestiegene Mobilität vieler Menschen aktuell beobachtet werden, dass die absolute Zahl der Ansteckungen mit der BA.2 Variante kaum abnehme, die neuen Varianten aber stark zunehmen. "BA.4 und BA.5 kommen mir ihrem Wachstum also oben drauf", so Nagel. In früheren Wellen sei zunächst die alte Variante verdrängt worden, das passiere jetzt weniger.

Ein weiterer Faktor sei nachlassende Immunität. Nagel und sein Team rechnen in ihrem Modell damit, dass die Gefahr einer erneuten Ansteckung mit dem Virus sechs Monate nach einer durchgemachten Infektion wieder steigt. "Da könnte man mit Impfungen dagegensteuern", sagt der Forscher. Allerdings rechnen die Impfstoffhersteller mit einer Zulassung von an Omikron angepassten Vakzine erst für den Herbst.

Impfquote stagniert – Ungeimpfte tragen nach wie vor größere Risiken

Die Impfquote stagniert seit mehreren Wochen bei etwa 76 Prozent vollständig Geimpften. Bei den 18- bis 59-Jährigen sind laut RKI weiterhin rund 17 Prozent nicht geimpft, bei den über 60-Jährigen etwa 8 Prozent. "Für ungeimpfte Personen aller Altersgruppen zeigt sich weiterhin ein deutlich höheres Risiko für eine schwere Verlaufsform der Covid-19-Erkrankung", warnen die Autoren des Wochenberichts.

Offen ist noch, wie sich die Sommerferien auswirken werden, die etwa im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen gerade begonnen haben. Während der Ferien gibt es in den Schulen keine Ausbreitung und auch an den Arbeitsplätzen ist das Ansteckungsgeschehen wegen der Urlaube von Elternteilen verlangsamt. Zugleich aber können sich Reisende an ihren Urlaubsorten anstecken und das Virus danach mit nach Hause bringen. In den vergangenen beiden Jahren sei diese Effekt zu beobachten gewesen.

(ens)

Petra Köpping 4 min
Bildrechte: dpa
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