Covid-19 Corona: Omikron BA.5 beherrscht Deutschland – Europa ist gespalten

Die Covid-Zahlen steigen aktuell in mehreren europäischen Ländern wieder stark – auch in Deutschland. Das liegt besonders an den beiden Omikron-Varianten BA.4 und BA.5. Wir geben einen Überblick über die Situation.

Ein Mann mit einer Schutzmaske blickt vom Aussichtspunkt Santa Catharina in Lissabon auf die Stadt.
In Portugal sind die Inzidenzen europaweit derzeit am höchsten. Bildrechte: IMAGO/ZUMA Wire

Die Omikron-Sublinien BA.4 und BA.5 haben Deutschland im Griff. Laut Robert Koch-Institut (RKI) bildet BA.5 mit rund 50 Prozent hierzulande mittlerweile die dominierende Variante. Das ist ein Zuwachs um rund 17 Prozent im Vergleich zur Vorwoche. BA.4 legte um 1,2 auf 5,8 Prozent zu. Damit einher gehen auch steigende Infektionszahlen: In der vergangenen Woche nahm die Sieben-Tage-Inzidenz im Vergleich zur Woche um 23 Prozent auf 488 zu. Mittlerweile liegt sie nach den Zahlen des RKI bei über 600 (siehe Diagramm am Ende des Beitrags) und die Dunkelziffer ist hoch. Modellierer der TU Berlin erwarten im Sommer ähnlich hohe Zahlen wie im Frühjahr, als die Inzidenz Ende März fast 2.000 erreichte.

Besonders deutlich war der Anstieg laut RKI in den Altersgruppen der 70- bis 79-Jährigen mit 32 Prozent, was auch auf mehrere Ausbrüche in Alters- und Pflegeheimen zurückzuführen ist. Das Institut schätzt die Gefährdung durch Covid-19 für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland daher als hoch ein – betont aber auch, dass die Impfungen weiter gut gegen schwere Verläufe schützen.

Große Unterschiede bei Corona-Zahlen in Europa

Noch deutlich höher als in Deutschland ist die Inzidenz derzeit in Portugal. Laut "Our World in Data" liegt sie dort aktuell bei rund 1.500. Dafür sorgt besonders BA.5, das im Land des Fados mittlerweile für 90 Prozent der Infektionen verantwortlich ist. Auch die Zahl der coronabedingten Todesfälle ist in Portugal mit 3,5 pro eine Million Menschen derzeit mit Abstand die höchste in Europa. Dank der hohen Impfquote von 87 Prozent ist das portugiesische Gesundheitssystem aber noch weit von einer Überlastung entfernt. Inzwischen sinken die Inzidenzen zwischen Lissabon und Porto auch schon wieder, die nationale Gesundheitsbehörde Insa geht davon aus, dass der Höhepunkt der Welle schon erreicht worden sein könnte.

Der steht Frankreich wohl noch bevor. Hier steigen die Zahlen seit Wochen, die Sieben-Tage-Inzidenz lag zuletzt bei 477. Der Epidemiologe Antoine Flahault warnte bereits vor einer exponentiellen Entwicklung und vor einem französischen Sommer, der von BA.4 und BA.5 bestimmt werde. In den Mittelmeer-Anrainern Italien und Griechenland nahmen die Corona-Zahlen zuletzt ebenfalls stark zu – allerdings nicht in Spanien, wo nur noch die Fälle von Menschen über 60 Jahren erfasst werden. In Nord- und Osteuropa entwickeln sich die Inzidenzen aktuell auch noch auf einem moderaten Niveau. In Polen lag sie am 23. Juni laut "Our World in Data" beispielsweise bei nur 5,3. In Dänemark, wo die Infektionszahlen gerade wieder schnell steigen, hat Premierministerin Mette Frederiksen bereits angekündigt, dass sich nun auch über 50-Jährige ein viertes Mal impfen lassen können.

cdi/dw

Petra Köpping 4 min
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