Wartburgkreis Ein Jahr nach Schulbus-Unglück: Glockenläuten und offene Kirche in Berka/Hainich

Autorenbild Ruth Breer
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Trauer und Entsetzen waren groß nach dem Schulbusunglück von Berka vor dem Hainich vor einem Jahr. Ein Junge und ein Mädchen, beide acht Jahre alt, starben, weitere Kinder wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Die strafrechtlichen Ermittlungen wurden im Sommer eingestellt. Der Jahrestag des Unglücks soll auf Wunsch der Eltern ein stiller Tag sein.

Ein Abhang neben einer Straße
Diesen Hang rutschte der Bus hinab. Zwei Kinder starben, weitere und der Busfahrer wurden schwer verletzt. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Keine Gedenkveranstaltungen, keine Öffentlichkeit – nur die Kirchenglocken sollen läuten am Morgen um 7.30 Uhr in Berka vor dem Hainich , wo das Unglück geschah, und in Bischofroda, dem Heimatort der mehr als 20 Kinder, die damals im Bus saßen. Für viele gilt heute noch, was damals der Landrat des Wartburgkreises, Reinhard Krebs, voller Betroffenheit zu Beginn einer eilig einberufenen Pressekonferenz sagte: "Heute früh kurz nach 7.30 Uhr hat sich für die Wartburgregion - und ich denke auch für Thüringen - die Welt verändert, denn wir haben einen tragischen Unglücksfall eines Busses mit Schulkindern zu beklagen."

Abgerutscht und überschlagen: Was war passiert?

Gedenkstätte für verstorbene Kinder in Berka
Zwei Kreuze erinnern an die vor einem Jahr verstorbenen Kinder. Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Der Schulbus fuhr eine Route, die er auf Wunsch der Eltern gewählt hatte – eine Art Schleife durch den Ort, damit die Kinder nach dem Aussteigen auf dem Weg zur Schule nicht erst die Hauptstraße überqueren mussten. Auf der Nebenstraße war an dem Morgen, so stellte die Staatsanwaltschaft Meiningen später fest, eine mehrere Millimeter starke Eisschicht.

Der Bus rutschte an einem Anstieg rückwärts, überschlug sich und stürzte in einen Graben. Zwei achtjährige Kinder, ein Junge und ein Mädchen, kamen ums Leben. Weitere Kinder wurden zum Teil schwer verletzt, auch der Busfahrer.

Ermittlungen ergaben: Unglück

Die Staatsanwaltschaft stellte im Sommer ihre Ermittlungen ein. Es konnte kein strafrechtlich relevantes Verschulden festgestellt werden, hieß es zum Abschluss. Dabei war vieles geprüft worden. Ergebnis: Der Busfahrer war fahrtauglich, der Bus technisch einwandfrei, es gab keine Fahrfehler. Die Glätte habe der Fahrer wegen der schlechten Sicht nicht erkennen können, so die Ermittler. Die besondere Route, die mit Eltern und Schule abgestimmt war, hätte nicht extra genehmigt werden müssen. Also tatsächlich ein tragisches Unglück.

Kirche in Bischofroda am Jahrestag geöffnet

Die Anteilnahme und die Trauer um die Kinder waren in der Region riesengroß. An der Grundschule in Berka kümmerten sich Lehrer, Notfallseelsorger und Psychologen um die Kinder. Viele spendeten für die betroffenen Familien. Am Tag nach dem Unglück lud die evangelische Kirche zu einer Klageandacht in die kleine Kirche von Bischofroda, hunderte kamen."Ein Dorf weint", so beschrieb der Eisenacher Superintendent Ralf-Peter Fuchs in einem bewegenden Gebet die Stimmung – und auch den Wunsch vieler: "Herr unser Gott, stell diesen gestrigen Tag noch mal auf Beginn, dreh die Uhren zurück – nicht geschehen soll sein, was geschehen ist." Es wurde geschwiegen, gebetet, gemeinsam gesungen.

Auch am Jahrestag wird die Kirche in Bischofroda geöffnet sein. Für den Schulbus gibt es mittlerweile eine neue Haltestelle in Berka vor dem Hainich. In einer Seitenstraße nahe der Grundschule wurde einige Wochen nach dem Unglück eine Engstelle beseitigt. Jetzt können die Schulkinder aus Bischofroda dort sicher aussteigen, 30 Meter von ihrer Schule entfernt.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jml

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 23. Januar 2021 | 07:00 Uhr

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