Weniger Kirschen - mehr Selbstpflücker Eine Erntebilanz wie ein Sauerkirschgesicht

MDR-Reporterin Sandra Voigtmann will es wissen. Sie tritt in der Kirschplantage von Fahner Obst gegen Jörg Dornberger im Kern-Weitspucken an. Der hätte sich in diesem Jahr gern mehr Kerne gewünscht, doch die Kirschernte fiel durchwachsen aus.

Blick zwischen die Reihen einer Kirschbaum-Plantage
Eine Frau erntet in einer Kirschbaum-Plantage Kirschen. Selbstpflücken liegt in diesem Jahr im Trend. Bildrechte: MDR/ Sandra Voigtmann

Kirschkuchen mit Streuseln, Kirschpfanne, Kirschsaft ... es schmeckt mir alles. Aber am liebsten esse auch ich natürlich die Kirschen direkt vom Baum. Wo wäre ich also richtiger als in Thüringens größtem Obstanbaugebiet auf der Fahner Höhe? Ich treffe mich mit Jörg Dornberger von der Fahner Obst GmbH in der Selbstpflückplantage für Sauerkirschen. 2.000 Kirschbäume stehen hier. Ich kann wählen zwischen vier Sorten - Achat, Ungarische Traubige, Schattenmorelle und Saphir.

Meister im Kirschkernspucken

Mit Jörg Dornberger ist gut Kirschen essen. Denn auch er mag die Kirschen am liebsten direkt vom Baum. Wir kosten uns also durch die Reihen. Er mag alle Sorten. Ich mag am liebsten die Sorte Saphir, angeblich die sauerste Sorte. Ich finde die Schattenmorellen saurer. Natürlich fotografieren wir unsere Sauerkirschgesichter. Und treten gegeneinander an im Kirschkernweitspucken. Dass ich gegen einen Spuckmeister antrete, verrät mir Jörg Dornberger nicht gleich. Er habe schon die Meisterschaften beim Kirschlauf auf der Fahner Höhe gewonnen. In seiner Altersklasse, fügt er schmunzelnd hinzu. Was soll's. Ich wage es trotzdem. Eins, zwei, drei und die Kerne fliegen. Meiner jetzt nicht ganz so weit. Der von Herrn Dornberger scheint bis nach Kleinfahner unterwegs zu sein. Ich gebe mich also geschlagen.

Jörg Dornberger beim Sauerkirschen-Essen
Ist Meister im Kirschkern-Weitspucken, aber Sauerkirschen sind ihm zu sauer: Jörg Dornberger. Bildrechte: MDR/ Sandra Voigtmann

Ernte stand auf Messers Schneide

Doch bei all dem Spaß, zum Lachen ist Dornberger in diesem Jahr nicht, wenn er auf die Kirschernte schaut. Das Wetter hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht, sagt er. Alles habe auf Messers Schneide gestanden. Die Spätfröste im Frühjahr vernichteten in Gierstädt fast die gesamte Süßkirschenblüte und in Döllstädt fast alle Blüten an den Sauerkirschbäumen.

Nur wenige Kilometer entfernt in Tiefthal haben sich die Fröste gar nicht ausgewirkt. Dort hingen die Süßkirschenbäume voller großer roter Früchte, sagt er. Und dann haben drei Tage Regenwetter in der Erntezeit auch noch viele Süßkirschen platzen lassen. Der Ernteverlust war in diesem Jahr also besonders hoch. Drei Viertel weniger Süßkirschen als sonst und damit gerade einmal 400 Tonnen.

MDR Reporterin Sandra Voigtmann beim Sauerkirschen-Essen
Hat im Weitspucken verloren, steht im Gesicht-Verziehen aber den anderen in nichts nach: MDR-Reporterin Sandra Voigtmann. Bildrechte: MDR/ Sandra Voigtmann

Etwas besser sieht es bei den Sauerkirschen aus. 45.000 Bäume hat die Fahner Obst GmbH. Geplant war hier eine Ernte von 1.000 Tonnen. Immerhin mehr als 450 Tonnen und damit knapp 50 Prozent sind es geworden. Den Ernteverlust bei den Kirschen hofft Dornberger noch wettmachen zu können - mit der Apfelernte.

Selbstpflücken liegt im Trend

Während wir so durch die Reihen gehen, treffen wir auch Selbstpflücker. Die Kirschliebhaber aus nah und fern, erzählt Dornberger, kamen in diesem Jahr reichlich. Die Selbstpflücke sei richtig gut gelaufen. Das liege nicht nur an Corona, sagt er, sondern auch an den späten Frösten. Die haben auch in den privaten Gärten für erhebliche Ernteverluste gesorgt. Wer hierher pflücken kommt, macht das meist aber schon seit vielen Jahren. Aber wir haben auch Premierengäste getroffen und erfahren, dass sich Sauerkirschen besser pflücken lassen als die süßen Schwestern. An den rot gefärbten Händen ist zu erkennen, bei den Sauerkirschen wird zugepackt, manchmal vom Ast abgestriffen.

Denn aus ihnen wird ohnehin meist Saft, Likör, Wein oder Marmelade gemacht. Natürlich landen die roten Sauren auch auf Kuchen - mit Streuseln, Schmand oder Sahne. Kirschen selbst pflücken - das lag dieses Jahr voll im Trend auf der Fahner Höhe. Und der Thüringer mag es sauer. Doppelt so viele Selbstpflücker wie in anderen Jahren kamen in die Sauerkirschen-Plantagen, sagte Dornberger. Darauf eine letzte Sauerkirsche für heute und ein letztes Mal Kirschkernweitspucken, das ich natürlich auch wieder verloren habe.

Zwei Männer stehen hinter drei Eimern voller Kirschen
Die Ausbeute einer Selbstpflück-Aktion in der Plantage. Bildrechte: MDR/ Sandra Voigtmann

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 30. Juli 2020 | 14:00 Uhr

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