Arbeiterwohlfahrt Thüringen Awo-Gehälter-Affäre: Geschäftsführerin von Gothaer Tochterfirma entlassen

Porträt Autor Dirk Reinhardt
Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt

Kurz nach der Kündigung des Thüringer Geschäftsführers der Awo-Tochter AJS ist auch dessen Ehefrau entlassen worden - die Geschäftsführerin der Awo-Soziale-Dienste gGmbH Gotha. Die Kündigungen seien ein Ergebnis einer Innenrevision, sagte ein Awo-Sprecher. Führungskräfte bei AJS und Awo-Landesverband stehen seit Monaten wegen unangemessen hoher Gehälter in der Kritik.

Schild mit der Aufschrift Awo
Die Arbeiterwohlfahrt wurde 1919 gegründet, um Arbeiter unabhängig zu machen von Armenpflege, Stiftungen und Kirche. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In der Gehälteraffäre bei der Arbeiterwohlfahrt Thüringen gibt es weitere personelle Konsequenzen. Die Geschäftsführerin der Awo-Soziale-Dienste gGmbH Gotha, Petra Köllner-Hack, ist fristlos entlassen worden. Das bestätigte der Sprecher der Awo Thüringen, Dirk Gersdorf, MDR THÜRINGEN am Freitag.

Zu den Gründen für die Entlassung wollte er sich nicht äußern. Es handele sich um ein arbeitsrechtliches Verfahren, sagte Gersdorf. Zuerst hatte die "Thüringische Landeszeitung" darüber berichtet. Das Unternehmen in Gotha ist eine Tochterfirma der AJS gGmbH und des Awo-Kreisverbandes Gotha.

Aufsichtsrat der AJS beauftragte Untersuchung

Köllner-Hack ist die Ehefrau des ehemaligen Geschäftsführers der Awo-Tochter AJS gGmbH, Michael Hack. Dieser war vor einigen Tagen ebenfalls fristlos entlassen worden. Hack war bis zu diesem Zeitpunkt auch neben seiner Ehefrau Geschäftsführer der Firma in Gotha.

Die beiden Kündigungen seien ein erstes Zwischenergebnis einer Innenrevision bei der AJS, die derzeit von einer Anwaltskanzlei vorgenommen werde, sagte Gersdorf. Die Untersuchung war im Juni vom Aufsichtsrat der AJS in Auftrag gegeben worden.

Gehälter deutlich über empfohlenen Obergrenzen

Michael Hack und weitere Führungskräfte bei AJS und Awo-Landesverband stehen seit Monaten wegen unangemessen hoher Gehälter in der Kritik. Im April hatte der Awo-Bundesverband in einem Prüfbericht festgestellt, dass die Gehälter von Hack sowie seinen AJS-Mitgeschäftsführerin Achim Ries und Antje Wolf deutlich über den vom Governance Kodex des Wohlfahrtsverbandes empfohlenen Obergrenzen lagen.

Gleiches galt laut Bundesverband für AJS-Prokurist Sebastian Ringmann und Awo-Landesgeschäftsführer Ulf Grießmann. In seinem Bericht hatte der Bundesverband auch kritisiert, dass Petra Köllner-Hack sich geweigert habe, zu kooperieren und Angaben zu ihrem Vorstandsgehalt bei der Gothaer Firma zu machen. Später soll sie jedoch die gewünschten Unterlagen vorgelegt haben.

Rund 200 Millionen Euro Jahresumsatz

Hack, Ries und Wolf waren zum 30. Juni von ihren Aufgaben als AJS-Geschäftsführer entbunden worden. Ries und Wolf stehen aber noch weiter unter Vertrag. Gesellschafter der AJS sind der Awo-Landesverband Thüringen und der Awo-Kreisverband Erfurt. Die AJS betreibt soziale Einrichtungen wie Pflegeheime, Kindertagesstätten und Beratungsstellen. Sie erwirtschaftet mit rund 5.400 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 200 Millionen Euro. Zur Awo-Soziale-Dienste gGmbH Gotha gehören mehrere Kindergärten, eine Frühförderstelle sowie Wohneinrichtungen für Senioren und Menschen mit Behinderungen.

Die Affäre um die als unangemessen bewerteten Vorstandsgehälter bei der AJS hatte in den vergangenen Wochen auch zu personellen Konsequenzen bei der Awo geführt. Nachdem die verbandsinterne Kritik immer lauter geworden war, gab es im Landesvorstand eine Welle von Rücktritten. Nach und nach legten Landesvorsitzender Werner Griese und mehrere seiner Stellvertreter ihre Ämter nieder. Auch die Erfurter Awo-Kreisvorsitzende Elvira Diebold trat zurück.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 13. August 2020 | 14:00 Uhr

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