Sorge um Klimaziele Thüringen droht bis 2026 der Verlust von mehr als 230 Windrädern

Wer ein Windrad betreibt, bekommt Förderung nach dem Erneuerbare-Energie-Gesetz. Wenn die nach 20 Jahren ausläuft, sollen die alten Anlagen eigentlich durch leistungsstarke neue ersetzt werden. In Thüringen droht das zu scheitern, weil an den Standorten nicht neu gebaut werden darf.

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Mehr als die Hälfte aller bis 2026 geförderten Windräder in Thüringen können am gleichen Standort nicht durch neue leistungsstärkere Anlagen ersetzt werden. Bildrechte: MDR/Bigalke

In Thüringen droht in den kommenden sechs Jahren der Verlust von mehr als 230 Windrädern. Von 355 Anlagen, die bis 2026 die Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz verlieren, können 232 nicht am gleichen Standort ersetzt werden. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage der grünen Landtagsabgeordneten Laura Wahl hervor, die MDR THÜRINGEN vorliegt. Damit würde das Land rund 250 Megawatt installierte Windstrom-Leistung verlieren. Das ist rund ein Sechstel der Leistung aller Anlagen, die in Thüringen derzeit betrieben werden.

Standorte müssen in Windvorranggebieten liegen

Aufbau eines neuen Windrades im Windpark Pölzig 2 bei Gera
"Repowering" bedeutet, dass alte Windräder abgebaut und durch neue, leistungsstarke Anlagen ersetzt werden. Bildrechte: MDR/LoréneGensel

Grundsätzlich seien nur diejenigen Windräder repowerfähig, die sich auch zukünftig in einem Windvorranggebiet befinden, heißt es in der Antwort des Thüringer Energieministeriums. Die Standorte der genannten 232 Anlagen seien aber in den derzeit gültigen bzw. neu aufgestellten Regionalplänen nicht erfasst. Für solche Anlagen könnten die Regionalen Planungsgemeinschaften zusätzliche Vorranggebiete für das Repowering schaffen. Diese Standorte dürften dann nur für den Bau moderner und leistungsfähigerer Anlagen genutzt werden, wenn gleichzeitig alte Anlagen an anderer Stelle abgebaut werden.

Obwohl das Thüringer Landesentwicklungsprogramm diese Möglichkeit ausdrücklich vorsieht, sei sie bisher von keiner der Regionalen Planungsgemeinschaften genutzt worden, so das Ministerium. Beim sogenannten "Repowering" werden vor allem in Windparks alte Anlagen abgerissen und durch weniger, aber leistungsstärkere neue Windräder ersetzt. Damit kann in der Regel auf den zur Verfügung stehenden Flächen mehr Windstrom erzeugt werden als zuvor.

Ältere Standorte werden in der Regel akzeptiert

Laura Wahl
Laura Wahl ist energiepolitische Sprecherin der Grünen im Thüringer Landtag. Bildrechte: MDR/Laura Wahl

Als energiepolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen forderte Laura Wahl die Planungsgemeinschaften auf, sich bei der Ausweisung von Windvorranggebieten endlich am Ein-Prozent-Ziel der Landesregierung zu orientieren. Das sei notwendig, um die Klimaziele zu erreichen. Repowering an bestehenden Standorten zu ermöglichen, sei dafür maßgeblich. Die Antwort auf ihre Anfrage zeige jedoch, dass der Anteil der Anlagen, für die das möglich sei, in den Regionalplanentwürfen von Nord- und Südwestthüringen aus dem Jahr 2018 im Vergleich zu 2012 sogar sinkt.

"Da die Akzeptanz für Windenergieanlagen an den bestehenden Standorten meist hoch ist, ist dies besonders bedauerlich." sagte Wahl MDR THÜRINGEN. Sie fordert von der Landesregierung eine Repowering-Strategie, die Besitzern von älteren Windrädern Perspektiven bietet, ihre Anlagen nach 20 Jahren auch ohne die Förderung nach dem Erneuerbare-Energie-Gesetz weiter zu betreiben.

Quelle: MDR THÜRINGEN/ask

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 02. August 2020 | 09:00 Uhr

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