Fußball | Europa League Nicht stabil und schlau genug – RB Leipzig versagen einmal mehr die Nerven

Halbfinal-Rückspiel

Hängende Köpfe bei RB Leipzig nach dem verpassten Finaleinzug in der Europa League: Bei der 1:3-Niederlage gegen die Glasgow Rangers hat sich ein akutes und mal wieder ein altes Problem aufgetan. Dabei war das Tedesco-Team trotz des Rückstandes und eines ganzen Stadions gegen sich zwischenzeitlich auf einem guten Weg.

Torwart Peter Gulacsi (1, RB Leipzig) nach der Niederage gegen die Glasgow Rangers
Torwart Peter Gulacsi nach der Niederage gegen die Glasgow Rangers. Bildrechte: IMAGO / Picture Point LE

Die Enttäuschung bei RB Leipzig nach dem Ausscheiden aus dem Europapokal ist groß, nicht nur über das Verpassen des Endspiels, sondern auch wegen der eigenen Leistung: "Wir haben die drei Gegentore zu leicht hergeschenkt. Das erste Gegentor darf nicht passieren, es ist der erste Schuss der Rangers. Das muss man besser verteidigen, besser durchschieben", analysierte RBL-Coach Domenico Tedesco. Dabei verwies er auf etwas, das bei RB zuletzt immer wieder zu sehen war: "Wir haben in letzter Zeit die Stabilität verloren, auch heute."

Auch der Vorsitzender der Geschäftsführung Oliver Mintzlaff haderte mit der Leistung: "Das war zu wenig. Für ein Halbfinale hat das nicht ausgereicht. Da haben wir uns mehr erwartet. Wenn du das nicht auf den Rasen bringst, kannst du kein Halbfinale gewinnen." Die Ergebnisse zuletzt hätten nicht gerade für sein Team gesprochen: "Wir waren schon in den letzten beiden Bundesliga-Spielen im gewissen Negativtrend und konnten dort nicht die Performance abliefern, die wir in diesem Final-Endspurt erwartet haben."

Fehlende Körperlichkeit bei RB

Nach einer unglaublichen Serie von 15 Spielen ohne Niederlage verlor RB drei der letzten vier Partien. Lediglich das Hinspiel gegen die Rangers gewann der Champions-League-Aspirant knapp mit 1:0. Schon da machte sich RB im zweiten Durchgang das Leben selbst schwer. In der Liga gab es zuletzt ein 1:2 gegen Union Berlin und trotz Überzahl verlor das Tedesco-Team am vergangenen Montag bei Borussia Mönchengladbach mit 1:3.

Trainer Domenico Tedesco (RB Leipzig)
Domenico Tedesco Bildrechte: Picture Point

Bereits da war dem Cheftrainer die fehlende "Körperlichkeit" missfallen. In Glasgow vermisste er sie erneut. "Die Körperlichkeit war heute schon ein Thema", so Tedesco, dessen Team kein Rezept gegen das hohe Anlaufen der Schotten fand: "Der Gegner hat uns in der ersten Hälfte ohne Ende gepresst. Das hätten wir noch konsequenter überspielen müssen."

Für Mittelfeldmotor Konrad Laimer lag es aber nicht nur an der Körperlichkeit. Auch mental war RB – mal wieder – nicht auf der Höhe. "Wir haben die Gegentore zu einfach kassiert und haben zu viele Fehler gemacht. Wir haben zu kindisch agiert und waren nicht abgezockt und abgewichst genug. Es geht nicht nur um Körperlichkeit, sondern auch darum, wie man Situationen löst", so der 24-Jährige.

Konrad Laimer  Glasgow Rangers - RB Leipzig 4 min
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Konrad Laimer von Fußball-Bundesligist Konrad Laimer war nach dem 1:3 im Europa-League-Halbfinale bei den Glasgow Rangers und dem Aus besonders sauer über das dritte Tor.

Do 05.05.2022 23:49Uhr 03:36 min

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Poulsen: "Als sie in Führung gingen, wurde es noch verrückter"

Dass die "sensationelle" und "elektrisierende" (O-Ton Tedesco) Stimmung im Ibrox-Stadium RB beeinflusst hat, glaubt Laimer nicht: "Das ist Wahnsinn, was hier abgegangen ist. Die Stimmung war für ein Halbfinale würdig. Es hat uns aber nicht eingeschüchtert." Angreifer Yussuf Poulsen wusste im Vorfeld, "dass es hier schwierig wird mit der Atmosphäre". Aber er gab auch zu: "Als sie in Führung gegangen sind, wurde es dann noch verrückter. Wir waren nicht vorbereitet auf diese ersten 25 Minuten, auf diese Herausforderung." Zwar hätte sein Team den Glauben nicht verloren, aber es sollte an diesem Abend nichts werden.

"Trotzdem sind wir zurückgekommen, haben das 1:2 gemacht und waren dem nächsten Tor näher. Und dann schenken wir es wieder zu leicht her", lautete Tedescos-Fazit über die zweite Hälfte. Besonders beim dritten Tor sah sein Team nicht gut aus. Erst wurde der lange Freistoß nicht geklärt und auch vor der folgenden Flanke fehlte der Zugriff. Schließlich machte auch Keeper Peter Gulacsi nicht die beste Figur. "Das ist zu leicht. Die Flanke war eigentlich scheiße und wir schenken ihnen das Tor. Das tut weh, denn wir haben viel investiert", sagte Laimer. Er hätte sich gewünscht, dass seine Kollegen auch mal etwas mehr zur Sache gehen und ein Foul machen: "Die bekommen gefühlt 18 Gelbe Karten und wir keine." Ganz so extrem war der Unterschied am Ende nicht. Die Rangers begingen 14 Foulspiele, RB neun. Drei Spieler der Hausherren wurden verwarnt und Kampl auf Seiten der Gäste.

Die Flanke war eigentlich scheiße und wir schenken ihnen das Tor.

Konrad Laimer
Glasgow Rangers - RB Leipzig 2 min
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Nach dem Aus im Halbfinale der Europa League bei den Glasgow Rangers (1:3) war RB Leipzigs Trainer Domenico Tedesco entsprechend bedient. Er haderte vor allem mit den drei Gegentoren.

Do 05.05.2022 23:34Uhr 01:49 min

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Rangers hauen alles raus

Das Ergebnis aber letztlich nur auf die Fehler von RB zu reduzieren, würde die Leistung der Rangers schmälern. Die Schotten hatten im Vorfeld angekündigt, ein offensiveres Spiel als in Leipzig zeigen zu wollen und haben dies auch über weite Strecken umgesetzt. Darauf war RB eigentlich vorbereitet: "Wir haben sie schon so erwartet und dass sie zu Hause anders spielen, als auswärts", erklärte Laimer. Die Wucht schien RB dann trotzdem zu überraschen. Diese hatte in der Zwischenrunde bereits Borussia Dortmund zu spüren bekommen, das im eigenen Stadion 2:4 verlor und in Glasgow nicht über ein 2:2 hinausgekommen war.

Der Enthusiasmus der Zeitungen in Schottland kannte am Freitag wenig verwunderlich keine Grenzen. "An einem turbulenten Abend im Ibrox-Stadion übertrafen sie mit dem Sieg über ein verblüfftes RB Leipzig erneut auf spektakuläre Weise das gefühlte Gewicht schottischer Mannschaften in Europa", schrieb etwa The Scotsman. Im Daily Record stand: "Die Spieler haben geliefert und nach einer der großartigsten Nächte, die das Ibrox-Stadion je erlebt hat, dafür gesorgt, dass dieser europäische Traum weitergeht."

DFB-Pokal und CL-Quali als Ziele

RB bleibt Aufgabe und Chance zu gleich, die Saison doch noch zu krönen und die erhoffte Qualifikation für die Champions League zu sichern. Der Weg über den Sieg in der Europa League fällt nun flach, in der Liga bleiben RB zwei Spielen (gegen Augsburg und in Bielefeld), um den SC Freiburg noch von Rang vier zu verdrängen. Und mit den Breisgauern hat die Tedesco-Elf ja noch ein weiteres Date im DFB-Pokalfinale. Dort will RB im dritten Anlauf endlich die Trophäe holen.

Dafür könne es auch gut sein, dass RB nicht im Europacup-Finale antritt, wie Mintzlaff einwarf. Man habe "dann den Kopf frei und nicht noch eine harte Belastung vor dem Pokalfinale. Wir werden uns kleine Strohhalme suchen", erklärte er nach der Niederlage in Glasgow.

Wieder mal schwache Nerven bei RB

Blickt man allerdings zurück und nimmt nun auch dieses Spiel in Glasgow, kann man den Eindruck gewinnen, dass RB bei großen Spielen nie sein volles Leistungspotenzial abrufen kann. "Es ärgert mich, dass wir in solchen Spielen, wo es um so viel geht, nicht das auf den Platz bekommen, was wir können", fand auch Laimer, der bei einigen dieser Niederlagen in wichtigen Spielen dabei war.

Das Finale 2019 gegen Rekordpokalsieger Bayern München ging deutlich mit 0:3 verloren. Im Vorjahr war der BVB beim 1:4 gefühlt ebenfalls eine Klasse besser. Und auch 2020 beim Halbfinale des Champions-League-Turniers in Lissabon hatte RB gegen Paris St. Germain das Nachsehen, nachdem es zuvor die Gruppen gewonnen hatte und in der K.o.-Runde sowohl Tottenham als auch Atletico Madrid ausschaltete.

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Raphael Honndorf (mit dpa und SID)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR aktuell | 06. Mai 2022 | 19:30 Uhr

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