Fußball | Legende DDR-Rekordspieler Joachim Streich wartet auf Stammzelltransplantation

Joachim Streich gehört zu den herausragenden Ost-Fußballern. Seine Rekorde werden für immer Bestand haben, doch aktuell kämpft er einen anderen Kampf.

Joachim Streich
Bildrechte: IMAGO / Christian Schroedter

DDR-Rekordnationalspieler Joachim Streich ist schwer krank. Jetzt kam es bei der Therapie zu einem Rückschlag. Wie der 70-Jährige der "Bild" sagte, musste eine Stammzelltransplantation verschoben werden.

"Alles war vorbereitet, ich war schon auf Station. Doch dann kam eine Lungenentzündung dazwischen. Ich musste wieder entlassen werden. Das waren sehr schlimme Tage für mich", sagte Streich, der bereits vor drei Wochen behandelt werden sollte.

Der Arzt jubelte Streich früher zu

Streich leidet am Myelodysplastischen Syndrom im fortgeschrittenen Stadium, das in eine Leukämie übergehen kann. Bisher wurde Streichs Blut durch Transfusionen in Magdeburg erneuert, doch ein Arzt riet Streich zu einer effektiveren Behandlung. "Er hat mir verraten, dass er früher als Fan auf der Tribüne saß, als ich noch aktiv war. Ich habe mich da sofort gut aufgehoben gefühlt", sagte Streich.

Rekorde für die Ewigkeit

Obwohl für Streich schon während seiner aktiven Zeit als Spieler nicht immer alles nach Plan lief, gehörte der zweimalige DDR-Fußballer des Jahres (1979, 1983) seinerzeit zu den weltbesten Stürmern. In 102 Auswahlspielen traf er 55 Mal, dazu schoss er in 378 Oberligapartien 229 Tore - alles Rekorde für die Ewigkeit.

Joachim Streich - Ein Leben für den Fußball

Joachim Streich im Trainingsanzug der DDR-Nationalmannschaft
Als 18-Jähriger bestritt Joachim Streich sein erstes von 102 Länderspielen für die A-Nationalmannschaft der DDR. Die Aufnahme zeigt ihn 1974 bei der WM in der BRD, als er beim 0:2 gegen die Niederlande nur Zuschauer war. Bildrechte: imago/Werner Schulze
Joachim Streich im Trainingsanzug der DDR-Nationalmannschaft
Als 18-Jähriger bestritt Joachim Streich sein erstes von 102 Länderspielen für die A-Nationalmannschaft der DDR. Die Aufnahme zeigt ihn 1974 bei der WM in der BRD, als er beim 0:2 gegen die Niederlande nur Zuschauer war. Bildrechte: imago/Werner Schulze
Wolfram Löwe (li.) und Joachim Streich relaxen am Rande des Trainings.
Mai 1974: Wolfram Löwe (li.) und Joachim Streich in einer Trainingspause für die WM-Vorbereitung. Bildrechte: imago/Werner Schulze
Kopfball von Joachim Streich bei der Weltmeisterschaft 1974 im Spiel gegen Australien
14. Juni 1974: Bei der WM kommt Joachim Streich im Gruppenspiel gegen Australien zu einem Kopfball. In der 72. Minute markierte er mit einem Linksschuss den 2:0-Endstand. Für die DDR-Auswahl traf er insgesamt 55 Mal. Bildrechte: imago/Werner Schulze
Joachim Streich bejubelt das 2:1 im Spiel gegen Malmö FF im Europapokal der Landesmeister 1975/76
1975 wechselte Joachim Streich vom FC Hansa Rostock zum 1. FC Magdeburg. In seiner ersten Saison bejubelt er am 1. Oktober sein Elfmetertor zum 2:1 im Spiel gegen Malmö FF im Europapokal der Landesmeister. Am Ende schied der FCM jedoch durch ein 3:3 aus dem Wettbewerb aus. Bildrechte: imago/Werner Schulze
Martin Hoffmann, Joachim Streich und Manfred Zapf
Einen großartigen Abend erlebte Joachim Streich (Mitte) am 19. Oktober 1977 gemeinsam mit Martin Hoffmann (l.) und Manfred Zapf (r.), als der FCM in der 2. Runde des UEFA-Cups Schalke 04 mit 4:2 bezwang. Auch das Rückspiel gewannen die Magdeburger mit 3:1. Bildrechte: imago/Sven Simon
Joachim Streich wird zum Fussballer des Jahres 1979 in der DDR ausgezeichnet
1979 wurde Joachim Streich zum Fußballer des Jahres 1979 in der DDR ausgezeichnet. Bildrechte: imago/Camera 4
Magdeburgs Torjäger Joachim Streich hat abgeschossen, Wolfgang Hölls Abwehraktion kommt zu spät
Doch es gab auch bittere Niederlagen für Rekordspieler Streich: Im Punktspiel der DDR-Oberliga am 23. Februar 1980 bei Wismut Aue zog der 1. FCM mit 0:3 den Kürzeren. Bildrechte: Frank Kruczynski
Joachim Streich und Jürgen Sparwasser
4. April 1990 - Wiedersehen alter Sturmkollegen: Joachim Streich als Trainer des 1. FC Magdeburg im Gespräch mit Darmstadt-Coach Jürgen Sparwasser. Bildrechte: imago/Camera 4
 Dirk Schuster im Gespräch mit Joachim Streich, 1990
Als erster Oberliga-Trainer der DDR nutzte Joachim Streich nach der Wende die Möglichkeit, als Coach bei einem Fußballverein im Westen zu arbeiten. Im Sommer 1990, noch vor der Wiedervereinigung, ging er nach Braunschweig, der Partnerstadt Magdeburgs, und wurde Trainer des damaligen Zweitligisten Eintracht. Elf Spieltage vor Saisonende wurde Streich (im Gespräch mit Dirk Schuster) jedoch entlassen.  Bildrechte: IMAGO
Gerd Müller (re.) und Joachim Streich.
1. Oktober 1997: Der "Gerd Müller des Ostens" im Gespräch mit dem Original, dem "Bomber der Nation". Bildrechte: imago/Rolf Hayo
Joachim Streich, Georg Buschner und Bern Bransch
8. Mai 2004: Der ehemalige Nationaltrainer Georg Buschner (re.) mit seinen DDR-Traditionsspielern Joachim Streich (li.) und Bernd Bransch. Bildrechte: imago/Camera 4
Ulf Kirsten und Joachim Streich
8. Oktober 2013: Joachim Streich im Einsatz für die Magdeburg Allstars und Ulf Kirsten (Lothar Matthäus & Friends) vor dem "Benefizspiel der Legenden gegen die Flut" in der MDCC Arena in Magdeburg. Bildrechte: imago/Christian Schroedter
Joachim Streich
2017 erschien die Biographie "Der Torjäger" über den Rekordfußballer. Bildrechte: imago/VIADATA
Joachim Streich im Interview vor dem Spiel.
6. Oktober 2018: Joachim Streich noch immer bei den Medien gefragt - hier beim Ost-Klassiker 1. FC Magdeburg gegen Dynamo Dresden in der 2. Bundesliga. Bildrechte: imago/Contrast
Joachim Streich
Joachim Streich mit einem Jubiläumstrikot von seinem Verein Anker Wismar, bei dem er seine unvergessliche Karriere als Sechsjähriger begann. Bildrechte: imago images/Ed Gar
Joachim Streich mit seiner Ehefrau und Geschäftsführer Mario Kallnik 1. FC Magdeburg - 3. Liga Fußball Saison 2020-2021 Punktspiel FC Hansa Rostock vs. 1. FC Magdeburg im Ostseestadion in Rostock
10. April 2021: Joachim Streich mit seiner Ehefrau und Geschäftsführer Mario Kallnik (1. FC Magdeburg) beim Drittliga-Punktspiel FC Hansa Rostock gegen 1. FC Magdeburg (0:2) im Ostseestadion. Bildrechte: imago images/Christian Schroedter
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Anfänge an der Küste

Begonnen hatte Streichs erfolgreiche Karriere Wismar, wo er nahe der Werft geboren wurde, bei der BSG Aufbau. Von Anfang an kannte er nur eine Richtung: das gegnerische Tor. 1967 wechselte er als 16-Jähriger zum FC Hansa Rostock.

Beim FC Hansa reifte der nur 1,73 Meter große Streich zum Schrecken der gegnerischen Abwehrspieler und zum Nationalspieler, als 18-Jähriger absolvierte er sein erstes A-Länderspiel. 1975 verabschiedete sich der Stürmer und wechselte zum 1. FC Magdeburg. Vor allem im Trikot des FCM wurde er berühmt.

Magdeburgs Torjäger Joachim Streich hat abgeschossen, Wolfgang Hölls Abwehraktion kommt zu spät
Punktspiel DDR-Oberliga Wismut Aue - 1.FC Magdeburg (3:0 am 23.2.1980): Magdeburgs Torjäger Joachim Streich (rechts) hat abgeschossen, Wolfgang Hölls Abwehraktion kommt zu spät. Bildrechte: Frank Kruczynski

Streich wird in Fußball-Hall-of-Fame aufgenommen

Ende November 2021 wurde Streich in die Hall of Fame des deutschen Fußballs aufgenommen. Gemeinsam mit Trainer-Legende Udo Lattek, WM-Rekord-Torschütze Miroslav Klose, der 1954er-WM-Held Horst Eckel sowie 1990er-Weltmeister Jürgen Kohler wurde Streich als neuestes Mitglied der Fußball-Ruhmeshalle des Deutschen Fußballmuseums in Dortmund gewählt.

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sst/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | MDR | 24. März 2022 | 08:15 Uhr

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