Fußball | 2. Bundesliga Terrazzino: "Welchen Menschen können diese Bilder aus Norditalien wirklich kalt lassen?"

Im ersten Spiel gelang Dynamo Dresdens Winterzugang Marco Terrazzino ein goldenes Tor, danach hakte es etwas - nicht nur wegen der Corona-Krise. Der Deutsch-Italiener über seine Cousine in Turin, eine mögliche eSport-Karriere und die Zukunft der SGD.

Marco Terrazzino
Bildrechte: imago images / Steffen Kuttner

Frage: Ihre Familie stammt ursprünglich aus Sizilien. Wie eng ist noch Ihr Kontakt dahin?

Marco Terrazzino: In Italien lebt nur noch ein kleiner Teil meiner Familie,  weil die meisten mittlerweile nach Deutschland ausgewandert sind. Meine Tante wohnt noch in Sizilien und meine Cousine lebt in Turin.

Wie oft waren Sie in den letzten Jahren in Italien?

Eher selten, weil das Wetter im Juni, wenn wir frei haben, meistens noch nicht ganz so gut ist. Aber ich war letztes Jahr mal wieder zusammen mit meiner Frau auf Sizilien, weil mein Bruder dort ein kleines Hotel eröffnen wird.

Wie verbunden sind Sie mit Italien? Was würden Sie zum Beispiel wählen, wenn Sie sich zwischen der deutschen und der italienischen Nationalmannschaft entscheiden müssten?

Das ist eine gute Frage (lacht). Ich bin sehr mit Deutschland verbunden. Trotzdem bin ich mit dem Heimatland meiner Eltern sehr eng verbunden. Als Kind habe ich  vor allem in den Sommerferien jedes Jahr immer viel Zeit dort verbracht, die mich und meine Liebe zu diesem Land natürlich auch geprägt hat. Vielleicht fühle ich mich emotional sogar einen Ticken mehr als Italiener. Ich denke, die Bezeichnung deutscher Italiener passt ganz gut zu mir und meinem Charakter.

Was denken Sie, wenn Sie die aktuellen Bilder aus Italien sehen, das ja ganz besonders unter der Corona-Pandemie zu leiden hat?

Das geht mir natürlich sehr nah. Aber welchen Menschen können diese Bilder aus Norditalien wirklich kalt lassen? Niemanden! Meine Cousine lebt ja in Turin mitten in den schlimmen Zuständen. Sie ist seit dem 8. März ausschließlich zu Hause, und kann wirklich nur dann rausgehen, wenn sie einkaufen muss und das dauert dann ein paar Stunden. Da leiden wir sehr mit. Ganz Italien kämpft gegen die Ausbreitung des Coronavirus und die verheerenden Folgen.

Was erzählt Ihre Cousine über die derzeitige Situation in Turin?

Sie kocht zum Beispiel jeden Tag was anderes, weil man ja irgendein Hobby braucht, um die Zeit rumzukriegen. In unserer Familien-Gruppe bei WhatsApp singen wir auch viel zusammen und versuchen sie so aus der Ferne zu unterstützen.

Marco Terrazzino wird am Oberschenkel behandelt.
Bei der Niederlage gegen Bochum zog sich Marco Terrazzino einen Muskelfaserriss zu (Archiv). Bildrechte: imago images/Hentschel

Zumindest indirekt sind Sie in Dresden auch von der Pandemie betroffen, da sie weder spielen noch trainieren dürfen. Wie vertreiben Sie sich da die viele Zeit?

Wir haben ein Lauf- und Kraftprogramm für zu Hause. Ansonsten sind meine Frau und ich sehr kreativ. Wir haben einen Basketballkorb und zwei Tore bestellt und spielen viel, manchmal auch Karten. Wenn die Sonne scheint, sind wir natürlich auf dem Balkon.

Probieren Sie dann auch jeden Tag ein neues Kochrezept aus?

Das macht meine Frau. Ich bin eher der, der am Ende würzt (lacht) und sie beim Kochen als Assistent unterstützt.

Und zocken Sie auch weiter auf der Playstation? Beim FIFA-e-Football-Turnier der DFL Ende März haben Sie sich zusammen mit Baris Atik Dynamo ja schon mal gut gegen zwei Spieler von Eintracht Frankfurt vertreten.

Der Verein hat rumgefragt und ich habe mich freiwillig gemeldet, obwohl ich früher eigentlich nur das Konkurrenzprodukt Pro Evolution Soccer gespielt habe. Mittlerweile habe ich auch wieder Spaß daran gefunden, nachdem ich die letzten Jahre wirklich null gezockt hatte. Aber ich habe mich dabei eher  auf Strategiespiele konzentriert.

Eine zweite Karriere als eSportler ist aber nicht drin, oder?

Also früher war ich richtig gut, wenn ich da weiter gemacht hätte, hätte wohl ein passabler eSportler aus mir werden können. Aber inzwischen habe ich keine Lust mehr, so viel vorm Fernseher rumzuhängen. Dafür ist mir die Lebenszeit draußen an der frischen Luft einfach zu kostbar.

Vor der Corona-Pause hatte Dynamo gerade einen Lauf mit zwei Siegen in Folge, darunter dem 2:1 im Derby gegen Aue. Da kam solch eine Unterbrechung sicher noch ungelegener.

Für die Mannschaft auf jeden Fall. Für mich persönlich war es gar nicht so schlecht, weil ich verletzt war und meinen Muskelfaserriss so auskurieren konnte. Klar wäre es mir lieber gewesen, wenn wir hätten weiterspielen können, weil wir gut drin waren. Ich denke trotzdem, dass wir voll da sind, wenn es wieder losgeht.

Bei Ihrem Dynamo-Einstand Ende Januar schossen Sie gleich den Siegtreffer im Spiel gegen Ihren Ex-Klub Karlsruher SC. Besser hätte es kaum laufen können, oder?

Da war ein cooler Start für mich. Danach haben wir weiter gepunktet, dann leider zwei Mal nicht gut gespielt. Deswegen war es umso bitterer, dass ich mich verletzt habe. Aber jetzt bin ich zum Glück wieder komplett fit.

Dresdens Marco Terrazzino (Mitte) bejubelt seinen Treffer zum 1:0
Marco Terrazzino (Mitte) bejubelt seinen Treffer zum 1:0 gegen den KSC (Archiv). Bildrechte: imago images/Dennis Hetzschold

Wegen der Corona-Krise ist noch vieles unklar. Könnten Sie sich dennoch bereits vorstellen, über das Leihende im Sommer hinaus in Dresden zu bleiben?

Für mich zählt erstmal nur, dass ich bis zum Saisonende alles für Dynamo gebe und wir gemeinsam mit unseren Fans den Klassenerhalt schaffen. Denn das ist Ziel, warum ich im Winter nach Dresden gekommen bin. Was danach kommt, wäre wohl auch ohne Corona-Pause zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar. Ich kann nur sagen, dass ich mich hier sehr wohl fühle, aber in der kommenden Saison einen Vertrag beim SC Freiburg habe. Das sind die Fakten zum jetzigen Zeitpunkt.

2010 haben Sie die Fritz-Walter-Medaille in Gold in der Altersklasse U18 bekommen. Im Jahr davor erhielt sie Toni Kroos, im Jahr nach Ihnen Mario Götze. Warum hat es am Ende nicht so zu solch einer Karriere wie bei den beiden gereicht?

Jeder muss im Fußball seinen eigenen Weg gehen. Ich habe nie professioneller für meinen Beruf als im Moment gelebt und verfolge weiter ehrgeizig meine Ziele. Ich werde bald 29 Jahre jung und bin hochmotiviert, noch einige Jahre auf höchstmöglichem Niveau Fußball zu spielen. Ganz am Anfang meiner Karriere bin ich bereits als 17-Jähriger bei den Profis in Hoffenheim reingeworfen worden. Im Nachhinein kam der Sprung in die Bundesliga etwas zu früh für mich, weil der Anpassungsprozess bei mir länger gedauert hat. Aber das ist lange her. Ich lebe in der Gegenwart und da will ich so erfolgreich wie möglich sein. Ich bin mit meinem Weg noch lange nicht am Ende.

Die Fragen stellte Christian Dittmar

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