Der Redakteur Gesundheitscheck für Sportler nach Corona-Infektion empfehlenswert

Nach den Meldungen vom Afrika-Cup oder von Bayerns Alfonso Davis über Herzprobleme nach einer Corona-Infektion - wie ist das bei Hobbysportlern? Sollten sie sich untersuchen lassen, bevor sie wieder Sport treiben? Redakteur Thomas Becker hat bei Kardiologe Professor Dr. Michael Böhm nachgefragt.

Sportschuhe, Basketball und eine Mund-Nasenmaske.
Nach Corona: Langsam mit dem Training beginnen! Beim Hausarzt Herzmarker checken lassen! Bildrechte: imago images/HMB-Media

Auch wenn es eine Selbstverständlichkeit ist: Weder eine Radiosendung noch ein Onlineartikel kann einen Arztbesuch ersetzen. Wir können nur allgemein aufklären, Experten befragen und von deren Fachwissen profitieren.

Unser Gesprächspartner ist Prof. Dr. Michael Böhm. Er ist der Direktor der Klinik für Kardiologie am Uni-Klinikum des Saarlandes und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, Herz- und Kreislaufforschung, die mit 8.700 Mitgliedern die größte kardiologische Gesellschaft in Europa ist. Das zeigt auch, die Fachärzte - in diesem Fall die Herzspezialisten - praktizieren nicht für sich alleine, sie stehen im intensiven Austausch, beziehungsweise können sich individuell über den neuesten Stand des Wissens auch bei Corona informieren.

Nur bei Wohlbefinden wieder mit dem Sport beginnen

Nun ist das Virus immer noch neu und deshalb kann man vieles auch "noch nicht in Lehrbüchern nachschlagen", sagt Böhm. Trotzdem ist das Virus eben ein Virus - und Viren gehen auch ans Herz. Hier habe das Coronavirus keine besondere Stellung, weshalb man sich nur bei Wohlbefinden wieder belasten sollte. Nun ist die Belastung eines Leistungssportlers nicht vergleichbar mit der eines normalen Joggers oder eines Hobby-Fußballers, auch wenn dieser ernsthaft die Kreisliga bespielt.

Bei Leistungssportlern ist sicher eine intensivere Untersuchung durchzuführen. Ansonsten gibt es Hausärzte, die sicherstellen müssen, dass im Blut keine Herzmarkererhöhung stattfindet.

Prof. Dr. Michael Böhm, Deutsche Gesellschaft für Kardiologie- Herz- und Kreislaufforschung

Das heißt: Wer sich unsicher ist, ob er nach einer Infektion schon wieder einsteigen darf, der sollte sich an seinen Hausarzt wenden. Mit Beschwerden und längeren Symptomen sowieso. Gestartet werden sollte mit dem Sport auch nicht gleich mit der maximalen Belastungsstärke. 50 Prozent sind ein Wert, den Böhm genannt hat. Er und seine Kollegen empfehlen, frühestens drei Tage bis eine Woche ab dem Ende der Symptome langsam wieder loszujoggen.

Husten und Luftnot ernst nehmen

Aber: Der Patient sollte sich selbst beobachten. Anzeichen, dass etwas nicht stimmt, wären zum Beispiel, dass sich die Belastbarkeit wieder verschlechtert, obwohl sie eigentlich schon ganz gut war. Fieber, Husten und Luftnot sind Signale, die ernst genommen werden sollten und ein Grund, die Laborwerte checken zu lassen. Das gilt natürlich auch für Herzrhythmus-Störungen, Brennen hinter dem Brustbein oder Belastungsschmerzen. Jede virale Infektion kann zu einer Mitbeteiligung des Herzens führen, muss aber nicht.  

Warum ist hier eigentlich nicht die Impfung das Thema?

Weil es eigentlich kein Thema ist. Diese Myokarditiden nach Impfungen, die besonders bei jungen Männern nach Impfungen beobachtet wurden, sind extrem selten, sagt Böhm, und sie gehen meistens auch spontan wieder vorbei. Nicht erst seit Corona sind Viren hier die gefährlicheren Verursacher solcher Erkrankungen. Und wegen der hohen Infektionsgefahr, die von der Omikron-Variante ausgeht, steigt rein statistisch die Gefahr, dass es Menschen trifft, die wegen einer persönlichen Disposition dafür empfänglich sind.

Herzmuskel Grafik 15 min
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MDR THÜRINGEN - Das Radio Mi 19.01.2022 15:20Uhr 14:36 min

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Das Risiko, das die Corona-Infektion selbst verursacht, ist weitaus höher als jede Impfnebenwirkung.

Prof. Dr. Michael Böhm, Deutsche Gesellschaft für Kardiologie-, Herz- und Kreislaufforschung

Das Impfen ist auch immer eine Risikoabwägung. Das wird in der aufgeheizten Debatte gern übersehen. Bei Corona findet die Risikoabwägung statt zwischen der Möglichkeit, sich ein bis zwei Tage schlapp zu fühlen, und der, sehr schwer zu erkranken. Die viel zitierten angeblichen Langzeitfolgen der Impfung einschließlich der Impfschäden sind weder zu erwarten, noch aufgetreten, im Gegenteil. Long Covid betrifft vorwiegend Ungeimpfte und der Hauptargumentationsfehler der Impfgegner ist es, angesichts Milliarden verabreichter Impfdosen mit den absoluten Zahlen möglicher Verdachtsfälle zu operieren. Da reicht schon der Blick in den Beipackzettel von Antibabypille und Antibiotika um festzustellen, dass die Corona-Impfstoffe vergleichsweise großartig abschneiden.

Das mit den "Nebenwirkungen" haben wir bei unseren Kindern übrigens vor Corona stets ganz entspannt hingenommen. "Der Kleine fiebert etwas." Die unruhige Nacht nach der Impfung war fest eingeplant, spazieren ging man, um zur Ruhe zu kommen, und den Impfling in den Schlaf zu schaukeln.

Impfungen sind unterschiedlich verträglich, sagt Böhm, das kennt man von der Grippeimpfung oder Tetanus. Angesichts der Toten, die der Experte und seine Kollegen jeden Tag sehen, gibt es aber keinen Grund, sich nicht impfen zu lassen. Um im Abwägungsvergleich zu bleiben: Mal abgesehen davon, dass es keinen Schnupfen-Impfstoff gibt - wegen drei Tagen Schnupfen müssen wir uns wohl eher nicht impfen lassen und uns deshalb vielleicht zwei Tage mit leichten Symptomen herumschlagen.

Die Corona-Impfung soll uns aber eben nicht vor etwas Schnupfen oder Husten bewahren, sondern vor schweren Verläufen bis zu Organschäden und Tod. Und dafür kann man auch mal leichte Symptome wie Kopfschmerzen und ein Grippegefühl aushalten.

Je mehr Medien über Nebenwirkungen berichten, desto größer wird die Nebenwirkung. Das heißt nicht, dass man keine Nebenwirkungen haben kann, diese sind aber medizinisch reversibel und trivial.

Infos zum Experten Prof. Dr. Michael Böhm ist Direktor der Klinik für Kardiologie am Uni-Klinikum des Saarlandes und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie- Herz- und Kreislaufforschung, die mit 8700 Mitgliedern die größte kardiologische Gesellschaft in Europa ist.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 19. Januar 2022 | 16:20 Uhr

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