Corona-Virus Boostern – die dritte Impfung: Virologe beantwortet Fragen

Bundesgesundheitminister Jens Spahn (CDU) empfiehlt, dass sich alle Deutschen ein drittes Mal gegen eine Covid19-Erkrankung impfen lassen sollen. Der Leipziger Virologe Prof. Uwe Gerd Liebert beantwortet hier Fragen zum "Boostern".

Ein Jungendlicher erhält in einem temporären mobilen Impfzentrum seine zweite Impfung gegen Covid-19.
Die virusneutralisierenden Antikörper nehmen mit der Zeit ab, so dass viele Experten früh Geimpften zur dritten Impfung gegen das Coronavirus raten. Bildrechte: dpa

Liegen die zunehmenden Impfdurchbrüche in der letzten Zeit daran, dass der Impfschutz bei vielen "aufgebraucht" ist?

Prof. Uwe Gerd Liebert: Das ist offensichtlich teilweise korrekt. Zu berücksichtigen ist allerdings zusätzlich, dass ein Virus nicht unveränderlich ist. Die Mutationsrate bei Coronaviren ist zwar relativ gering, aber die hohen Viruskonzentrationen, die vielen zehntausend Infizierten im eigenen und in den benachbarten Ländern und das weltweite Infektionsgeschehen mit explodierender Infektionsdynamik in einigen Regionen führen letztendlich dazu, dass immer wieder neue Virusvarianten auftreten und übrigens bereits in den zurückliegenden 20 Monaten entstanden sind. 

Wie lange dauert es nach dem Erreichen des vollständigen Corona-Impfschutzes, bis es ratsam ist, eine Booster-Impfung in Anspruch zu nehmen? Ist nach Altersgruppen zu unterscheiden?

Prof. Uwe Gerd Liebert: Eine Reihe von Studien hat gezeigt, dass ca. 40 Prozent von vollständig geimpften Personen nach sechs Monaten keinen nachweisbaren ausreichenden Impfschutz durch virusneutralisierende Antikörper mehr aufweist. Dies scheint bei allen Altersgruppen vergleichbar zu sein, wobei mit steigendem Lebensalter, also ab 65 oder 70 Jahren der Impfschutz eher schneller nachlässt. Deshalb ist es sinnvoll und ratsam, die angebotenen Boosterimpfungen wahrzunehmen und sich gegebenenfalls umgehend um einen Impftermin zu kümmern.

 

Prof. Uwe Gerd Liebert, Direktor des Institutes für Virologie am Universitätsklinikum Leipzig.
Prof. Dr. Uwe Gerd Liebert ist ehemaliger Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Leipzig. Bildrechte: Universitätsklinikum Leipzig

Sind die Booster-Impfstoffe an die Virusvarianten angepasst worden?

Prof. Uwe Gerd Liebert: Gegenwärtig ist die Notwendigkeit für die Anpassung der Impfstoffe noch nicht gegeben. Es wird aber daran gearbeitet, da beispielsweise die sogenannten Delta-Varianten eine gesteigerte Eigenschaft aufweisen, das Immunsystem zu unterlaufen und zu den sogenannten Durchbruchinfektionen führen können. Dies ist glücklicherweise bislang relativ selten. Bei der Entwicklung von "angepassten" Impfstoffen ist zu berücksichtigen, dass auch diese einer Zulassung bedürfen, die Wochen bis Monate dauert. Zudem kann man selbstverständlich nur gegen das anpassen, das man schon beobachtet hat. Das SARS-Coronavirus ist uns jedenfalls voraus.

Behält man den Status als "vollständig geimpft, wenn man keine Booster-Impfung in Anspruch nimmt?

Prof. Uwe Gerd Liebert: In den neueren Versionen, z.B. von Corona-Warn-APP, CovPass und Green-Pass, ist keine Dauer der Gültigkeit mehr angegeben, da die o.g. Erkenntnisse gezeigt haben, dass nach Monaten der Impfschutz abnimmt.

Sind mobile Impfteams in Alten- und/oder Pflegeheimen unterwegs, um zu boostern?

Prof. Uwe Gerd Liebert: Das ist regional unterschiedlich. Nach den erschütternden Todesfällen in Brandenburg oder Sachsen-Anhalt werden zunehmend wieder mobile Impfteams in Pflege- und Altenheimen eingesetzt um Boosterimpfungen vorzunehmen, sowohl bei Bewohnern als auch beim Personal. 

 

Sie haben viele Jahre lang die Virologie am Leipziger Uniklinikum geleitet. Dort werden die planbaren OPs und Spezialsprechstunden in den Ambulanzen derzeit wieder um etwa 30 Prozent reduziert, um Kapazitäten freizuhalten. Wie schaut die Situation derzeit dort aus? Wie stark sind die Intensivbetten ausgelastet?

Prof. Uwe Gerd Liebert: Am Universitätsklinikum Leipzig steigen die Zahlen von Patienten mit einer COVID-19 Erkrankung auf den Intensivstationen stark an; es werden auch Patienten aus anderen Regionen, z.B. aus dem Erzgebirge übernommen. Auch auf den sog. Normalstationen steigt die Zahl der COVID-19-Patienten. Dies gilt aber für alle Krankenhäuser in der Region Leipzig.

Quelle: MDR Hauptsache Gesund

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 04. November 2021 | 21:00 Uhr

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