Finanzen Altersvorsorge für Frauen: Mit diesen Tipps schützen Sie sich vor Altersarmut

Finanztip-Expertin Anja Ciechowski
Bildrechte: Finanztip

Mangelndes Selbstvertrauen oder fehlendes Finanzwissen kann Frauen abschrecken, sich mit den eigenen Finanzen zu beschäftigen – so eine Studie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung. Anja Ciechowski von Finanztip gibt fünf Tipps, mit denen Frauen ihre Altersvorsorge in die eigenen Hände nehmen können. Und wenn sich Frauen einmal überwunden haben, sind sie bei der Geldanlage sogar oft erfolgreicher als Männer.

Hand einer Seniorin mit Euroscheinen
Frauen kümmern sich seltener um die Finanzen als Männer. Bildrechte: IMAGO / imagebroker

1.058 Euro brutto im Monat: So viel Rente bekamen ostdeutsche Frauen 2020. Viel zu wenig! Vor allem, wenn man bedenkt, dass diejenigen, die weniger als 1.124 Euro monatlich zum Leben haben, in Deutschland als armutsgefährdet gelten. Erhebungen der Deutschen Rentenversicherung haben ergeben, dass Frauen mehr als 400 Euro weniger gesetzliche Rente bekommen als Männer.

Wegen der Familie arbeiten Frauen oft weniger

Eine blonde Frau sitzt an einem Schreibtisch und stützt den Kopf auf
Gleiche Arbeit, ungleiche Bezahlung – das kann frustrieren. Bildrechte: imago images/Westend61

Die Ursachen der Rentenlücke zwischen Männern und Frauen (engl. "Gender Pension Gap") sind vielfältig und häufig struktureller Natur. Sie treffen Frauen spätestens dann, wenn es an die Familienplanung geht. Den Kindern zuliebe wird die Erwerbsarbeit unterbrochen, Frauen arbeiten öfter in Teilzeit, haben Jobs in weniger gut bezahlten Branchen. Hinzu kommt, dass Frauen schlichtweg weniger verdienen als Männer – und zwar bei gleicher Qualifizierung.

Das eigentliche Problem dabei: Wer weniger verdient, zahlt weniger in die Rentenkasse ein, bekommt also dann auch weniger Rente. Doch wenn wir uns rechtzeitig an unsere Finanzen wagen, muss einem entspannten Leben ohne finanzielle Sorgen im Alter nichts im Wege stehen.

In fünf Schritten zur privaten Altersvorsorge

1. Status Quo festhalten

Vor der eigentlichen Geldanlage wartet der Kassensturz auf Sie. Wie viel kommt jeden Monat rein? Wie viel geben Sie regelmäßig für Miete, Strom oder Essen wieder aus? Und vor allem: Was bleibt am Monatsende übrig? Damit Sie nicht den Überblick verlieren, kann auch ein Haushaltsbuch helfen. Und keine Angst, Sie müssen nicht die ganze Zeit Ihre Ausgaben festhalten – ab und an mal für zwei bis drei Monate reicht vollkommen. Denn wenn Sie wissen, wie viel Sie für was ausgeben, spart es sich gleich viel leichter. Wer sich genauer mit den Einnahmen und Ausgaben beschäftigt, bekommt zudem ein gutes Gespür für die eigenen Finanzen und erkennt, wo sich Einsparpotential versteckt – ein wichtiger Schritt in Richtung finanzielle Freiheit.

2. Ungenutztes Sparpotential ermitteln

Bei Ihnen bleibt am Monatsende kaum etwas zum Sparen übrig? Dann schauen Sie sich doch mal Ihre Verträge genauer an. Erst letztes Jahr hat Finanztip in einer breit angelegten Wechselstudie festgestellt, dass sich Treue nicht auszahlt. Wer regelmäßig die Autoversicherung, den Handyvertrag und Stromanbieter wechselt, spart bis zu 460 Euro im Jahr. Verabschieden Sie sich also von überflüssigen Versicherungen und ungenutzten Abos. Wechseln Sie zu günstigeren Anbietern und zahlen Sie Ihre Beiträge jährlich statt monatlich, wenn möglich.

Neben den Ausgaben haben Sie noch eine weitere Stellschraube, an der Sie drehen können: die Einnahmen. Ist die letzte Gehaltserhöhung über ein Jahr her? Dann wird es mal wieder Zeit mit Ihren Vorgesetzten übers Gehalt zu verhandeln. Untermauern Sie Ihr Anliegen mit stichhaltigen Argumenten und überzeugen Sie mit der Qualität Ihrer Arbeit – dann wird es Ihrem Chef schwer fallen, das nicht zu honorieren.

Machen Sie regelmäßig Ihre Steuererklärung, auch dann, wenn Sie gar nicht dazu verpflichtet sind. Das kann sich für Sie richtig lohnen – vor allem, wenn Sie viele Arbeitsausgaben haben oder zwischen Arbeitsstätte und Wohnort pendeln. Im Schnitt sind bis zu 1.027 Euro Rückzahlung drin.

Rotes Sparschwein
Wenn am Monatsende kaum etwas zum Sparen übrig bleibt, lohnt sich ein Blick in bestehende Verträge – denn die sind oft überteuert. Bildrechte: dpa

3. Schulden tilgen und Notgroschen aufbauen

Egal, ob Sie einen Ratenkredit abzahlen, die Baufinanzierung sondertilgen oder das Girokonto aus dem Dispo holen: Die beste Geldanlage für Sparerinnen ist, bestehende Schulden zu tilgen. Das spart teure Zinskosten, die anderenfalls die Rendite Ihrer Geldanlage auffressen würden.

Haben Sie eigentlich einen Geldpuffer für schlechte Zeiten, etwa wenn die Waschmaschine kaputt geht oder das Auto streikt? Mindestens drei Nettomonatsgehälter gehören auf ein gut verzinstes Tagesgeldkonto als Notfallreserve. Das finden Sie am besten mit einem Tagesgeld-Rechner wie dem von Finanztip. Dieses Geld ist schnell verfügbar und kann in der Not eingesetzt werden.

4. Alle drei Säulen der Altersvorsorge nutzen

Setzen Sie bei der Altersvorsorge nicht nur auf die gesetzliche Rente. Sie bildet zwar das Fundament, das bröckelt allerdings schon seit einiger Zeit. Selbst die Deutsche Rentenversicherung weist regelmäßig daraufhin, dass es ohne private Vorsorge nicht geht. Sparen Sie, wenn möglich auch mithilfe der Chefin. Fragen Sie nach, wie es mit einer betrieblichen Altersvorsorge steht. Ob sich die Vorsorge über den Betrieb tatsächlich lohnt, hängt von den Konditionen ab, etwa wenn der Arbeitgeber ordentlich was dazu gibt oder die Kosten für den Vertrag sehr gering sind.

Die wohl größte Stellschraube, die Sie haben, ist die private Altersvorsorge. Auch der Staat unterstützt Sie beim Sparen – beispielsweise mit der bezuschussten Riester-Rente. Erwachsene erhalten bis zu 175 Euro im Jahr als staatliche Zulage, für Kinder gibt es bis zu 300 Euro. Dazu kommt oft eine Steuererstattung. Riestern kann sich für kinderreiche Familien mit geringerem Einkommen lohnen oder für sehr gut verdienende Singles.

Mittlerweile gibt es auch beim Tagesgeld und Festgeld wieder etwas mehr Zinsen. Zwar gleichen Sie die Inflation damit nicht aus, aber zumindest der Wertverlust Ihres Geldes verzögert sich. Damit sind das Tagesgeld- und Festgeldkonto eine sehr viel bessere Alternative als das Girokonto oder der Sparstrumpf – und gehören in jedem Fall zu Ihrem Anlagemix dazu.

Auch sogenannte Aktienindexfonds sollten zu Ihrem Anlagemix gehören. Denn wer wirklich für das Alter vorsorgen will, kommt um renditestärkere Anlageklassen wie Aktien nicht herum. Dank ETFs, börsennotierten Indexfonds, die die Wertentwicklung eines Indizes abbilden, geht das nicht nur kostengünstig, sondern auch in kleinen Raten. Bereits mit 25 Euro im Monat können Sie anfangen, sich ein kleines Vermögen aufzubauen. Wenn Sie sich dann noch an einige Punkte halten – etwa auf einen weltweit ausgerichteten Aktienindexfonds setzen und diesen mindestens 15 Jahre halten – minimieren Sie automatisch das Verlustrisiko und bringen genügend Zeit mit, um Kursschwankungen an den Börsen einfach auszusitzen.

5. Nur Mut, legen Sie los!

Viele Frauen scheuen noch immer Themen wie Geldanlage und Altersvorsorge – oder überlassen sie dem Partner oder der Partnerin. Dabei brauchen Sie sich gar nicht verstecken. Studien haben ergeben, dass Frauen erfolgreicher Geld anlegen als Männer und eine höhere Rendite einfahren – wenn sie sich denn trauen. Also: Nur Mut! Bei der Geldanlage dürfen sich Frauen also ruhig so einiges zutrauen!

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Quelle: MDR um 4 | Erstmals veröffentlicht am 06.07.2021

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 19. Juli 2022 | 17:00 Uhr

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