Stichtag 31. März Mehr Rente durch freiwillige Beiträge – Inflationsschutz inklusive

Noch bis zum 31. März 2022 können freiwillig Rentenbeiträge für das Jahr 2021 nachgezahlt werden. Das bringt mehr Rente und Wartezeiten. Doch nicht alle können das. Wer und wie profitieren könnte, erklären wir hier.

Zwei Rentner sitzen auf einer Bank
Freiwillige Beiträge als Altersvorsorgeaufwendungen sind sehr hoch steuerlich absetzbar, so Rentenexperte Christian Lindner. Bildrechte: dpa

Nachzahlung bis 31. März 2022 möglich

Wer in der gesetzlichen Rentenversicherung nicht pflichtversichert ist, kann noch bis zum 31. März 2022 freiwillig Rentenbeiträge für das Jahr 2021 nachzahlen und so Rentenanwartschaften sichern und seine Rente erhöhen. Darauf weist aktuell der Bundesverband der Rentenberater hin. Aber auch Rentner können unter Umständen ihre Rente verbessern.

Die freiwilligen Beiträge können bis zum 31. März für das komplette Jahr 2021 eingezahlt werden. Bis zu dem Stichtag sollte das Geld also entweder bei der Deutschen Rentenversicherung gutgeschrieben oder zumindest ein formloser Antrag gestellt sein. Durch den Antrag wird die Frist ausgesetzt und die Zahlung ist auch noch später möglich.

 Inflationsschutz von Rentenbeiträgen

"Freiwillige Rentenbeiträge sind eine nahezu inflationsgeschützte Investition", sagt Thomas Neumann, der Präsident des Bundesverbandes der Rentenberater e.V. Das hängt damit zusammen, dass die Entwicklung der Rentenhöhe an die Entwicklung der Löhne gekoppelt ist: Steigende Preise ziehen in der Regel steigende Gehälter nach sich und erhöhen somit auch die Renten.

Mehr Rente bekommen

Freiwillige Beiträge steigern den Rentenanspruch. Je höher die gezahlten Beiträge sind, desto höher ist auch die Rentensteigerung. Bei Zahlung des freiwilligen Mindestbeitrags von 83,70 Euro für die Dauer eines Jahres ergibt sich zurzeit eine monatliche Rentensteigerung von rund vier Euro.

Der Höchstbeitrag, der monatlich freiwillig in die Rentenkasse eingezahlt werden darf, beträgt für 2021 pro Monat 1.320,60 Euro, also 15.847,20 Euro im Jahr. (2022 liegt der Höchstbetrag bei 1.311,30 Euro/ Monat). Wer ein Jahr lang den Höchstbetrag zahlt, kann mit einem Rentenplus von etwa 74 Euro im Monat rechnen. Diese Zahlung erfolgt ein Leben lang, egal wie alt man wird. Im Todesfall können Rentenzahlungen an die Hinterbliebenen erfolgen.

Und nicht zu vergessen: Diese Summe wird mit jedes Jahr zum 1. Juli angepasst. Für 2022 etwa plant die Rentenversicherung im Osten eine Erhöhung der gesetzlichen Rente um 6,12 Prozent, wodurch aus den ca. 74 Euro schon ca. 78,50 Euro werden würden.

Wer kann freiwillige Beiträge zahlen?

Wer in Deutschland wohnt, mindestens 16 Jahre alt ist, noch keine Altersvollrente bezieht und in der gesetzlichen Rentenversicherung nicht versicherungspflichtig ist, kann sich bei der Deutschen Rentenversicherung freiwillig versichern. Dies gilt zum Beispiel für Selbständige, Freiberufler oder nicht erwerbstätige Erwachsene, wie etwa Hausfrauen. Auch Deutsche, die im Ausland wohnen, können freiwillige Beiträge zahlen.

Wartezeiten auffüllen

  • Stichwort Mütterrente

"Besonders für Eltern, die im letzten Jahr nicht rentenversichert waren, kann es sinnvoll sein, prüfen zu lassen, wie sich freiwillige Beiträge konkret auswirken“, erklärt Thomas Neumann. Um überhaupt eine Altersrente zu erhalten, benötigt man mindestens fünf Beitragsjahre. Seit dem 1. Januar 2019 bekommen Eltern für ihre vor 1992 geborenen Kinder 2,5 Beitragsjahre für die Erziehungszeiten angerechnet. Bei Kindern, die nach 1991 geboren wurden, sind es sogar drei Beitragsjahre. Das bedeutet: Mit zwei Kindern wäre ein Anspruch auf Altersrente schon mal grundsätzlich gesichert.

Durch die Zahlung freiwilliger Beiträge erhöht sich nicht nur der Rentenanspruch, sondern es können auch Wartezeiten für einen Rentenanspruch erfüllt und in manchen Fällen bereits bestehende Rentenanwartschaften aufrechterhalten werden. So kann, wer trotz Kindererziehung keine fünf Jahre mit Beiträgen belegt hat, durch die Zahlung freiwilliger Beiträge einen Anspruch auf Regelaltersrente erwerben. Auch können Versicherte unter Umständen ihren Versicherungsschutz für den Fall einer Erwerbsminderung durch freiwillige Beiträge sichern.

  • Rententrick für Frührentner

Nach 45 Versicherungsjahren in der gesetzlichen Rentenversicherung kann man ohne Abschläge vorzeitig in Rente gehen – und zwar ab 64 (statt mit 66). Wer diese Voraussetzungen nicht erfüllt, sollte prüfen lassen, ob bzw. wann durch die Zahlung freiwilliger Beiträge die Wartezeit erfüllt werden könnte. "Mitunter führt erst die Nachzahlung für das Vorjahr dazu, die Rente ohne Abschläge bekommen zu können", so Neumann.

Allerdings ist dafür eine Reihe von Bedingungen zu erfüllen. Deswegen sollten sich Betroffene unbedingt vorher beraten lassen.

Mehr Rente – auch bei Rentenbezug

Auch wer schon eine vorgezogene Altersrente bezieht, kann durch freiwillige Zahlungen die Höhe der späteren Rente beeinflussen. Bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze können freiwillige Beträge eingezahlt werden. Das ist durch die Bestimmungen bei der sogenannten "Flexi-Rente" möglich.

Durch die seit 2020 geltenden hohen Hinzuverdienstgrenzen können diese "Flexirentner" derzeit de facto zwei Einkommen gleichzeitig beziehen, nämlich die Rente und bei fortgeführter Erwerbstätigkeit Lohn und Gehalt.

"Aber sogar nach Erreichen des 'regulären' Rentenalters kann man freiwillige Zahlungen leisten“, sagt der Präsident des Bundesverbandes der Rentenberater. Dazu muss dann eine Teilrente beantragt werden – das könnten auch 99 Prozent oder sogar 99,99 Prozent sein. "Dann wären freiwillige Beiträge möglich, was allerdings immer noch ein Insider-Tipp ist", erklärt Thomas Neumann. "Wichtig ist, das von Experten prüfen zu lassen."

Freiwillige Beiträge sind nur unter bestimmten Voraussetzungen also möglich und sinnvoll. Der Bundesverband der Rentenberater e.V. fordert seit langem, diese Regelung zu lockern und z.B. auch für Pflichtversicherte die Zahlung freiwilliger Beiträge zuzulassen.

Wichtig ist, das von Experten prüfen zu lassen.

Thomas Neumann, Präsident des Bundesverbandes der Rentenberater e.V.

Steuerlich absetzbar

"Wer nur Monate braucht, um bestimmte Wartezeiten zu erfüllen oder in bestimmten Fällen die Erwerbsminderungsrentenanwartschaft zu erhalten, zahlt meist nur den Mindestbeitrag. Wer etwas für seine Rentenhöhe tun will, orientiert sich in Richtung Höchstbeitrag", erklärt Christian Lindner, Rentenberater aus Langebrück bei Dresden.

Interessant ist, so Rentenexperte Lindner, dass freiwillige Beiträge als Altersvorsorgeaufwendungen sehr hoch steuerlich absetzbar sind und zu entsprechenden Steuererstattungen führen. Das gilt auch für Selbständige, die entweder nie oder nur kurzfristig angestellt gearbeitet haben. Sie könnten sich durch freiwillige Beiträge eine Altersrente sichern und gleichzeitig von hohen Steuererstattungen profitieren.

MDR Wirtschaftsredaktion

Mehr zum Thema Rente

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL - Das Nachrichtenradio | 19. Februar 2022 | 05:00 Uhr

Mehr zum Thema Finanzen

Weitere Ratgeber-Themen