Heizen, Tanken, Geldanlage Wie Sie trotz steigender Preise Geld sparen können

Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip
Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip Bildrechte: Finanztip

Der Krieg in der Ukraine hat auch Auswirkungen auf Deutschland. Die Energiekosten steigen, die Preise an den Tankstellen auch. Wie Sie trotzdem sparen können, erklärt Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen mit vielen nützlichen Tipps aus den Bereichen Heizen, Mobilität und Geldanlage.

Eine Hand hält ein Bündel 50-Euro-Scheine.
Um mit den Preissteigerungen gut zurecht zu kommen, braucht es kurzfristige und auch langfristige Antworten, erklärt Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen. Bildrechte: IMAGO / ANP

Der Krieg, den der russische Regierungschef Wladimir Putin in der Ukraine begonnen hat, wird auch uns eine Menge Geld kosten und zu Verwerfungen führen. Wenn Millionen Flüchtlinge nach Westeuropa streben und dort auch mindestens eine Zeit lang bleiben, muss die Infrastruktur dafür bereitgestellt werden. Das wird Geld kosten. Wohnungen fehlen noch dringender als ohnehin schon.

Aber wir können die Folgen des Krieges in der Ukraine für uns privat abmildern und uns besser für die Zukunft wappnen. "Besser frieren als sich schämen", ist zwar ein schöner Slogan für eine Demonstration, aber es geht noch klüger.

Im Kern geht es um drei Fragen:

  • Wie können wir unseren Energiebedarf im Haus und in der Wohnung auch in Zukunft bezahlbar halten?
  • Wie können wir unsere Mobilität auch bei steil steigenden Spritpreisen gewährleisten?
  • Wie können wir uns gegen Inflation wappnen und den Wert unseres Ersparten erhalten?

Alle drei Fragen brauchen eine kurzfristige Antwort, denn der Krieg findet jetzt statt. Und sie brauchen gleichzeitig auch eine langfristige Antwort, denn die Auseinandersetzung wird andauern, selbst wenn der heiße Krieg zu Ende sein wird.

Die Energiekosten zu Hause senken

Kurzfristig können Sie auf die drastisch steigenden Energiepreise nur mit Einsparungen reagieren. Man kann also zum Beispiel neue Thermostate installieren, wenn Sie die noch nicht haben, und man kann die Thermostate zum Beispiel um ein Grad Celsius herunterdrehen. Mit modernen Thermostaten können Sie für behagliche Wärme sorgen, wenn Sie zu Hause sind, und die Heizung herunterregeln, wenn Sie auf der Arbeit oder beim Einkauf sind.

Ein Grad weniger bringt im Schnitt sechs Prozent Ersparnis. Wenn Sie die Heizung selbst betreiben, kümmern Sie sich auch um den hydraulischen Abgleich durch den Klempner, der sorgt für weniger Energieverbrauch bei gleicher Heizleistung.

Heizöl klug kaufen

Eine kluge Einkaufspolitik beim Thema Öl bedeutet: Wenn der Heizöltank noch nicht leer ist, warten Sie den Sommer ab. Beim Öl ist es am wahrscheinlichsten, dass der Ölpreis von aktuellen Mondpreisen von mehr als 185 Euro je Liter (Stand 08.03.2022) wieder fällt.

Ein Mitarbeiter eines Heizöllieferanten bereitet die Befüllung des Tanks eines Hauses mit Heizöl vor
Wer jetzt Heizöl braucht, sollte nur wenig kaufen. Bildrechte: dpa

Wenn Sie jetzt tanken müssen, vergleichen Sie Preise, tanken sie wenig und machen Sie dem Lieferanten nicht die Vorgabe, dass er noch diese Woche kommen soll. Die Unterschiede zwischen verschiedenen Heizöl- oder Flüssiggashändlern machen schnell zehn Cent pro Liter aus.

Kündigen Sie Ihren Gasvertrag nicht. Wenn der Preis drastisch steigt, prüfen Sie andere Alternativen und unterschreiben Sie keine langfristigen neuen Verträge.

Staatliche Hilfen nutzen

Nehmen Sie die staatlichen Hilfen mit, die es gibt: von der kostenlosen Energieberatung bis zum Wohngeld mit extra Heizkostenzuschuss. Fast zwei Drittel der Haushalte mit Wohngeldanspruch haben den Anspruch bislang nicht geltend gemacht. Es geht schnell um mehr als 100 Euro – pro Monat!

Heizen langfristig gedacht

Langfristig geht es darum, ihre Heizung energetisch zu optimieren:

  • Im Altbau tauschen Sie Ihre alte Heizung gegen eine neue mit Wärmepumpe aus, am besten mit einer Photovoltaik-Solaranlage auf dem Dach. So kann ein Teil des Heizstroms selbst erzeugt werden. Die Förderung für den Austausch reicht bis zu 50 Prozent.
  • Im Neubau bauen Sie gleich eine Wärmepumpe ein – mit Solarthermie-Anlage. Die neuen Förderrichtlinien für Energetischen Neubau kommen demnächst.

Achtung Unterschied: Solaranlage ist nicht gleich Solaranlage Es gibt zwei Formen:

1. Sonnenwärme – (Fachbegriff "Solarthermie"): Hier geht es um Sonnen-Kollektoren, die Wasser für das Heizen erwärmen.

2. Sonnenstrom – (Fachbegriff "Photovoltaik"): Hier erzeugen Sonnen-Module den Strom.

Energie für Mobilität einsparen

Kurzfristig können Sie Ihre Energiekosten für Mobilität nur durch Verhaltensänderung verringern. Wenn der Spritpreis wegen Rohölspekulation und Krieg auf zwei Euro pro Liter steigt, zahlen sich solche Verhaltensänderungen unmittelbar aus.

Dafür haben Sie im Kern vier Möglichkeiten:

  • Anders Auto fahren, damit Sie beim Fahren weniger Sprit benötigen. 25 Prozent Spritersparnis durch anderes Fahrverhalten mit dem gleichen Auto haben ADAC-Ingenieure vorgemacht. Tempo 150 sollten Sie sich ohnehin sparen.
  • Sie können natürlich eine Tank-App nutzen, die hilft, die Tankstellen mit den günstigsten Preisen zu finden. Die Preisunterschiede reichen bis zu 20 Cent pro Liter, das macht bei einer Tankfüllung mehr als zehn Euro.  
  • Fahren Sie weniger Auto, indem Sie, falls möglich, mehr im Homeoffice arbeiten und Fahrgemeinschaften oder Einkaufsgemeinschaften bilden.
  • Fahren Sie weniger Auto, indem Sie auf andere Verkehrsmittel ausweichen: ÖPNV, Fahrrad, zu Fuß.

Ein SUV in Stadt.
Im Durchschnitt kostet ein Auto 250 Euro monatlich. Bildrechte: imago images / CTK Photo

Die Maßnahmen können zusammen zu deutlichen Einsparungen beitragen. Durchschnittlich kostet ein Auto im Betrieb 250 Euro im Monat, rechnete das Statistische Bundesamt schon 2021 aus, bei den damaligen Spritpreisen. Der Preis für den Kauf des Autos kommt obenauf.

Ihren neuen Verkehrsmittelmix können Sie auch mittel- und langfristig beibehalten.

E-Bike, Hybridauto oder spritsparender Gebrauchter

Daneben können Sie natürlich noch Ihr eigenes Verkehrsmittel nach den Möglichkeiten zum Spritsparen aussuchen:

  • Mit einem E-Bike lassen sich wesentlich mehr Wege zur Arbeit ohne Benzinverbrauch erledigen. Es gibt sogar Möglichkeiten, sich dies von der Firma fördern zu lassen.

  • Ein E-Auto oder Plug-In-Hybridauto spart viel Benzin. Und wenn Sie das Auto an der eigenen Solartankstelle oder der Solartankstelle der Firma aufladen können, umso besser.

  • Wenn ein Auto für Sie zwingend notwendig ist, Geld oder Infrastruktur aber nicht für ein E-Auto reichen, sollte Ihr nächstes Auto ein spritsparender Gebrauchtwagen werden. Das sorgt für weniger Wertverlust. Und wenn der Wagen aufgebraucht ist, ergibt sich die Möglichkeit für ein E-Auto erneut.

Den Wert des Geldes erhalten

Inflationsbekämpfung funktioniert ganz persönlich. Beim Statistischen Bundesamt gibt es sogar einen Rechner, mit dem Sie ihre persönliche Inflation bestimmen können.

Kurzfristig hilft am meisten: vergleichen, vergleichen, vergleichen! Preis-Suchmaschinen sind dabei für teure Einkäufe ein Muss.

Die zweite kurzfristige Maßnahme hat auch wieder mit einer Verhaltensveränderung zu tun. Stellen Sie Ihr Einkaufsverhalten mit Blick auf die Inflation um und steuern Sie so gegen die persönliche Inflation.

Erspartes sinnvoll anlegen

Mittel- und langfristig geht es natürlich um den Erhalt des Ersparten für wirkliche Notsituationen oder für große Sparprojekte wie die Ausbildung der Kinder oder das eigene Haus.

Zinsen bekommen Sie vorläufig keine oder so wenige, dass sich das zum Erhalt des Vermögens nicht auszahlt. Auf dem Tagesgeldkonto ist Ihr Ziel deshalb auch nicht, mit Zinsen das Geld zu mehren, sondern mit dem Ersparten teure Kredite, etwa den Dispo-Kredit, zu vermeiden.

Langfristig legen Sie ihr Geld entweder in persönlichen Sachwerten an, zum Beispiel Ihr Haus oder Ihren Balkon der Träume. Oder Sie investieren in einen marktbreiten, weltweiten Aktienindexfonds, gern auch mit nachhaltiger Ausrichtung. Russische Aktien sind dort ohnehin nicht dabei.

Wichtig ist beim Anlegen in Aktien aber immer, dass Sie wirklich langfristig anlegen, also für zehn bis 15 Jahre. Kurzfristig werden die Börsen in den kommenden Monaten nämlich mit Sicherheit sehr unruhig sein.

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Quelle: MDR um 4

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 09. März 2022 | 17:00 Uhr

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