Sicher auf Reisen Diebstahl auf Reisen: Was, wenn Ausweis, Geld und Bankkarten weg sind?

Im Sommer gehen viele Menschen auf Reisen. Egal ob Urlaub am Meer, in den Bergen oder ein Städtetrip. Wenn dann plözlich die Tasche oder Geldbörese verschwunden sind oder der Personalausweis nicht mehr auffindbar ist, kann die Traumreise schnell zum Alptraum werden. Doch es gibt schnelle Lösungen, wie der Urlaub dann noch zu retten ist.

Ein Mann greift nach einer Handtasche neben einer sitzenden Frau.
Taschendiebe können Urlaubern die Reise verderben - vor allem im Ausland. Sind Reisepass, Bargeld und Bankkarten weg, wird es kompliziert. Doch Sie können sich auch schützen! (Symbolbild) Bildrechte: imago/Panthermedia

Das Wichtigste in Kürze:

Sightseeing, sonnenbaden und Tapas mit der Freundin essen – so hatte sich Lotta Piek das verlängerte Wochenende in Barcelona eigentlich vorgestellt. Stattdessen wurde der günstige Kurzurlaub zur teuren Pendelei zwischen Polizei, Konsulat und Flughafen. Der Dresdnerin wurden keine 48 Stunden vor ihrem geplanten Rückflug nach Deutschland fast alle Wertsachen gestohlen. Sie erinnert sich: "Ich saß Sonnabend noch spät mit meiner Freundin in einem Restaurant und hatte meinen Rucksack neben mich auf den Boden gestellt. Irgendwann wurden wir angesprochen von jemandem, der die Metro gesucht hat. Wir haben ihn nicht so richtig verstanden und waren abgelenkt. Wenige Minuten später wollte ich etwas aus meinem Rucksack holen und er war weg."

Tipp der Polizei: Nicht ablenken lassen!

Der Verdacht liegt nahe, dass die Freundinnen absichtlich abgelenkt wurden und jemand unbemerkt den Rucksack an sich genommen hat. Für Polizeisprecher Lukas Reumund ist das ein typisches Vorgehen, das man so auch von anderen Orten kenne – beispielsweise von der Raststätte: "Diebe machen sich die Ablenkung zunutze. Sie lassen sich Wege auf Karten zeigen, während eine andere Person dann ins Auto geht und das durchsucht." Deshalb sei es immer ratsam, Wertsachen direkt am Körper in verschlossenen Taschen zu tragen. Selbst Außentaschen an Rucksäcken seien zu unsicher - gerade im Gedränge.

Bankkarten und Konten sperren lassen

Für Urlauberin Piek hatte der Verlust ihres Rucksacks drastische Folgen: Ausweis, Bankkarten, Schlüssel für den Hostelspind – alles weg. "Zum Glück hatte ich mein Handy noch", meint die 27-Jährige. "So konnte ich wenigstens ganz schnell meine Bankkarten sperren. Durch das kontaktlose Bezahlen ist es jetzt für Diebe viel einfacher, schnell mit der Karte einkaufen zu gehen."

Ausweis weg? Anzeige erstatten und Konsulat aufsuchen!

Weil an diesem Abend die zuständige Polizeistation nicht mehr besetzt war, ging Piek am nächsten Morgen zur Polizei, zeigte den Diebstahl an und bekam einen Durchschlag der Verlustanzeige. Diese ist wichtig für alle Menschen, die beispielsweise mit dem Flugzeug im Ausland sind. Für die Weiter- oder Rückreise benötigen Urlauberinnen und Urlauber in der Regel einen vorläufigen Reisepass. Der kann aber nur ausgestellt werden, wenn es einen entsprechenden Nachweis von der Polizei gibt – so die Aussage des Auswärtigen Amts. Den Passersatz gibt es bei der Konsularabteilung der deutschen Botschaften oder Generalkonsulate.

Doch was tun, wenn die Ausweispapiere am Wochenende oder sogar am Feiertag abhandenkommen, der Flug aber kurz bevor steht? "Da an Wochenenden und Feiertagen Behörden in Deutschland für die erforderlichen Rückfragen nicht erreichbar sind, müssen Sie damit rechnen, dass eine Ausstellung erst am nächsten Werktag möglich ist", erklärt das Auswärtige Amt auf seiner Website.

Tipp für den Reiseantritt Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte vor Reiseantritt eine Kopie der Ausweisdokumente machen und diese im Koffer lagern. Auch das Einscannen von Dokumenten kann den Behörden vor Ort helfen, schnell die nötigen Informationen für ein Passersatzdokument zusammenzutragen.

Rückflug teilweise ohne Ausweis möglich

So hat es auch Urlauberin Piek erlebt: An Pfingsten war im zuständigen Konsulat niemand zu erreichen, der Flug sollte aber schon am Montag zurück nach Dresden gehen. Inzwischen weiß sie aber, "dass einige Airlines auch die Verlustanzeige der Polizei akzeptieren und die Rückreise nach Hause möglich machen." Doch es gebe hier große Unterschiede, berichtet Piek: Beispielsweise Ryanair akzeptiere das Dokument nicht, der spanische Billigfluganbieter Vueling nur, wenn bereits die Hinreise mit dieser Airline erfolgt ist. "Letztendlich habe ich mir dann einen Lufthansa-Flug von meiner Freundin buchen lassen, um wieder nach Hause zu kommen. Da klappte das völlig problemlos."

Die Lufthansa konnte auf Nachfrage von MDR SACHSEN nicht bestätigen, dass es generell möglich ist, auf diese Weise zurück ins Heimatland zu reisen: "Ob eine Einreise (und damit das Boarding) statthaft ist, obliegt jeweils den Behörden des Ziellandes." Es kann also länderspezifische Unterschiede geben. Auch ein Hinweis des Auswärtigen Amts deutet darauf hin, dass sich Reisende nicht darauf verlassen sollten, dass der Flug ohne sogenanntes Passersatzdokument klappt: "Einige Staaten verlangen für die Ausreise den Einreisestempel als Nachweis der legalen Rückkehr. In diesen Fällen muss bei Passverlust ein Ausreisevisum des fremden Staates beschafft werden, was die Weiterreise zusätzlich verzögern kann."

Service von Banken und Kartenanbietern: Bargeld für den Notfall

Neben dem Verlust der Ausweisdokumente können auch geklaute Bankkarten und gestohlenes Bargeld zu großen Sorgen führen, wenn keine Reisebegleitung einspringen kann. Piek hatte Glück im Unglück: "Meine Freundin hat mir Geld abgehoben und ist dann schon vor mir abgereist, aber immerhin konnte ich etwas zu essen kaufen und hätte notfalls eine zusätzliche Nacht im Hotel bezahlen können."

Für Menschen, die alleine reisen, gibt es aber auch Lösungen für das Problem: Einige Banken beziehungsweise Kartenanbieter, wie DKB, Sparkassen, Deutsche Bank oder Postbank, haben einen Notfallbargeld-Service für solche Fälle. Er ist entweder an die Karten oder an das Girokonto der Kundin oder des Kunden gebunden. In der Regel wird die betreffende Karte gesperrt und ein Kurier wird zum Aufenthaltsort geschickt, um eine Ersatz-Bankkarte zu liefern. Je nach Anbieter gibt es bestimmte Voraussetzungen für den Service, außerdem können extra Kosten anfallen und es dauert einige Stunden oder Tage, bis das Geld dann zur Verfügung steht.

Geldautomat
Bankkarten weg, Kontos gesperrt und kein Bargeld in der Tasche? Einige Banken und Kartenanbieter bieten Bargeld für den Notfall an. Bildrechte: Colourbox

Geld von zu Hause senden lassen

Eine zweite Option kann noch deutlich schneller sein: Beispielsweise über den Anbieter Western Union können Geldbeträge aus der Ferne an die betroffene Person geschickt werden und stehen innerhalb weniger Minuten zur Verfügung. Dafür fallen aber Transaktionsgebühren an. Auch Paypal bietet einen entsprechenden Service mit xoom. Der Anbieter wirbt damit, dass Sie Bargeld zur Abholung an Tausende Partnerstandorte weltweit oder direkt zum Empfänger nach Hause senden können. Auch dieser Service ist nicht kostenlos.

Notfalltermin im Bürgeramt für den neuen Ausweis

Inzwischen ist Piek längst zurück in Dresden, hat allerdings deutlich mehr für den Kurztripp ausgegeben als ursprünglich geplant. Nach ihrer Rechnung sind ihr durch den Diebstahl rund 600 Euro Schaden entstanden – beispielsweise für einen neuen Flug und neue Dokumente. In diesen Tagen erhält sie ihre neuen Bankkarten, hat bereits ihren vorläufigen Ausweis in der Tasche und auch einiges dazugelernt: "Ich weiß jetzt beispielsweise, dass es beim Bürgeramt Notfalltermine gibt, wenn der Ausweis geklaut wurde. Ich hätte eigentlich erst im September einen regulären Termin bekommen. Ich habe aber angerufen, den Fall geschildert und so deutlich schneller einer Termin gekriegt. Ich hab gerade die Nachricht bekommen, dass mein Ausweis inzwischen verschickt wurde."

MDR (kp)

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