Friedensnobelpreisträger Russische Justiz ordnet Beschlagnahmung von Memorial-Büros in Moskau an

Nur wenige Stunden nach Bekanntgabe des Friedensnobelpreise für Memorial verliert die russische Menschenrechtsorganisation ihr Moskauer Büro. Ein Gericht ordnete die Verstaatlichung an. Die in Russland bereits verbotene Organisation will sich davon nicht weiter einschüchtern lassen und ihre Arbeit fortsetzen.

Ein Mann geht in Moskau am geschlossenen Büro von Memorial vorbei.
Ein Moskauer Gericht hat die Verstaatlichung des Moskauer Büros der bereits seit 2021 in Russland verbotenen Menschenrechtsorganisation Memorial angeordnet. Bildrechte: dpa

Die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete russische Menschenrechtsorganisation Memorial verliert ihren Stammsitz in Moskau. Nur wenige Stunden nach Bekanntgabe der Preisvergabe schlug ein Gericht in der russischen Hauptstadt das Büro dem russischen Staat zu. Die Büros hatten die Zentrale der Menschenrechtsorganisation gebildet. Hier hatte sie regelmäßig Ausstellungen veranstaltet.

Memorial will Arbeit trotz Repressionen fortsetzen

Memorial kündigte an, den Kampf um die Menschenrechte trotzdem fortzusetzen und den Nobelpreis zu feiern. Die Organisation teilte mit, die Arbeit solle trotz des Drucks der Behörden unter allen Umständen weitergehen – nach dem Vorbild von Gründungsvater Andrej Sacharow. Memorial sei eine Bewegung. Die Arbeit laufe in Russland und in der Ukraine sowie in anderen Ländern.

Memorial ist die älteste und wichtigste Menschenrechtsorganisation in Russland. Sie war unter anderem vom Physiker und Friedensnobelpreisträger Sacharow, dem Erfinder der sowjetischen Wasserstoffbombe,1989 gegründet worden. Seit Ende 2021 ist die Organisation in Russland verboten.

Friedensnobelpreise für osteuropäische Menschenrechtsorganisationen

Das Nobelkomitee hatte am Freitag bekannt gegeben, dass Memorial in diesem Jahr zusammen mit dem belarussischen Politiker und Menschenrechtsaktivisten Ales Bjaljazki und der ukrainischen Menschenrechtsorganisation Zentrum für bürgerliche Freiheiten (CCL) mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wird. Die Preisträger hätten einen "außergewöhnlichen Beitrag" dazu geleistet, Kriegsverbrechen, Menschenrechtsverletzungen und Machtmissbrauch zu dokumentieren, hieß es zur Begründung.

dpa, AFP, MDR (jks)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 07. Oktober 2022 | 20:30 Uhr

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