Unruhen im Iran Zahl der Todesopfer bei Protesten steigt

Die Proteste nach dem Tod einer jungen Frau im Iran halten an. Nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens sind 17 Menschen ums Leben gekommen, darunter auch vier Sicherheitskräfte, und mehr als 700 Menschen wurden verletzt. Die Führung in Teheran reagierte auf die seit Tagen andauernden Demonstrationen mit Einschränkungen des Internets und des Zugangs zu den Online-Netzwerken Whatsapp und Instagram.

Kurdische Frauen schwenken Kopftücher, während sie Bilder von Mahasa Amini in die Höhe halten.
Nach dem Tod von Mahsa Amini ist im Iran eine Protestbewegung in Gang gekommen. Bildrechte: dpa

Bei Protesten und Unruhen in Dutzenden Städten des Irans ist die Zahl der Todesopfer auf 17 Menschen angestiegen, so das iranische Staatsfernsehen. Die Organisation Iran Human Rights (IHR) mit Sitz in Oslo sprach sogar von 36 Toten. Nach Angaben der kurdische Menschenrechtsgruppe Hengaw gebe es desweiteren mehr als 700 Verletzte. Unter den Toten seien sowohl Sicherheitskräfte als auch Demonstranten, berichtete das Staatsfernsehen am Donnerstag. In iranischen Medien war von 280 Festnahmen allein am Donnerstag die Rede.

Auslöser der Proteste ist der Tod der 22 Jahre alten Iranerin Mahsa Amini. Sie wurde vor gut einer Woche von der Sittenpolizei wegen eines Verstoßes gegen die strenge islamische Kleiderordnung festgenommen. Was genau mit Amini nach ihrer Festnahme geschah, ist unklar. Sie fiel ins Koma und starb am Freitag in einem Krankenhaus.

Erneut Auseinandersetzungen in der Nacht zum Donnerstag

Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben. Menschenrechtsaktivisten zufolge erlitt sie einen tödlichen Schlag auf den Kopf. Seitdem gab es laut iranischen Staatsmedien in etwa 15 iranischen Städten Proteste, darunter in Teheran, Isfahan und Schiras.

In zahlreichen Städten lieferten sich Demonstranten in der Nacht zum Donnerstag erneut Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften, die laut Augenzeugen nach einer massiven Einschränkung des Internets mit Härte vorgingen. Auf Videos, die nicht verifiziert werden konnten, wird von Schüssen mit scharfer Munition berichtet.

Internet massiv eingeschränkt

Inzwischen solidarisierten sich prominente Iraner im Exil mit der Protestbewegung. Auch im Iran wurden Stimmen laut, die sich ungewöhnlich scharf gegen den Kurs der Regierung stemmten.

Das Internet im Iran ist mittlerweile massiv eingeschränkt und insbesondere mobile Netzwerke sind weitgehend abgeschaltet. Auch Instagram als eines der letzten freien sozialen Netzwerke wurde gesperrt. Die Regierung fürchtet offenbar, dass die Proteste die Ausmaße von 2019 erreichen könnten. Damals kamen 1.500 Menschen ums Leben, es waren die bislang schwersten seit der Gründung der Islamischen Republik 1979.

Einige reichweitenstarke iranische Nachrichtenportale, die über die Proteste berichtet hatten, waren im Ausland nicht mehr erreichbar. Auf den Webseiten der staatlichen Medien wurden die Demonstrationen wenig thematisiert. Die Regierung ihrerseits rief zu Gegendemonstrationen nach dem Freitagsgebet auf.

Für die Bundesregierung erklärte Regierungssprecher Steffen Hebestreit: "Wichtig ist nun eine rasche und umgehende Untersuchung des Todes von Mahsa Amini." Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nannte den Tod Aminis im Polizeigewahrsam "schrecklich". Auf Twitter schreibt er: "Egal wo auf der Welt: Frauen müssen selbstbestimmt leben können – ohne um ihr Leben fürchten zu müssen."

AFP,dpa (nvm/kar)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 22. September 2022 | 14:08 Uhr

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