Geldüberweisungen Sanktionstourismus: Russen eröffnen Konten im Ausland

Fotomontage Mann vor Fahne
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Mit Sanktionen will Westeuropa Russlands Bankensystem isolieren. Doch es gibt Schlupflöcher: Zahlreiche Banken in den russischen Nachbarländern buhlen gerade um wohlbetuchte Kunden aus Moskau, St. Petersburg und anderen russischen Großstädten. Auch die Reisebranche hat den Trend erkannt. Wer will, kann den Urlaub in Armenien, Usbekistan oder der Türkei gleich dazu nutzen, ein neues Bankkonto zu eröffnen, von dem man wieder Überweisungen ins Ausland tätigen kann.

Wartende Passagiere in Bahnhofsstation in Moskau (November 2021)
Wartende Passagiere in einem Moskauer Bahnhof (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / ITAR-TASS

Wenn sich Russen derzeit nach einem Urlaubsziel umschauen, dann zählen längst nicht mehr nur die Qualität der Hotels, die Preise für Tickets oder saubere Strände. Vielmehr durchforsten viele Reisewillige die Geschäftsbedingungen von Banken in ihrem Urlaubsland auf Hinweise darauf, ob und wie sie dort ein Konto eröffnen können.

Ein Mann mit einem Besen geht an einem leeren Strand in Antalya entlang
Der Strand im türkischen Antalya - die Türkei war in den vergangenen Jahren ein beliebtes Ziel für russische Touristen. Bildrechte: dpa

Russische Reiseanbieter sind auf den Zug aufgesprungen. Viele von ihnen werben mittlerweile mit Pauschaltouren nicht etwa zum Strand, sondern zu einer Bankfiliale in Usbekistan, Armenien oder in die Türkei. Der Verband russischer Reiseveranstalter (Ator) spricht von einem neuen Trend: Bankentourismus. Die Reiseanbieter würden wöchentlich Hunderte Anfragen bekommen.

Westliche Kreditkarten funktionieren nicht mehr

Kreditkarten von Mastercard und Visa
Ausländische Visa- und Mastercard-Karten funktionieren in Russland nicht mehr. Bildrechte: dpa

Seit Russlands Überfall auf die Ukraine sind die Banken des Landes in großen Teilen vom internationalen Zahlungssystem Swift ausgeschlossen. Die weltweit größten Kreditkartenbetreiber Visa und Mastercard setzten ihr Russland-Geschäft aus. Die Geldkarten russischer Finanzinstitute funktionieren dagegen nur in einer Handvoll Staaten, wie etwa Armenien, Usbekistan oder Kasachstan.

Für den Alltag bedeutet das, dass Überweisungen ins Ausland nur von einigen wenigen Banken ausgeführt werden können, die nicht von Sanktionen betroffen sind, wenngleich auch diese Zahlungen oft wochenlang bearbeitet oder von den Empfängerbanken im Ausland abgelehnt werden.

Für Auslandsreisen braucht man Bargeld

Wer ins Ausland fährt, kann wiederum nicht auf sein russisches Konto zugreifen und muss Bargeld mitführen. Seit März gilt eine strenge Obergrenze in Höhe von 10.000 Euro bei der Ausreise. Bestellungen in ausländischen Online-Shops oder Streaming-Services wie Netflix,  Hotelreservierungen bei internationalen Services oder Flugtickets bei ausländischen Airlines können ebenfalls nicht mehr mit einer russischen Karte bezahlt werden.

Bank-Tourismus in Usbekistan, Armenien und Belarus

Der amtsinhabende President Weißrussland, Alexander Lukashenko, bei seiner Ankunft an einem Wahllokal in Minks am 19. Dezember 2010.
Belarussischer Präsident Alexander Lukaschenko - einige Banken haben sich im Zuge der EU-Sanktionen entschieden, den gesamten Zahlungsverkehr mit Russland und mit Belarus einzuschränken. Bildrechte: imago stock&people

Vor allem für wohlhabende Russen ist ein Bankkonto in einem Russland gegenüber freundlich gesinnten Land die Lösung für diese Probleme. Das beliebteste Zielland ist nach Angaben des Branchenverbandes Ator das zentralasiatische Usbekistan. Eine mehrtägige Reise samt Besuch bei einer Bank in Begleitung eines Beraters, bekommt man ab 500 Euro. Ähnlich hoch sind die Preise für eine Konto-Tour nach Armenien.

Mit weniger bürokratischem Aufwand, dafür aber mit höheren Kosten und Risiken, ist eine Geldkarte in Belarus verbunden. Russen benötigen dafür nur einen Ausweis und eine Sim-Karte eines belarussischen Mobilfunkanbieters. Allerdings muss eine Kaution von etwa 4.000 Euro hinterlegt werden. Zugleich warnen russische Reiseanbieter, dass auch Belarus künftig von entsprechenden Finanzsanktionen betroffen sein könnte.

Neues Bankkonto als Extra-Dienstleistung

Ein Kunde steckt eine Kreditkarte in einen Geldautomaten
Ein Geldautomat der Sberbank, Russlands größtem Geldinstitut, das Anfang Juni aus dem internationalem Finanzkommunikationsnetzwerk Swift ausgeschlossen worden ist. Bildrechte: dpa

Einige Anbieter verknüpfen ihre Urlaubsangebote mit den neuen Bedürfnissen ihrer betuchten Kunden. So bietet etwa der russischen Reiseveranstalter Pegas Touristik jenen Landsleuten, die ohnehin in die Türkei reisen, ein Bankkonto als Extra-Dienstleistung an. Zwar wird diese nicht offiziell beworben. Doch für eine Gebühr von 200 Euro helfen Mitarbeiter des Anbieters vor Ort ein Konto etwa bei der DenizBank zu eröffnen, fanden Journalisten der russischen Tageszeitung "Izvestia" heraus.

Das ausländische Konto erlaubt es Russen, Geld von ihrer heimischen Bank in ein drittes Land zu überweisen, von wo es dann auch in jede beliebige Bank der Welt fließen kann. Vor allem für Unternehmer, aber auch für wohlhabende Russen sind solche Schlupflöcher willkommen.

Kasachstan erschwert dagegen Konteneröffnung

Nicht alle russischen Nachbarstaaten freuen sich unterdessen über diese Art von Tourismus. So hat beispielsweise die Zentralbank Kasachstans die Anforderungen für eine Konteneröffnung verschärft – auch aus Angst, dass gegen ihre Banken womöglich ebenfalls EU-Sanktionen verhängt werden könnten. Wer in Kasachstan als Ausländer ein Konto eröffnen will, muss seit einigen Wochen nicht nur eine Steuernummer vorweisen, sondern auch nachweisen können, dass er in Kasachstan entweder arbeitet, studiert oder sich einer medizinischen Behandlung unterzieht. 

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | MDR AKTUELL RADIO | 28. Februar 2022 | 11:30 Uhr

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