Russland-Ukraine-Krieg Ticker: Scholz kündigt Panzer-Ringtausch mit Griechenland an

Bundeskanzler Olaf Scholz hat nach Abschluss des EU-Gipfels einen Panzer-Ringtausch mit Griechenland zugunsten der Ukraine angekündigt. Während die EU weitere Sanktionen gegen Russland beschließt, gehen die Kämpfe auch in und um Sjewjerodonezk weiter. Die Ukraine ermittelt in mehr als 15.000 Fällen wegen Kriegsverbrechen Mehr zu den aktuellen Entwicklungen hier im Ticker zum Ukraine-Krieg.

Ein Schützenpanzer Marder rollt von einer Schwimmschnellbrücke an Land
Bei einem Ringtausch könnte Griechenland Schützenpanzer des Typs Marder aus Deutschland bekommen. Bildrechte: dpa

Die Berichterstattung aus der Ukraine ist schwierig, da wegen der Kämpfe nur wenige unabhängige Medienvertreter im Land sind. Informationen kommen vor allem von der ukrainischen Regierung und dem Verteidigungsministerium aus Russland, die allerdings kaum unabhängig verifiziert werden können.

23:25 Uhr | US-Regierung erwägt Lieferung moderner Artillerie

Die US-Regierung erwägt weiterhin, moderne Mehrfachraketenwerfer in die Ukraine zu schicken. Die in den USA hergestellten Artilleriesysteme MLRS und HIMARS seien Optionen, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karine Jean-Pierre.

US-Präsident Joe Biden hatte am Vortag für Verwirrung gesorgt, als er sagte, man werde keine Raketensysteme in die Ukraine schicken, die Russland treffen könnten. Jean-Pierre stellte Bidens Aussage am Dienstag leicht abgeändert dar. Nach ihren Worten meinte der Präsident, man werde keine Raketen "für den Einsatz außerhalb des Schlachtfelds in der Ukraine" liefern. Womöglich werde die US-Regierung die Raketen mit der größten Reichweite zurückhalten, die mit den Artilleriesystemen kompatibel seien. Typischerweise hätten von diesen Systemen abgefeuerte Raketen eine Reichweite von rund 70 Kilometer, eine Raketenart könnte aber auch bis zu 300 Kilometer weit fliegen.

22:16 Uhr | Selenskyj: Zur Befreiung ukrainischer Gebiete mehr Waffen nötig

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will die Lieferung weiterer Waffen abwarten, bevor seine Armee mit der Befreiung der von Russland besetzten Gebiete beginnt. Es brauche entsprechende Waffen, «um die maximale Zahl unserer Menschen zu retten», sagte Selenskyj in Kiew am Dienstag bei einem Treffen mit der slowakischen Präsidentin Zuzana Caputova. Die Ukraine werde sich nicht beeilen mit der Befreiung ihrer Territorien, wenn das Zehntausende von Opfern fordere, sondern vielmehr auf die nötigen Waffen warten.

21:44 Uhr | Medienbericht: Opec erwägt Ausschluss Russlands aus Ölfördervereinbarung

Einige Mitglieder des Ölkartells Opec erwägen einem Medienbericht zufolge, Russland aus einer Ölfördervereinbarung auszuschließen. Hintergrund der Überlegungen sei, dass die westlichen Sanktionen die Fähigkeit des Landes beeinträchtigten, mehr Rohöl zu produzieren, berichtet das "Wall Street Journal" (WSJ) am Dienstag unter Berufung auf Opec-Kreise. Bei einem Ausschluss Russlands könnten Saudi Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und andere Opec-Mitgliedsländer mehr fördern, um die Produktionsziele zu erreichen. Einer früheren Einschätzung eines Experten zufolge könnte dies das Ende für Opec+ bedeuten, zu der neben den Mitgliedern des Exportkartells weitere Förderländer wie Russland gehören.

Update 19:47 Uhr | Offenbar Luftangriff auf Sjewjerodonezk

Zerstörtes Wohnhaus
Seit mehreren Tagen wird Sjewjerodonezk schwer umkämpft. 90 Prozent der Stadt seien mittlerweile zerstört. Bildrechte: IMAGO / ITAR-TASS

Bei einem russischen Luftangriff auf Sjewjerodonezk ist nach Angaben des ukrainischen Gouverneurs Serhiy Gajdaj ein Tank mit Salpetersäure getroffen worden. Über Telegram warnt er Zivilisten in Schutzbunkern, diese nicht zu verlassen, da sie sich mit den freigesetzten Dämpfen vergiften könnten. Gajdaj veröffentlicht ein Foto, auf dem eine große rosa Rauchsäule über Wohnblocks zu sehen ist. Russische Truppen haben laut Gajdaj den größten Teil der Stadt eingenommen.

19:10 Uhr | Parlament setzt ukrainische Menschenrechtsbeauftragte wegen Untätigkeit ab

Die ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Ljudmyla Denissowa ist vom Parlament wegen des Vorwurfs der Untätigkeit abgesetzt worden. Die zur oppositionellen Partei Volksfront gehörende Denissowa kündigte an, gegen ihre Absetzung vor Gericht zu ziehen und sprach von einem Verstoß gegen die Verfassung sowie internationale Normen. Vertreter der Regierungspartei von Präsident Wolodymyr Selenskyj hatten Denissowa vorgeworfen, sich nicht genug für die Rettung von Zivilisten aus Kampfgebieten und für Gefangenenaustausche mit Russland eingesetzt zu haben. Der Abgeordnete Pawlo Frolow von Selenskyjs Partei beschuldigte die Menschenrechtsbeauftragte, sie verbringe seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine viel Zeit in Westeuropa, anstatt sich in Russland oder Belarus für aus der Ukraine verschleppte Zivilisten oder Kriegsgefangene einzusetzen.

18:30 Uhr | Gazprom stellt auch Gaslieferungen zu dänischem Konzern und Shell ein

Der russische Staatskonzern Gazprom wird den dänischen Versorger Ørsted sowie Shell Energy Europe von diesem Mittwoch an nicht mehr mit Gas beliefern. Ørsted und Shell hätten Gazprom Export darüber informiert, die Rechnungen nicht − wie von Moskau gefordert − in Rubel zu bezahlen, teilte das russische Unternehmen am Dienstag mit. Weil für den Monat April kein Geld geflossen sei, würden nun die Lieferungen eingestellt. Wie Ørsted mitteilte, hat Gazprom den dänischen Konzern darüber informiert, die Gaslieferungen am Mittwochmorgen um 6 Uhr einzustellen.

17:32 Uhr | Schützenpanzer "Marder" im Ringtausch für Griechenland?

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat einen Panzer-Ringtausch mit Griechenland zugunsten der Ukraine angekündigt. "Wir werden deutsche Schützenpanzer zur Verfügung stellen", sagte Scholz nach Abschluss des EU-Gipfeltreffens am Dienstag in Brüssel. Er habe mit dem griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis über eine Vereinbarung nach dem Vorbild des geplanten Ringtausches mit Tschechien gesprochen, sagte Scholz. Auch die Gespräche mit Polen über einen Ringtausch sollen vorangebracht werden.

Mit Griechenland sei das geplant, was mit Tschechien schon vereinbart sei, sagte Scholz. Tschechien soll 15 Leopard-2-Panzer aus Industriebeständen für die Lieferung von Panzern sowjetischer Bauart in die Ukraine erhalten. Scholz nannte keine Einzelheiten des mit Griechenland geplanten Ringtauschs. Die griechischen Streitkräfte verfügen aber über Schützenpanzer des sowjetischen Typs BMP-1. Dafür könnten sie deutsche Schützenpanzer vom Typ Marder erhalten.

17:26 Uhr | Ukraine plant Sanktionen gegen russisch-orthodoxen Patriarchen

Das ukrainische Parlament dringt auf Sanktionen gegen den Moskauer Patriarchen Kyrill I. und weitere sieben orthodoxe Geistliche aus Russland. Weil die Kirchenmänner den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine unterstützt hätten, riefen die Abgeordneten am Dienstag laut ukrainischen Medien den nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat auf, Vermögenswerte der acht Geistlichen zu sperren und ihnen Handelsgeschäfte in der Ukraine zu verbieten. Auch sollen sie nicht einreisen dürfen. Die Sanktionen sollen neben Kyrill I. unter anderem gegen den Außenamtschef des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion (Alfejew), und den Metropoliten der Großstadt Pskow, Tichon, verhängt werden. Letzterem wird nachgesagt, persönlicher Beichtvater von Kreml-Chef Wladimir Putin zu sein.

Update 16:55 Uhr | Bürgermeister: Russische Truppen haben Sjewjerodonezk zur Hälfte erobert

Bei ihrer Offensive in der Ostukraine haben die russischen Truppen die Stadt Sjewjerodonezk nach Behördenangaben zur Hälfte erobert. "Leider teilt die Front die Stadt in zwei Hälften", sagte Bürgermeister Olexander Stryuk am Dienstag. Die ukrainische Armee leiste aber weiterhin Widerstand.

16:49 Uhr | Ukraine ermittelt in mehr als 15.000 Fällen wegen Kriegsverbrechen

Die Ukraine hat nach drei Monaten russischem Angriffskrieg bereits in mehr als 15.000 Fällen Ermittlungen wegen Kriegsverbrechen eingeleitet. Insgesamt seien 80 Verdächtige in Gewahrsam, teilte Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa am Dienstag in Den Haag mit. Mehr als 600 Verdächtige − darunter hochrangige russische Politiker und Offiziere seien im Visier der Behörden. Täglich kämen 200 bis 300 neue Fälle von Kriegsverbrechen hinzu.

Der frühere NATO-General und Generalleutnant a.D. Erhard Bühler 47 min
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16:20 Uhr | Lawrow sieht Westen bei Überwindung der Nahrungsmittelkrise in der Verantwortung

Russisches Schiff in der Nähe von Mariupol im Asowschen Meer
Russisches Schiff in der Nähe von Mariupol im Asowschen Meer Bildrechte: IMAGO/ITAR-TASS

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat den Westen aufgerufen, zu einer Lösung der weltweiten Nahrungsmittelkrise beizutragen. "Die westlichen Länder haben eine Menge künstlicher Probleme geschaffen, indem sie ihre Häfen für russische Schiffe geschlossen und die Logistik- und Finanzketten unterbrochen haben", sagte Lawrow am Dienstag bei einem Besuch in Bahrain. Man müsse ernsthaft abwägen, was wichtiger sei, ob "PR in der Frage der Ernährungssicherheit zu machen oder konkrete Schritte zur Lösung dieses Problems zu unternehmen".

Lawrow forderte die Ukraine außerdem auf, Seeminen aus ihren Hoheitsgewässern zu entfernen, um die sichere Durchfahrt von Schiffen durch das Schwarze und Asowsche Meer zu ermöglichen. "Wenn das Problem der Minenräumung gelöst sei, würden die russischen Seestreitkräfte die ungehinderte Durchfahrt dieser Schiffe ins Mittelmeer und weiter zu ihren Bestimmungsorten sicherstellen, sagte Lawrow. 

14:38 Uhr | Türkei vermittelt im Streit um Getreide-Exporte

Die Türkei will im Ringen um Getreide-Exporte aus der Ukraine vermitteln. Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte, der russische Außenminister Sergej Lawrow komme am 8. Juni mit einer Delegation von Militärs in die Türkei, um die Möglichkeiten eines See-Korridors im Schwarzen Meer auszuloten. Laut Cavusoglu gibt es Gespräche auch mit den Vereinten Nationen über einen Überwachungsmechanismus, um die Schiffsrouten zu beobachten.

14:05 Uhr | Sorge um humanitäre Lage in Sjewjerodonezk

Angesichts heftiger Gefechte um die Stadt Sjewjerodonezk warnen internationale Helfer, dass die humanitäre Lage dort katastrophal werden könnte. "Wir befürchten, dass bis zu 12.000 Zivilisten in der Stadt im Kreuzfeuer gefangen sind, ohne ausreichenden Zugang zu Wasser, Strom, Lebensmitteln und Medikamenten", sagte Jan Egeland, Generalsekretär der Hilfsorganisation Norwegian Refugee Council (NRC).

13:42 Uhr | Leichen im Asow-Stahlwerk gefunden

Die russische Armee hat nach Angaben aus Moskau 152 Leichen ukrainischer Kämpfer in dem wochenlang umkämpften Asow-Stahlwerk in Mariupol entdeckt. Russland sei bereit, sie der Ukraine zu übergeben, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Die Leichen seien in einem Kühltransporter gefunden worden, dessen Kühlsystem ausgefallen sei. Unter ihnen seien vier Minen platziert worden. Von unabhängiger Seite lassen sich diese Angaben nicht überprüfen.

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Di 17.05.2022 14:52Uhr 00:54 min

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Die letzten ukrainischen Kämpfer im Mariupol hatten sich zwischen dem 16. und 20. Mai ergeben, nachdem sie wochenlang in dem Tunnelsystem auf dem Gelände des Stahlwerks ausgeharrt hatten. Rund 2.500 von ihnen gingen in russische Gefangenschaft. Zunächst hieß es, ein Gefangenenaustausch könne sie zurück in die Ukraine bringen. Zuletzt hieß es allerdings aus Russland, dass sie als Kriegsverbrecher noch vor Gericht gestellt werden könnten.

13:00 Uhr | Kein Gas-Boykott der EU in Sicht

Ein Einfuhrverbot für russisches Erdgas in die EU wird es nach Worten von Österreichs Bundeskanzler Karl Nehammer vorerst nicht geben. Diese sei für ein nächstes Sanktionspaket gegen Russland "kein Thema", sagte Nehammer heute in Brüssel. Estlands Regierungschefin Kaja Kallas hält dagegen nach der Einigung auf ein Teil-Embargo gegen russisches Öl auch eines für Gas für nötig, zweifelte aber selbst daran, dass das durchsetzbar sei.

12:29 Uhr | Weitere russische Soldaten verurteilt

In der Ukraine sind zwei weitere russische Soldaten wegen Kriegsverbrechen verurteilt worden – zu Haftstrafen von je elfeinhalb Jahren. Wie ein Gericht im zentral-ukrainischen Kotelewska mitteilte, gaben die Kriegsgefangenen zu, als Angehörige einer Artillerie-Einheit von der russischen Region Belgorod aus Ziele in der ost-ukrainischen Region Charkiw beschossen zu haben. Sie seien nach ihrem Grenzübertritt dann in Kriegsgefangenschaft geraten.

12:05 Uhr | Zehn Prozent gegen Ukraine-Unterstützung

In einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung haben nach deren Angaben fast 70 Prozent der Befragten die Sorge vor einem Übergreifen des Ukraine-Kriegs auf Deutschland geteilt. Dennoch sei eine deutliche Mehrheit für die deutsche Unterstützung der Ukraine gewesen und nur rund ein Zehntel dagegen.

11:20 Uhr | OSZE meldet Freilassung von Mitarbeiter

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa hat die Freilassung eines ihrer vier im Osten des Landes festgehaltenen ukrainischen Mitarbeiter gemeldet. Sie sei erleichtert, schrieb OSZE-Generalsekretärin Helga Schmid auf Twitter. Doch auch drei andere Kollegen, die weiter in den Gebieten Donezk und Luhansk in Gewahrsam seien, müssten freikommen.

10:50 Uhr | IEA warnt vor Engpässen im Sommer

Die Internationale Energieagentur warnt vor Engpässen bei der Spritversorgung in der Urlaubszeit. "Auf den Ölmärkten könnte es im kommenden Sommer eng werden", sagte IEA-Chef Fatih Birol dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" (Abo). Die aktuelle Energiekrise sei viel größer als die in den 1970er-Jahren. "Damals ging es nur um Öl", wird Birol zitiert: "Jetzt haben wir eine Ölkrise, eine Gaskrise und eine Stromkrise zugleich." Er forderte neben dem Neun-Euro-Ticket ein Tempolimit im Straßenverkehr mindestens für die Dauer des Ukraine-Kriegs.

10:05 Uhr | Hälfte von Sjewjerodonezk erobert

Die ukrainischen Truppen halten nach Angaben der Stadtverwaltung die schwer umkämpfte ostukrainische Stadt Sjewjerodonezk weiter. Das sagte Bürgermeister Olexandr Strjuk im ukrainischen Fernsehen: "Die Stadt ist noch in ukrainischer Hand." Die russischen Truppen häten etwa die Hälfte unter ihrer Kontrolle. Evakuierungen seien wegen der Kämpfe derzeit unmöglich.

Nach Angaben des britischen Militärgeheimdienstes rücken die russische Truppen in der ostukrainischen Region Luhansk weiter vor. Straßen in die umkämpften Gebiete seien jedoch weiter unter ukrainischer Kontrolle.

10:00 Uhr | Vorläufiges Aufatmen in Schwedt

Die Bürgermeisterin der brandenburgischen Stadt Schwedt, Annekathrin Hoppe, ist nach dem EU-Kompromiss für ein Öl-Embargo erleichtert. "Solange das Öl zu uns kommt, solange wir das russische Öl verarbeiten dürfen hier in Schwedt, ändert sich nichts, und noch läuft alles", sagte die SPD-Politikerin im Bayerischen Rundfunk. Sie sprach von einem "längeren Übergangszeitraum für den Ausstieg aus der Rohölverarbeitung".

In Schwedt endet die "Druschba"-Pipeline und die PCK-Raffinerie produziert einen großen Teil der Erdölprodukte für Ostdeutschland. Sie gehört vorläufig noch dem russischen Konzern Rosneft und beschäftigt rund 1.200 Menschen direkt, neben hunderten Arbeitsplätzen bei Zulieferern.

Zukunft hat die Verarbeitung russischem Rohöls laut Hoppe jedoch auch in Schwedt nicht. Trotz des EU-Beschlusses könne Deutschland bald vollständig auf russische Ölimporte verzichten. Das bedeute für Schwedt, Alternativen für das russische Öl finden zu müssen, etwa durch Wasserstoff-Herstellung.

09:22 Uhr | Schiffe in Mariupol beschlagnahmt

Die pro-russischen Separatisten im Gebiet Donezk im Osten der Ukraine haben Handelsschiffe im Hafen von Mariupol beschlagnahmt. "Ein Teil der Schiffe kommt unter die Rechtshoheit der Donezker Volksrepublik", sagte Separatistenführer Denis Puschilin laut Nachrichtenagentur Interfax. Erstmals seit der vollständigen Eroberung von Mariupol durch russische Truppen hat nach Angaben von Puschilin auf Telegram jetzt ein Schiff den Hafen der Stadt am Asowschen Meer verlassen. Es sei mit einer 2.500 Tonnen Metall nach Russland unterwegs. Die Ukraine bezeichnet das als "Plünderung".

08:40 Uhr | Gazprom stoppt Lieferungen an GasTerra

Der staatliche russische Konzern Gazprom hat wie angekündigt seine Belieferung des niederländischen Gashändlers GasTerra eingestellt. Das Unternehmen habe die Zahlungen für April nicht in Rubel geleistet, teilte Gazprom mit. GasTerra hatte gestern erklärt, man weigere sich, Erdgas-Lieferungen in einer anderen als der vertraglich vereinbarten Währung zu zahlen. Damit folge das Unternehmen entsprechenden EU-Vorgaben.

Andere Gashändler in Europa haben allerdings Wege gefunden, trotz der russischen Forderungen nach Rubel weiter in Euro oder Dollar zu zahlen. Am 28. April etwa hatte die EU-Kommission erklärt, dass Unternehmen, die in Russland oder bei der Gazprom-Bank ein Konto eröffneten und darauf Euro einzahlen, die EU-Sanktionen nicht verletzen. "Was die Russen danach mit dem Geld machen, ist ihnen überlassen", hatte ein Beamter gesagt.

08:18 Uhr | Ölpreise am Weltmarkt steigen

Erwartungen sinkender Erdöl-Exporte aus Russlands durch neue EU-Sanktionen wegen des Ukraine-Kriegs treibt die Ölpreise. Sie haben heute deutlich zugelegt und sind auf den höchsten Stand seit gut zwei Monaten gestiegen. Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent 123,32 US-Dollar, etwa 1,65 Dollar mehr als gestern. Der Preis für die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 3,47 Dollar auf 118,54 US-Dollar.

Die EU hatte sich vergangene Nacht bei dem geplanten Öl-Embargo gegen Russland auf einen Kompromiss verständigt. Auf Drängen unter anderem von Ungarn sollen vorerst nur russische Öl-Lieferungen über den Seeweg verhindert werden, per Pipeline aber noch weiter möglich sein.

07:48 Uhr | Russische Truppen rücken vor

Russische Truppen rücken nach ukrainischen Angaben langsam auf das Zentrum von Sjewjerodonezk in der Region Luhansk vor. Wie der Gouverneur der Region, Serhij Haidai im staatlichen Fernsehen sagte, sind ukrainische Truppen dort aber nicht in Gefahr, eingekesselt zu werden, da sie sich über den Fluss Siwjerskyj Donez nach Lysytschansk zurückziehen könnten.

07:18 Uhr | Weiter Kämpfe in Sjewjerodonezk

In der Ost-Ukraine haben die russischen Streitkräfte nach Angaben eines Anführers der Separatisten etwa ein Drittel der strategisch wichtigen Stadt Sjewjerodonezk unter ihre Kontrolle gebracht. Die Truppen kämen aber nicht so schnell voran wie erhofft, zitierte die russische Nachrichtenagentur Tass den Anführer der pro-russischen Separatisten, Leonid Pasetschnik. In der Stadt gebe es Kämpfe, hieß es. Der Vormarsch werde jedoch erschwert, auch weil es große Chemieanlagen in der Region gebe, die man erhalten wolle.

06:10 Uhr | Frankreich ermittelt wegen Kriegsverbrechen

Nach dem Tod eines französischen Reporters in der Ukraine ermittelt die französische Anti-Terror-Staatsanwaltschaft wegen Kriegsverbrechen – wegen vorsätzlichen Angriffs auf eine völkerrechtlich geschützte Person, berichtet die französische Agentur AFP. Der 32 Jahre alte TV-Journalist Frédéric Leclerc-Imhoff starb gestern bei Sjewjerodonezk während er eine Evakuierungsaktion begleitete. Er soll von einem Bombensplitter getroffen worden sein.

05:58 Uhr | Selenskyj: Russische Armee konzentriert

Die Lage im Osten der Ukraine bleibt am 97. Kriegstag angespannt. Im Donbass sei die "maximale Kampfkraft der russischen Armee" versammelt, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner Videobotschaft in der Nacht. Bereits gestern waren nach ukrainischen Angaben russische Truppen in Sjewjerodonezk vorgedrungen.

04:40 Uhr | Selenskyj warnt vor Hungersnot

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in seiner täglichen Videoansprache vor Hungersnöten wegen des Ukraine-Kriegs gewarnt. Rund 22 Millionen Tonnen Getreide könnten aufgrund der russischen Blockade von Häfen sein Land nicht verlassen. Dadurch drohe in Ländern Afrikas, Asiens und Europas eine Hungersnot, die Migration in Gang setzen könnte. Selenskyj sieht darin Absichten des russischen Präsidenten Wladimir Putin, den Westen zu destabilisieren, damit dieser Sanktionen gegen Russland abschwächt.

02:30 Uhr | Südossetien sagt Referendum ab

Die georgische Region Südossetien hat ein für Mitte Juli geplantes Referendum über einen Beitritt zu Russland abgesagt. Der neue Staatschef der pro-russischen Enklave, Alan Gaglojew, hob die Pläne seines Vorgängers auf. In einem Dekret hieß es, eine einseitige Entscheidung sei unzulässig. Stattdessen kündigte Gaglojew nun Gespräche mit Moskau über die "weitere Integration" Südossetiens an. Gaglojews Vorgänger Anatoli Bibilow hatte vor rund zwei Wochen eine Volksbefragung über einen Beitritt zu Russland angesetzt, weil dies dem "historischen Streben" der Menschen in der Region entspreche. Bibilow hatte jedoch die anschließende Wahl verloren.

01:10 Uhr | Weitere EU-Gelder für die Ukraine

Die EU will der Ukraine weitere neun Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Das teilte EU-Ratspräsident Charles Michel während des EU-Gipfels in Brüssel mit. Die Ukraine laufende Kosten soll damit etwa laufende Rentenzahlungen und den Betrieb von Krankenhäusern decken können. Unklar ist, wie viel Geld als Zuschuss und wie viel als Kredit ausgezahlt werden.

00:05 Uhr | EU-Staaten vereinbaren teilweises Öl-Embargo

Die EU-Staaten haben sich im Streit um das geplante Öl-Embargo gegen Russland auf einen Kompromiss verständigt. Mehr als zwei Drittel der russischen Öl-Lieferungen in die EU sollen von dem Einfuhrverbot betroffen sein, teilte EU-Ratspräsident Charles Michel in der Nacht während des Gipfeltreffens mit. Die EU schneide den Kreml so "von einer riesigen Finanzierungsquelle für seine Kriegsmaschinerie ab". Bundeskanzler Olaf Scholz lobte den Kompromiss. "Wir haben uns auf weitere einschneidende Sanktionen gegen Russland verständigt", hieß es. Die EU sei sich einig.

00:00 Uhr | Ticker am Dienstag, 31. Mai 2022

Guten Morgen, in unserem Ticker halten wir Sie über die aktuellen Entwicklungen im Krieg in der Ukraine auf dem Laufenden. Alle wichtigen Nachrichten erscheinen im Laufe des Tages hier.

Übersichtskarte Ukraine
Bildrechte: MDR

Quellen: u.a. AFP, dpa, Reuters, MDR

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. Mai 2022 | 06:00 Uhr

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