Pestizide in der Oder Polnische Ministerin wirft Deutschland "Fake News" bei Fischsterben vor

Die polnische Umweltministerin Anna Moskwa hat Deutschland im Zusammenhang mit dem Fischsterben in der Oder "Fake News" vorgeworfen. Pestizide hätten keine Verbindung zum Tod der Fische, es handele sich um einen Angriff auf die Landwirtschaft. Der Umweltverband WWF spricht unterdessen von 20.000 toten Exemplaren des gefährdeten Baltischen Störs.

Feuerwehrleute sind dabei tote Fische aus der Oder einzufangen. Seit mehren Tagen beschäftigt das massive Fischsterben im Fluss Oder die Behörden und Anwohner des Flusses in Deutschland und Polen.
Feuerwehrleute in einem polnischen Boot bereiten das Einsammeln toter Fische aus der Oder vor. Die polnische Umweltministerin Anna Moskwa hat auf Twitter bestritten, dass Pestizide ursächlich für das Fischsterben sind. Bildrechte: dpa

Im Zusammenhang mit dem Fischsterben in der Oder spricht Polens Regierung von Falschmeldungen aus Deutschland. "Achtung, eine weitere Fake News wird in Deutschland verbreitet!!! Pestizide und Herbizide. In Polen wurde der Stoff getestet und unterhalb der Bestimmungsgrenze nachgewiesen, d. h. ohne Auswirkungen auf Fische oder andere Tiere, und ohne Verbindung zum Fischsterben", schrieb Polens Umweltministerin Anna Moskwa auf Twitter.

Antideutsche Töne von polnischer Regierung

Die Substanzen seien in Fischen nicht entdeckt worden, so Moskwa in einem weiteren Tweet: "Ein ungerechtfertigter Angriff auf die Landwirtschaft. Erst die Industrie, jetzt die Landwirtschaft? Was kommt als Nächstes?"

Anna Moskwa
Polens Umweltministerin Anna Moskwa Bildrechte: IMAGO / newspix

Polens nationalkonservative PiS-Regierung steht unter Druck, weil polnische Behörden nur zögerlich auf erste Hinweise zu dem Fischsterben reagierten. Auch in Deutschland wurde bemängelt, dass polnische Behörden Informationsketten nicht eingehalten hätten. Vertreter der PiS reagierten darauf wiederholt mit antideutschen Tönen.

WWF: 20.000 tote Störe in der Oder

Die Umweltschutzorganisation WWF teilt unterdessen mit, auch 20.000 junge Störe seien in der Oder verendet. Das Wiederansiedlungsprogramm für den Baltischen Stör habe damit "einen schmerzhaften Rückschlag" erlitten, teilte der WWF anlässlich des "Tags des Fisches" mit, der am Montag begangen wird. Die Bedrohungslage für diese weltweit am stärksten bedrohte Fischgruppe spitzt sich laut WWF zu.

"Die toten Jungstöre sind nur ein kleiner Teil des Umweltdramas", erklärte WWF-Büroleiter Finn Viehberg. Sie versinnbildlichten aber, "wie menschliche Achtlosigkeit zum Verlust von Natur und Artenvielfalt führt". Wiederansiedlungsprojekte laufen in Deutschland für den Europäischen Stör in der Elbe und den Baltischen Stör in der Oder.

Fischsterben in der Oder könnte mehrere Ursachen haben

Bis zum Samstag wurden in Polen und Deutschland rund 200 Tonnen toter Fische eingesammelt. Die polnische Feuerwehr bezifferte die Menge am Samstag mit 158 Tonnen. Die genaue Ursache ist noch nicht geklärt. Wissenschaftlern zufolge könnte eine giftige Algenart ein Faktor für das Fischsterben sein. Darüber hinaus werden verschiedene andere Stoffe untersucht.

Brandenburgs Umweltministerium hatte am Samstag mitgeteilt, dass bei Proben, die an der Messstelle Frankfurt (Oder) in der Zeit vom 7. bis 9. August entnommen wurden, hohe Konzentrationen eines Pestizids mit dem Wirkstoff 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure gefunden worden seien. Es sei aber davon auszugehen, dass die nachgewiesene Dosis nicht unmittelbar tödlich für Fische gewesen sei. Das Ministerium geht weiter davon aus, dass die Umweltkatastrophe mehrere Ursachen hat.

AFP/epd/dpa (jan)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 21. August 2022 | 13:00 Uhr

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