Ex-Staatschef der Sowjetunion Michail Gorbatschow in Moskau beigesetzt

Der ehemalige sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow ist in Moskau beigesetzt worden. Er war am Dienstag mit 91 Jahren gestorben. Ein Staatsbegräbnis gab es allerdings nicht. Zuvor hatten bei einer Trauerfeier tausende Menschen Abschied von Gorbatschow genommen.

Trauergäste tragen den Sarg des ehemaligen sowjetischen Präsidenten Gorbatschow während seiner Beerdigung auf dem Nowodewitschi-Friedhof.
Der Sarg des ehemaligen sowjetischen Präsidenten Gorbatschow während seiner Beerdigung auf dem Nowodewitschi-Friedhof. Bildrechte: dpa

Der ehemalige sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow ist in Moskau beigesetzt worden. Der Sarg wurde nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax unter den Klängen der russischen Nationalhymne und mit Salutschüssen ins Grab gelassen. Die Zeremonie fand auf dem Prominentenfriedhof am Neujungfrauenkloster statt. Der Friedensnobelpreisträger wurde neben seiner Frau Raissa bestattet.

Tausende Menschen nehmen Abschied von Gorbatschow

Zuvor war eine Trauerfeier für Gorbatschow abgehalten worden. Tausende Menschen versammelten sich am Haus der Gewerkschaften in Sichtweite des Kreml. Dort wurde der Leichnam des Friedensnobelpreisträgers aufgebahrt. Nach der Trauerfeier wurde Gorbatschows Sarg geschlossen und mit einer russischen Flagge bedeckt.

Irina Wirganskaja (l-r), Tochter des ehemaligen Präsidenten der Sowjetunion Michail Gorbatschow, ihr Ehemann Andrei Truchatschew und Enkelin Anastasia Wirganskaja sitzen hinter dem Sarg während der Beerdigung auf dem Nowodewitschi-Friedhof.
Angehörige Gorbatschows hinter dem Sarg während der Beerdigung. Bildrechte: dpa

Präsident Wladimir Putin sagte seine Teilnahme an beiden Veranstaltungen ab, was mit Terminschwierigkeiten begründet wurde. Allerdings war er bereits am Donnerstag am Sarg gewesen. Von russischer Seite waren Ex-Präsident Dmitri Medwedew sowie der liberale Oppositionspolitiker Grigori Jawlinski vor Ort.

Ebenfalls anwesend war der Journalist Dmitri Muratow. Letzterer ist wie auch Gorbatschow Friedensnobelpreisträger. Auf Bildern der Beisetzung war zu sehen, wie Muratow ein Porträt Gorbatschows vor Kränzen zu Ehren des Verstorbenen trug.

Keine hochrangigen Politiker aus dem Westen dabei

Viktor Orban (vorne), Ministerpräsident von Ungarn, legt während einer Abschiedszeremonie Blumen am offenen Sarg des ehemaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow in der Säulenhalle des Hauses der Gewerkschaften nieder.
Ungarns Regierungschef Viktor Orban bei der Trauerfeier Bildrechte: dpa

Ohne den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine wären wohl auch zahlreiche hochrangige Politiker nach Moskau gekommen, um Gorbatschow die letzte Ehre zu erweisen. Für viele Politiker westlicher Länder wie beispielsweise US-Präsident Joe Biden war eine Teilnahme nun aber auch deshalb nicht möglich, weil sie als Reaktion auf die Russland-Sanktionen des Westens von Moskau mit Einreiseverboten belegt wurden. Zudem ist der russische Luftraum für Flugzeuge aus "unfreundlichen EU-Staaten" derzeit gesperrt. Einzig der ungarische Regierungschef Viktor Orban war bei der Trauerfeier anwesend.

Deutschland ließ sich vom Geschäftsträger der Botschaft in Moskau vertreten. In einigen Bundesländern wurde Trauerbeflaggung angeordnet. Vor dem Kanzleramt hingen Bundesflagge und Europafahne auf halbmast. Der Bundestag will am Mittwoch im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an Gorbatschow erinnern.

Gorbatschow in Russland unbeliebter als im Westen

Gorbatschow war am Dienstag nach langer schwerer Krankheit im Alter von 91 Jahren gestorben. Er hatte die Sowjetunion als deren letzter Präsident von 1985 bis 1991 geführt. In Russland wird Gorbatschow oft für den Zerfall der Sowjetunion, die folgenden Krisenjahre und einen Bedeutungsverlust Russlands verantwortlich gemacht.

MDR, dpa, AFP (rnm, jan)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 03. September 2022 | 10:00 Uhr

Mehr aus Osteuropa

Mehr aus der Welt

Über mehrere Stunden hing dieses Flugzeug in einer Hochspannungsleitung im US-Bundesstaat Maryland fest. 1 min
Bildrechte: mdr
1 min 28.11.2022 | 17:08 Uhr

Im US-Bundesstaat Maryland ist ein Kleinflugzeug in eine Hochspannungsleitung geflogen. Beide Passagiere konnten schwerverletzt aus 30 Metern Höhe gerettet werden.

Mo 28.11.2022 16:41Uhr 00:29 min

https://www.mdr.de/nachrichten/welt/panorama/video-flugzeug-strommast-rettung-stromausfall100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
Proteste in China gegen die Null-Covid-Politik 4 min
Proteste in China Bildrechte: dpa
Krawalle in Brüssel nach dem WM-Sieg der marokkanischen Nationalmannschaft gegen Belgien 1 min
Bildrechte: mdr
1 min 28.11.2022 | 15:50 Uhr

In der belgischen Hauptstadt Brüssel sind einige Feiern von marokkanischen Fußballfans in Krawalle ausgeartet. Mehrere Menschen wurden festgenommen.

Mo 28.11.2022 15:32Uhr 00:41 min

https://www.mdr.de/nachrichten/welt/panorama/video-belgien-krawalle-marokko-fussball-wm100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video
Mit Baggern und Lastwagen werden die Schlammmassen auf den Straßen von Ischia abtransportiert.  1 min
Bildrechte: mdr
1 min 28.11.2022 | 12:45 Uhr

Die Aufräum- und Bergungsarbeiten nach dem Erdrutsch auf der italienischen Insel Ischia dauern an. Mehrere Menschen kamen ums Leben, einige werden noch vermisst.

Mo 28.11.2022 12:32Uhr 00:35 min

https://www.mdr.de/nachrichten/welt/panorama/video-ischia-erdrutsch-bergung-todesopfer100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video