Transformation der Autobranche Opel-Betriebsrat drängt auf E-Mobilität für Eisenach

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Um den Standort Eisenach langfristig zu sichern, drängt der Betriebsrat von Opel Eisenach auf die Produktion eines vollelektrischen Autos. Während der Autobauer auf gutem Weg in die Elektromobilität scheint, gilt die Zulieferbranche in der Region bei der IG Metall als "Hotspot der Transformation". Mit Hilfe von Politik und Netzwerken sollen gerade kleinere Unternehmen vorangebracht werden - weg vom Verbrenner.

Eigentlich wollten die Besucher vom Opel-Gesamtbetriebsrat und der IG Metall aus Hessen die Produktion bei Opel in Eisenach besichtigen. Allerdings stand die am Dienstag still, wie schon die gesamte vergangene Woche. Wieder liegt es an Lieferschwierigkeiten und fehlenden elektronischen Bauteilen - von der Instrumententafel bis zu Heckleuchte, überall im Auto sind sie verbaut.

Die gleiche Situation herrsche auch in Rüsselsheim, bestätigt Gesamtbetriebsratschef Uwe Baum. Die Produktion laufe nach wie vor instabil, das sei auch für die Beschäftigten belastend. Schließlich war das Eisenacher Werk erst Ende des vergangenen Jahres für drei Monate wegen Chipmangels geschlossen.

Erstmals wieder Neueinstellungen bei Opel

Aber die Besucher von Betriebsrat und Gewerkschaft finden durchaus anerkennende Worte für das Unternehmen. Mit dem Einstieg von PSA vor fünf Jahren sei einiges erreicht worden, sagt Jörg Köhlinger, Leiter der IG Metall Mitte. Opel sei wieder profitabel und habe in neue Modelle investiert.

Zu der Restrukturierung hätten auch die Beschäftigten beigetragen, merkt er an. Und Uwe Baum vom Gesamtbetriebsrat hebt hervor, dass Opel erstmals wieder neue Leute eingestellt habe, auch wenn es zunächst Leiharbeiter seien. Die Stammbelegschaft müsse erhöht werden, fordert er.

Mitglieder von Betriebsrat und Gewerkschaft IG Metall vor Opel-Werk Eisenach
Haben konkrete Vorstellungen für die Zukunft Opels: (von links) Uwe Laubach (Geschäftsführer IG-Metall Eisenach), Jörg Köhlinger (Leiter IG-Metall Bezirk Mitte), Bernd Lösche (Betriebsratsvorsitzender Opel Eisenach), Uwe Baum (Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von Opel). Bildrechte: MDR/Ruth Breer

Weichen für die Zukunft

In Eisenach sollen es nach Angaben von Betriebsratschef Bernd Lösche bis Ende des Monats 170 Leiharbeiter werden. Dann könne das Werk in Vollkapazität in zwei Schichten arbeiten, die Auftragslage sei gut. Nach Angaben der Werksleitung, so berichtet der Betriebsratschef, sei bis Mitte des Jahres kein Auslastungsproblem in Sicht.

Für ihn steht aktuell ein Wunsch ganz oben: Er hofft auf die Zusage für ein vollelektrisches Modell für Eisenach, das sei die Zukunft. "Die Weichen werden jetzt gestellt, Eisenach braucht so eine Investition." Der Mutterkonzern Stellantis müsse das "zeitnah entscheiden".

"Zielbilder" für Opel-Standorte

Das unterstützt Gewerkschafter Jörg Köhlinger, er fordert für die einzelnen Opel-Standorte "Zielbilder": Welche Investitionen sind geplant, welche technisch-organisatorischen Änderungen, welche Qualifikationen für die Beschäftigten? Antworten auf diese Fragen könnten auch dazu dienen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu motivieren. In Amsterdam hat Stellantis heute im Großen seine Zukunftsstrategie vorgestellt: Bis 2030 will der Konzern in Europa nur noch Elektroautos verkaufen und bis 2038 komplett CO2-neutral werden.

Montage des Grandland bei Opel Eisenach
Montage des Grandland: Bis 2030 will Opel in Europa nur noch Elektroautos verkaufen. Bildrechte: imago images/Westend61

Verbrenner als Auslaufmodell

Opel also scheint auf dem Weg in die Transformation voranzukommen. Drumherum sieht das anders aus. Köhlinger spricht von Westthüringen als einem "Hotspot der Transformation". Uwe Laubach von der IG Metall Eisenach kennt das Problem gut. Er berichtet von Betrieben, die glaubten, noch im Jahr 2030 Teile für Verbrenner herstellen zu können.

"Wir müssen in den Betrieben, wo sich Unternehmensleitungen noch nicht so sehr der Zukunft zugewandt haben, dafür sorgen, dass diese Diskussion jetzt anfängt." Oft handele es sich um kleinere und mittlere Unternehmen, sagt Köhlinger, die ohne Hilfe von außen die Herausforderungen der Transformation nicht bewältigen könnten.

Gewerkschaft sieht sich als Treiberin der Transformation

Deshalb muss nach Ansicht der Gewerkschaft auf die Möglichkeiten der Politik zurückgegriffen werden - auf den Automobilfonds des Bundes und auf ein Transformationsnetzwerk Westthüringen, das gerade entwickelt werden soll. Es sei wichtig, sich der Herausforderung zu stellen, sagt Köhlinger. "Zukunft kommt nicht von selbst, fällt uns nicht in den Schoß."

Es gelte, für jedes Unternehmen genau zu schauen: Was könnten die Produkte der Zukunft sein? Wie müssten die Mitarbeitenden dafür qualifiziert werden? In diesem Prozess sieht sich die Gewerkschaft nicht als Mahnerin, sondern als Treiberin. Der Klimawandel sei nicht zu ignorieren, sagt Jörg Köhlinger. Es gelte, die Transformation zu gestalten: ökologisch, sozial und demokratisch.

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MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 01. März 2022 | 18:00 Uhr

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