Werk in Eisenach Opel: Mitarbeitende sorgen sich um Wiederaufnahme des Betriebs

Derzeit ist die Belegschaft von Opel in Eisenach in Kurzarbeit. Das Werk hat den Betrieb bis Ende des Jahres eingestellt. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jedoch Angst, dass ihr Werk endgültig schließen muss.

Der Eingang zur Automobil-Produktion im Opel-Werk Eisenach
Wegen des Halbleitermangels können in Eisenach keine neuen Opels produziert werden. Bildrechte: dpa

Eisenach, Adam-Opel-Straße: Auf dem großen Parkplatz vor dem Werk wirken die drei Autos wie Fremdkörper. Drinnen laufen ein paar Reparaturarbeiten und ein Gabelstapler schichtet Behälter um. Ansonsten ist alles dunkel, alles verlassen.

Opel in Eisenach stillgelegt. Die Belegschaft in Kurzarbeit: 1.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis Ende des Jahres – erst einmal. Auch Reinhard Schäfer ist betroffen und spricht aus, was er immer wieder hört von den Kolleginnen und Kollegen: "Man glaubt nicht an eine Zukunft unter Stellantis."

Job-Angst bei Opel-Belegschaft

Der Betriebsrat führt ehrenamtlich Gäste durch das Museum Automobile-Welt. Vom Wartburg bis zum Opel Grandland – in dieser Ausstellung kann man bestaunen, welche Autos schon gebaut wurden in Eisenach. Dabei war die Geschichte der Produktion stets begleitet von Nebengeräuschen. Das Werk eher selten ausgelastet. Kurzarbeit immer wieder an der Tagesordnung.

Und doch: Diesmal ist es anders. Das spürt Uwe Laubach von der IG Metall in Eisenach: "Ich glaube, das, was jetzt passiert ist und wie es passiert ist, hat Befürchtungen für die Beschäftigten freigelegt, wie sie bis jetzt noch nicht da waren. Jetzt machen die Kolleginnen und Kollegen sich wirklich Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Geht es weiter? Wie geht es weiter? Das ist es, was das Thema jetzt bestimmt."

Verlagerung des Eisenacher Opelmodells

Das Werk in Eisenach gehört zum französischen Stellantis-Konzern, viertgrößter Automobilhersteller der Welt mit Marken wie Peugeot, Citroën oder Fiat. Ende September und zwei Tage nach einer Betriebsversammlung kam aus Paris die Aufforderung: alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sofort in Kurzarbeit wegen des weltweiten Halbleitermangels.

Schlimmer war für die Eisenacher allerdings, was danach kam: die Verlagerung der Produktion ihres Grandland nach Frankreich. Opel-Betriebsrat Reinhard Schäfer spricht von Verrat, da der Eisenacher Belegschaft gesagt wurde, dass sie die Einzigen seien, die den Opel Grandland bauen. "Und dann wird plötzlich Material verlagert, auch zum Teil abgezogen und ein Werk, dass 9 Monate lang keine Opels gebaut hat, dieses Werk muss jetzt eine Modelleinführung machen und bei null anfangen und dieses Auto aufs Band bringen", erklärt Schäfer.

Opel-Chef: Produktion in Eisenach soll weitergehen

Wie geht es nun weiter mit dem Werk in Eisenach? Eine Frage, die auch in der Erfurter Staatskanzlei diskutiert wird. Dabei wirken die Worte von Opel-Chef Uwe Hochgeschurtz aus einem Interview, dass es in Eisenach natürlich weitergehen werde, nur bedingt beruhigend.

Bodo Ramelow hat sie zur Kenntnis genommen: "Die Zusage, dass das Werk bestehen bleibt, ist eine Zusage, die vorher schon da war. Die ist aber genauso wie, dass der Facelift vom Grandland X in Eisenach erfolgen soll und dass der Grandland X und der Grandland X Hybrid in Eisenach gebaut werden. Alles ist aber so am Ende nicht gekommen."

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MDR FERNSEHEN Mo 01.11.2021 14:34Uhr 01:09 min

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Schäfer: Wenig Hoffnung auf Wiederaufnahme des Betriebs

Thüringens Ministerpräsident erwartet jetzt klare Worte und klare Aussagen aus Paris von Stellantis-Chef Carlos Tavares, der unter anderem das Werk in Eisenach ausgliedern will. Ramelow erwarte, dass es ein Gespräch von Stellantis mit den deutschen politischen Verantwortlichen gebe. "Dabei muss Klarheit geschaffen werden, denn auf der gleichen Gesprächsebene hat Herr Tavares zugesagt, dass Opel made in Germany als eigenes Unternehmen Bestand hat und was da nicht geht, ist, dass man einzelne Werke rausnimmt", sagt Ramelow.

Ob und wann genau dieses Gespräch stattfindet, dazu gibt es keine öffentliche Aussage. So müssen die Menschen in Eisenach weiter warten, bangen, hoffen und jedes Wort zu Opel deuten: "Es ist wie ein Strohhalm, an den man sich hängt", beschreibt der Betriebsrat Reinhard Schäfer. Seine Hoffnung, dass es weitergeht, wird jeden Tag eher ein bisschen kleiner.

Optimismus dagegen bei der IG Metall: "Ich will nicht das Totenglöckchen läuten. Das ist viel zu früh", sagt Uwe Laubach. In ein oder zwei Wochen rechnet er mit konkreten Aussagen von Stellantis – ob bei Opel in Eisenach die Lichter im Januar angehen und sich der Parkplatz vor dem Werktor 1 wieder füllt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. November 2021 | 05:00 Uhr

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