Landkreis Greiz Streit um 1,80 Euro: Hoteliers verärgert über Kurabgabe in Zeulenroda

Seit Oktober müssen Touristen in Zeulenroda-Triebes eine Kurabgabe zahlen. Doch wegen der zusätzlichen Kosten für Urlauber von 1,80 Euro pro Nacht gibt es bei Hotel- und Pensionsbetreibern Frust. Sie fürchten einen Wettbewerbsnachteil gegenüber anderen Orten.

Gebundene Kärtschen mit der Aufschrift "Kurkarte".
Seit 1. Oktober müssen Besucher in Zeulenroda-Triebes die Kurabgabe zahlen - die Hoteliers der Stadt haben damit ihre Probleme. Bildrechte: MDR/ Franziska Heymann

Eine Familie mit zwei Kindern zahlt künftig 5,60 Euro zusätzlich pro Urlaubsnacht in Zeulenroda. "Wofür?", fragt sich Mandy Kirchner, die abseits vom Zentrum am Waldesrand eine idyllische Pension mit sieben Zimmern betreibt. Auf der Seestern-Bühne sei wenig los, das Strandbad in diesem Sommer von der Stadt geschlossen worden, die Gastronomie von Montag bis Mittwoch kaum geöffnet, so Kirchner. "Das hält sich alles in Grenzen, die Tendenz geht gegen Null."

Zweimal musste die Inhaberin des Kastanienhofs in diesem Jahr wegen gestiegener Preise für Nahrungsmittel und Energie schon die Preise erhöhen. Und nun zusätzlich der Kurbeitrag, den die Besucher zahlen müssen. Gern würde sie ihren Gästen eine Gegenleistung für die gezahlte Abgabe bieten, wie sie es selbst auch aus dem Urlaub kennt. In Zeulenroda aber gibt es erstmal nichts. Kein Gutscheinheft, keinen Rabatt im Spaßbad, keine kostenfreie Busfahrt.

Ein Haus mit Schlosstürmchen.
Der Kastanienhof - eine Pension mit sieben Zimmern in Zeulenroda... Bildrechte: MDR/ Franziska Heymann

Umsetzung für Hoteliers das Problem

Wie Mandy Kirchner denken viele Betreiber von Unterkünften in Zeulenroda. Grundsätzlich haben sie nichts gegen eine Kurabgabe, die Umsetzung aber stößt vielen sauer auf. Da lediglich Zeulenroda ein "staatlich anerkannter Erholungsort" ist, gilt die Kurabgabe nur für zwei Hotels und eine Handvoll Pensionen in der Stadt selbst - nicht aber für die zugehörigen Ortsteile und Dörfer wie Triebes, Quingenberg oder Weckersdorf.

Zwei Ponys stehen auf einer Koppel.
... und den Ponys Speedy und Silvester. Bildrechte: MDR/ Franziska Heymann

Furcht vor Wettbewerbsnachteil

Gerade die kleinen Zeulenrodaer Betreiber fürchten nun eine Wettbewerbsverzerrung zugunsten der Unterkünfte in den umliegenden Dörfern. "So zerfallen die Stadt aussieht, ist die Kurabgabe derzeit unlogisch und unnötig. Zum Bummeln gehen und eine Tasse Kaffee mit Kuchen muss ich meine Gäste nach Gera oder Greiz schicken", schimpft Jana Altmann, die ihr Bed & Breakfast in der Innenstadt gerade renoviert und wegen einiger Umbaumaßnahmen derzeit sowieso Ärger mit der Stadt hat. Horst Kohn vom "Goldenen Löwe" ist froh, dass er fast nur Geschäftsreisende beherbergt und damit vom größten Aufwand verschont bleibt.

Ein Stapel Papiere und Prospekte.
Material, mit dem die Hoteliers die Gäste registrieren sollen. Bildrechte: MDR/ Franziska Heymann

Zusätzlicher Aufwand für Hoteliers

Für alle Hoteliers bedeutet das Abkassieren zusätzlichen Aufwand. Von der Stadtverwaltung um Bürgermeister Nils Hammerschmidt (IWA-Pro Region) gab es bei einem Vermieterstammtisch eine Mappe mit handschriftlich durchnummerierten Kurkarten, einen Stapel Meldescheine und eine Tabelle für die Abrechnung des Kurbeitrags bei der Verwaltung, in der die Reisedaten der Touristen und Geschäftsreisenden eingetragen werden müssen.

Soll die Stadt ihren Kurbeitrag doch selbst eintreiben und mit ihrem Gewissen vereinbaren.

Jana Altmann Bed & Breakfast-Betreiberin

Letztere zahlen nichts, Urlauber dagegen pro Nacht 1,80 Euro beziehungsweise 90 Cent ermäßigt. "Ich schicke meine Gäste zum Bezahlen in die Touristeninformation unten am Strandbad", erklärt Jana Altmann vom Bed & Breakfast - auch wenn die über die Wintermonate nur von 10 bis 15 Uhr öffnet. Dass das beispielsweise für ältere Reisende, die vielleicht auch noch mit dem Zug anreisen, einen ordentlichen Aufwand bedeutet, nimmt sie in Kauf. "Soll die Stadt ihren Kurbeitrag doch selbst eintreiben und mit ihrem Gewissen vereinbaren", sagt die Herbergsmutter sichtlich verärgert.

Kritik an der Kommunikation

"Bei der Gestaltung des Kurbeitrags wurden die Herbergen - wie immer - nicht mit einbezogen", schimpft Marco Lange, Geschäftsführer im Biosee-Hotel, der mit Abstand größten Unterkunft in der Region. Er hätte sich gewünscht, im Gespräch auf Augenhöhe mit der Stadtverwaltung das Bestmögliche für die Touristen herauszuholen: "Die kommen schließlich nicht in eine Pension oder in ein Hotel, sondern in die Region, an unser schönes Zeulenrodaer Meer." Von eigenen Urlauben kennt Lange es nicht, dass zwar eine Kurabgabe kassiert wird, der Gast aber keine Gegenleistung dafür bekommt.

Strandbad vor Bioseehotel Zeulenroda-Triebes
Am Biosee-Hotel wünscht man sich, dass es eine Gegenleistung für die Gäste gebe. Bildrechte: dpa

Wenn an einem Wochenende 180 Leute anreisten, käme mit der Kurabgabe einiges an Verwaltungsaufwand auf seine Leute an der Rezeption zu, sagt er: "Da müssen Konten angelegt werden für die Buchung, die Preise müssen im System hinterlegt werden, da muss ein Konzept her zur Abrechnung."

Am 1. Oktober passiert hier erstmal nichts.

Marco Lange Geschäftsführer im Biosee-Hotel

Hotel-Geschäftsführer lange kritisiert, er habe wenige Tage vor Start der Kurabgabe noch immer kein offizielles Infoschreiben der Stadt erhalten. "Warum sollen unsere Gäste etwas ausbaden, was nicht ausgegoren ist? Ohne offizielles Schreiben werde ich die Gäste nicht damit behelligen", erklärt er. "Am 1. Oktober passiert hier erstmal nichts."

Lange schlägt vor, von den Einnahmen die Strandbäder zu betreiben und die Promenade zu beleuchten, Touristen kostenfreie öffentliche Verkehrsmittel zu ermöglichen oder reduzierten Eintritt in die Badewelt Waikiki oder ins Museum. Einen kostenlosen Kaffee brauche keiner.

Bürgermeister reagiert nicht auf Anfragen

Zeulenroda wurde 2019 zum staatlich anerkannter Erholungsort. Mitte Juli dieses Jahres hatte der Stadtrat die Kurabgabe beschlossen, die Beitragssatzung wurde im Amtsblatt vom 28. September veröffentlicht. Eine Information für Touristen hat die Stadt erst wenige Tage vor dem Start der Bettensteuer auf der Internetseite geschaltet.

Urlauber könnten am Wochenende von den zusätzlichen Kosten also überrascht werden. Bürgermeister Hammerschmidt reagierte auch auf mehrfache Anfragen von MDR THÜRINGEN nicht. In der Stadtratssitzung am 21. Oktober hatte er auf Nachfragen erklärt, dass ein Gutscheinheft oder eine Gegenleistung für eine Kurabgabe nicht zwingend erforderlich sei. Das würde zusätzliche Arbeit machen.

Der Tenor seiner Aussage: Die Stadt hat in den vergangenen Jahren rund zehn Millionen Euro ins Zeulenrodaer Meer gesteckt, das muss reichen als Gegenleistung.

Der Bürgermeister von Zeulenroda, Nils Hammerschmidt.
Bürgermeister Nils Hammerschmidt hielt zuvor nichts von einem Gutscheinheft, wollte sich auf MDR-Anfrage aber nicht zu dem Thema äußern. (Archivbild) Bildrechte: MDR/ Andreas Dreißel

Unverständnis auch im Ortsteil Weckersdorf

Britta Lautenschläger vom Gewerbeverband Zeulenroda hatte im Spaß schon überlegt, für ihre Pension in Weckersdorf zu werben mit dem Slogan "ohne Kurabgabe". "Mache ich nicht", beruhigt sie - kann aber verstehen, dass die Kollegen in Zeulenroda einen Wettbewerbsnachteil fürchten. "Die Anbieter in der Stadt tun mir leid."

Kurbeitrag ohne Gegenleistung, das finde ich gruslig.

Britta Lautenschläger Hat eine Pension in Weckersdorf

Und auch die Urlauber, die nun von einem Betreiber missmutig zur Kasse gebeten und vom anderen zur Touristinfo geschickt werden. "Wir verkaufen doch ein Gefühl, Urlaub ist Lebensgefühl", sagt die Pensionsbetreiberin. "Kurbeitrag ohne Gegenleistung, das finde ich gruslig." Und dass, wie von der Stadt versprochen, im Januar ein Gutscheinheft vorliegt, "das glaube ich im Leben nicht". Sie selbst würde einen Rabatt auf ihren Fahrradverleih geben und weiß vom städtischen Spielwarenladen, dass der auch zu einem Rabatt für Touristen bereit sei.

Heilbäderverband: Bekannte Sorgen

Neben den gut 30 Erholungsorten wie Zeulenroda oder auch Suhl gibt es in Thüringen 16 hochprädikatisierte Kurorte, die sich im Heilbäderverband organisieren. Diese Orte verfügen zusätzlich über natürliche Heilmittel wie Sole oder Moor und verlangen 1,20 bis 3 Euro Abgabe für den Unterhalt der kurörtlichen Infrastruktur, erklärt Geschäftsführerin Melanie Kornhaas. Den Widerstand aus den Beherbergungsunternehmen kennt Kornhaas auch aus anderen Orten:

"Das macht denen Aufwand, verursacht als Durchlaufposten aber keine zusätzlichen Kosten". Es sei durchaus gängige Praxis in den Thüringer Kurorten und vielen Erholungsorten, den Gästen als Gegenleistung und Mehrwert für die Bettensteuer einen Rabatt zu gewähren. So arbeiten beispielsweise im Thüringer Wald Friedrichroda und Bad Tabarz städteübergreifend mit einem Gutscheinheft zusammen.

Ein Hotel neben einer schmalen Straße.
Groß ist der Unmut - wie auch hier im Hotel Goldener Löwe Bildrechte: MDR/ Franziska Heymann

Stadt könnte Unterstützung bekommen

Bad Sulza hat sich sogar länderübergreifend mit Bad Kösen, Naumburg, Bad Biebra und Freyburg in Sachsen-Anhalt zusammengeschlossen. Urlauber profitieren von kostenfreien oder reduzierten Bibliotheken und Konzerten, Ausstellungen oder Stadtrundgängen. Was Kornhaas ärgert: Aus Zeulenroda habe niemand angefragt beim Heilbäderverband.

Zwar darf die Stadt als Erholungsort nicht Mitglied werden, beraten und helfen würde man aber. "Wenn eine Kurabgabe nicht richtig kommuniziert wird, dann schadet das allen Kurorten", so die Verbandschefin. Nicht nur Zeulenrodas Herbergen sind also bereit zum Ideenaustausch, auch der Verband würde der Stadt helfen, mit einer unglücklich kommunizierten Kurabgabe Schaden abzuwenden.

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MDR (dst)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 02. Oktober 2022 | 10:30 Uhr

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