Online-Enzyklopädie Thüringens größtes Regio-Wiki kommt aus Nordhausen

Seit zehn Jahren sammelt Nordhausen-Wiki im Wikipedia-Stil Informationen über die Stadt im Südharz. Das Regio-Wiki ist mittlerweile zum Aushängeschild Nordhausens im Internet geworden. Fast jede Google-Suche über Nordhausen führt hierher. Gegründet hat die Seite ein engagierter Bibliotheksmitarbeiter.

Ein Mann sitzt an einem Schreibtisch und hält einen Laptop in der Hand.
Nordhausen-Wiki ist ein Projekt des Nordhäuser Bibliotheksmitarbeiters Vincent Eisfeld.  Bildrechte: MDR/Armin Kung

Das Online-Lexikon "Wikipedia" gehört zu den wichtigsten Seiten des Internets. Eine digitale Enzyklopädie, die das Wissen der Welt sammelt. Und jeder User kann entsprechend des Wiki-Prinzips mitmachen.

Doch "Wikipedia" hat auch kleine Verwandte. Unzählige Nischen- und Fanwikis, etwa zu Büchern, Serien oder Computerspielen. Dazu gehören auch die sogenannten Stadt- und Regio-Wikis. Thüringens größtes Regio-Wiki stammt dabei nicht aus Erfurt oder Jena, sondern Nordhausen.

Was ist ein Wiki?

Unter einem Wiki wird eine Webseite verstanden, deren Inhalte schnell und direkt von allen Nutzer verändert werden können, welche diese Seite aufrufen. Wiki-Seiten werden in der Regel nicht von Autoren erstellt und gepflegt, sondern von Freiwilligen. Für einen Zugriff werden lediglich ein Internetzugang und ein Webbrowser benötigt. Wikis werden sowohl als öffentliche Enzyklopädien als auch innerhalb eines Firmennetzes genutzt.

Relevanzkritierien von "Wikipedia" schaffen Platz für das Regionale

2.400 Artikel sind seit 2012 entstanden. Mittlerweile sind es sechs Millionen Aufrufe. Detaillierte Informationen über einzelne Straßen und Gebäude sind auf "Nordhausen-Wiki" zu finden, aber auch komplexe historische Ereignisse, wie die Luftangriffe von 1945. Doch warum braucht es neben "Wikipedia" noch kleine, regionale Wikis?

"Wikipedia hat sich selbst sogenannte Relevanzkritierien gegeben. Damit verhindert man, dass Wikipedia in zu vielen Details erstickt. Das wiederum schafft aber Platz für regionale Wikis, die sich ganz speziell mit der Region beschäftigen", sagt Vincent Eisfeld.

Viele Bücher eingescannt

Eisfeld arbeitet in der Nordhäuser Stadtbibliothek. Er liebt sowohl Bücher als auch Geschichte. Diese Liebe brachte ihn auf die Idee zu "Nordhausen-Wiki". Eisfeld mietete einen Server und installierte die freiverfügbare Wiki-Software.

"Ich fand es schade, dass so viele Bücher von Nordhäuser Historikern ungelesen im Regal verstauben. Dabei gab und gibt es hier eine unglaublich fleißige Gemeinschaft. Deswegen begann ich urheberrechtsfreie Werke einzuscannen", so Eisfeld.

Er scannte die Bücher ein und ließ sie durch eine Software für Texterkennung laufen. Damit lassen sich die alten Bücher einfach am Computer durchsuchen. Heute ermöglicht die Software sogar in Fraktur geschriebene Texte in moderne Schriftarten umzuwandeln.

Nicht nur Nordhäuser schreiben an Wiki

Doch "Nordhausen-Wiki" wuchs schnell über eingescannte Bücher hinaus. Eisfeld schrieb anfangs vorrangig Artikel zu Gebäuden und Straßen. Mit der Zeit tauchten plötzlich Artikel von Autoren auf, die er nicht persönlich nicht kannte. Heute existiert eine Community von 14 aktiven Autoren. Der älteste Schreiberling sei Ende 80 und schreibt regelmäßig mit.

"Insgesamt haben ungefähr einhundert Menschen an dem Projekt mitgearbeitet. Von denen kommen nicht alle aus Nordhausen, manche leben irgendwo in Deutschland und haben irgendein Interesse an der Stadt", so Eisfeld.

Eines der größtes seiner Art

Durch die aktive Community und den gepflegten Content gehört "Nordhausen-Wiki" zu den größten seiner Art in Deutschland. Bei der Artikelzahl hat es mittlerweile deutlich größere Städte wie das "Erfurt-Wiki" überholt. Unter den deutschen Regiowikis liegt es im Mittelfeld weit vor mancher Metropole.

"Das kommt natürlich immer auf die Autoren an. Manche Städte haben eine unglaublich aktive Wiki-Szene. Da kann eine mittlere Stadt schon mal eine Millionenstadt abhängen", sagt Vincent Eisfeld.

Obwohl "Nordhausen-Wiki" sich zu einem digitalen Aushängeschild der Stadt entwickelt hat, hängt das ganze Projekt noch immer an einer Person. Eisfeld überlegt daher, das ganze Projekt in Zukunft an einen Verein zu übergeben.

MDR (jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 03. Juli 2022 | 16:30 Uhr

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