Geologie Vor fünf Jahren: Erdfall in Nordhausen zerstört Gebäude

Vor fünf Jahren tat sich auf einem Betriebsgelände in Nordhausen ein riesiges Loch auf. Teile von zwei Gebäuden wurden in dem 40 Meter tiefen Krater verschluckt. Was ist seitdem passiert?

Es war ein diesiger Tag, der 19. Februar 2016. Auf dem Betriebsgelände der Servicegesellschaft des Landkreises am Salzagraben in Nordhausen hatte die Freiwillige Feuerwehr gerade eine Atemschutzlehrgang abgeschlossen.

Das Rauschen, das einige Kameraden schon Tage zuvor gehört hatten und das sie für eine kaputte Heizung hielten, wurde gegen 17 Uhr immer lauter. Plötzlich brachen immer mehr Betonpflastersteine mitten zwischen den drei Gebäuden weg. Mit einem gewaltigen Rauschen tat sich die Erde auf. Ausgerechnet hier, wo die Schneeräumfahrzeuge des Landkreises standen und die Freiwillige Feuerwehr ihren Übungsraum hat.

In rasender Geschwindigkeit vergrößerte sich das Loch auf einen Durchmesser von 30 Metern. Ein Bürogebäude erwischte es als Erstes. Ein Viertel des Hauses sackte in die Tiefe und gab den Blick frei auf den Schreibtisch im ersten Stock und den Umkleideraum mit Gummistiefeln und Spinden ein Stock tiefer. Mutig war es von der Feuerwehr, mit ihrem Leiterwagen auf das Gelände zu fahren und die Leiter über den rauschenden Abgrund auszufahren. Ein Feuerwehrmann versuchte mit Licht und einem 30 Meter langen Seil zu erkunden, wie tief das Loch sein mochte, doch man fand keinen Grund.

Keine Versicherung für Gebäude

Ein Erdfall war entstanden, genau an dem Punkt, wo sich 2010 schon einmal Loch aufgetan hatte. Damals war ein Schneeräumfahrzeug rückwärts eingebrochen, der Fahrer konnte sich gerade noch aus der Kabine retten. Geologen befanden damals, dass man das Loch mit 1.000 Tonnen Kies wieder auffüllen könnte und die Sache beobachten sollte. Man tat es. Besser dort nur eine Rasenfläche anlegen, hieß es noch.

Genau dieser Rasen war dann sechs Jahre später verschluckt. Und dieses Mal war das Loch nicht zu stopfen. 70.000 bis 90.000 Tonnen unbelasteten Boden hätte es benötigt, um das Loch wieder zu füllen, sagt nun der Chef der Servicegesellschaft des Landkreises Gunnar Reuter. 2.250 Lastwagenladungen á 40 Tonnen. Unbezahlbar, meint Reuter.

Dumm, dass das Gelände und die Gebäude wegen dem Erdfall von 2010 nicht versichert werden konnten. In den Tagen nach dem Erdfall rettete man aus den Gebäuden was noch ging, das Loch war einigermaßen stabil.

Wo ist die Erde hin?

Die Geologen der Ingenieurgesellschaft IHU aus Leimbach sagen, man müsse sich das vorstellen wie eine Eieruhr. Oben gibt es einen Trichter der eigentlich unten verschlossen ist. Unter der Taille der Eieruhr aber gibt es einen zweiten Hohlraum, dessen Größe unklar ist, vielleicht 100 Meter tief.

Wird dort nun, durch Trockenheit, oder aber, wie hier zu vermuten ist, durch zu viel Wasser das kleine Loch oben freigelegt, saugt es die Erde ab wie bei einem Flugzeugklo. Nach dem ersten Erdfall 2010 war das Loch trocken, nun ist es mit Wasser gefüllt. Interessante Bilder. Sogar der Naturfilmer Dirk Steffens kommt mit der Kameradrohne vorbei. Politiker und Journalisten bekommen mit dem Korb der Drehleiter Einblicke direkt über dem Erdfall. Alle filmen die halb im Nirwana versunkenen Gebäude.

Der Landkreis entschließt, das Loch nicht wieder aufzufüllen. Messungen rund um das Loch zeigen einen erstaunlich stabilen Untergrund. Ein Salz-Silo wird noch abgebaut. Es ist 15 Meter hoch und schwer und teuer. Dass es nicht umgefallen ist, zeigt wie stabil der Untergrund schon in zehn Meter Entfernung von dem Loch ist.

Erdfall wohl Einzelfall

Jahrelang passiert nun wenig am Erdfall. Die direkten Nachbarn, die Familie Theuerkauf, wohnen 150 Meter entfernt und sind beneidenswert gelassen. Aber die geologischen Daten geben ihnen Recht. In den Gebäuden ist kein Riss. Trotz der Größe ist es ein singulärer Erdfall, wie er in dem Gipskarst des Südharzes meist auf Wiesen und in Wäldern öfter vorkommt, nur eben nicht zwischen drei Gebäuden.

Servicegesellschaft-Chef Gunnar Reuter sagt, möglicherweise werde das Loch mal zu einem Seeloch, aber mehr so in geologischen Zeiträumen. Die Geologen, die nach dem Erdfall von 2010 so schnell keine weiteren Erdfälle erwartet hatten, halten sich heute allerdings mit Prognosen zurück, bzw. melden sich nicht auf mehrere Nachfragen. Was sollen sie auch sagen?

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 20. Februar 2021 | 19:00 Uhr

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