Wohnraum Drohende Räumung: Kampf ums Wohnprojekt "Hababusch" in Weimar

Das von Studierenden bewohnte Haus "Hababusch" in Weimar soll geräumt werden. Der Eigentümer will sanieren und hatte eine Klage eingereicht - die Frist endet am Freitag. Bereits vorher hatte der Sohn des Eigentümers Wände eingerissen. Die 17 Bewohnerinnen und Bewohner haben Widerspruch eingereicht und demonstrieren am Freitag mit Unterstützern.

Eine Gruppe Menschen steht vor einem Haus in der Altstadt.
Das "Hababusch": Seit vielen Jahren ein bekannter Name in Weimar - am Freitagnachmittag wird hier gegen die Räumung demonstriert. Bildrechte: MDR/ Alexander Reißland

Die Außenwand in Antonia Mangs ehemaligem Zimmer fehlt gänzlich, lediglich einzelne Balken des Fachwerkes sind noch vorhanden. Bis vor kurzem lebte die 32-jährige Kunststudentin in einem Sechs-Quadratmeter-Zimmer, zahlte monatlich 160 Euro Miete. Nun ist das Zimmer unbewohnbar. Der Anbau, in dem sich der Raum befindet, soll abgerissen werden - so der Plan des Hauseigentümers. Einen Bauantrag hat die Stadt genehmigt. Es ist die weitere Eskalationsstufe eines langwierigen Streits.

Eine junge Frau steht neben einer Holzleiter.
Wohnen ist in Antonia Mangs Zimmer nicht mehr möglich. Bildrechte: MDR/ Alexander Reißland

Wie das Wohnprojekt entstand

Das mit wildem Wein bewachsene Haus liegt mitten in der Weimarer Innenstadt einen Steinwurf vom Goethe-Schiller-Denkmal entfernt. Das Gebäude ist seit Jahrzehnten im studentischen Leben der Stadt verankert. Bereits zu DDR-Zeiten gab es hier ein Wohnheim, berichten die heutigen Bewohner.

1996 eröffnete eine Gruppe Studierender in dem spätbarocken Haus ein alternatives Hostel, eine Mischung aus Jugendherberge und Hotel. Der Vater eines Studenten kaufte damals das Gebäude, um die Gruppe zu unterstützen. Rund 16 Jahre funktionierte das Konzept, dann geriet der Verein in finanzielle Schieflage.

Vier Menschen sitzen über Aktenordnen gebeugt.
Antonia Mang (r.) und die anderen Mieter wollen sich mit dem drohenden Rausschmiss nicht abfinden. Bildrechte: MDR/ Alexander Reißland

Eigentümer erhofft sich mehr Rendite

Seitdem wohnen in wechselnder Besetzung Studentinnen und Studenten in dem Haus, zahlen monatlich 1.685 Euro Miete plus Nebenkosten. Ein Schnäppchen auf dem Weimarer Wohnungsmarkt. Der Eigentümer und sein Sohn würden gern sanieren und zu ortsüblichen Preisen an Studierende vermieten. Mindestens 9.500 Euro Miete wären nach dem Umbau der Wohn- und Gewerberäume denkbar, rechnet der Vermieter in der Klageschrift vor.

Mietverhältnis ungeklärt

Einfach ausziehen wollen die Mieter aber nicht, bestehen auf ihre Rechte. Die wiederrum zweifelt der Hauseigentümer an. Es habe nie einen Mietvertrag gegeben, erklärt der Sohn, Kai Kemmann. Der Anbau, den er momentan abreißt, sei unbewohnt. Die Nachbarn hätten dort schon lange kein Licht mehr gesehen.

Eine Baugrube vor einem teils abgerissenen Haus.
Der Sohn des Eigentümers hat bereits kurzen Prozess gemacht und den Anbau abgerissen. Bildrechte: MDR/ Alexander Reißland

Demonstration gegen Entmietung

Ein typischer Fall von Entmietung, meinen viele Weimarer Studierende und demonstrierten am heutigen Freitag vor dem Haus für den Erhalt des Wohnprojektes. Oft fanden hier Lesungen oder Wohnzimmerkonzerte statt, es sei ein soziokultureller Raum, den es zu erhalten gelte. Erhalten wolle man das Haus ja, erklärt der Rechtsanwalt des Vermieters. Allerdings bedürfe es einer grundhaften Sanierung. Die Zeit dränge.

Kommende Woche wird sich das Amtsgericht Weimar mit dem Verfahren beschäftigen.

MDR (dst)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGENJOURNAL | 30. September 2022 | 19:17 Uhr

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