Archäologische Funde Mittelalterliche Ofenanlage auf Schlossinsel in Schloßvippach gesichert

Die Burganlage auf der Schlossinsel in Schloßvippach (Landkreis Sömmerda) existiert seit 1948 nicht mehr. Doch seit über einem Jahr wird auf der Schlossinsel gegraben, ein Fund nach dem anderen tritt ans Tageslicht. So auch ein altes Steinmetz-Zeichen und eine mittelalterliche Ofenanlage. Sie werden nun weiter archäologisch untersucht.

Ein Mann und eine Frau knien an einem alten Stein-Fundament
Grabungsleiterin Sandra Schneider und Bürgermeister Uwe Köhler in Schloßvippach. Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

Es sieht auf den ersten Blick aus wie ein großes Erdloch - als Laie erkennt man jedenfalls nicht sofort, was sich dahinter verbirgt. Grabungsleiterin Sandra Schneider vom Landesamt für Denkmalpflege jedoch ist schwer angetan: Eine mittelalterliche Ofenanlage wurde dort in diesem Sommer freigelegt.

Solche kennt die Grabungsleiterin eigentlich nur von Klöstern, nicht von Burgen. Doch das ist nicht die einzige Besonderheit: Bei dieser Ofenanlage lassen sich sogar vier verschiedene Bauphasen ablesen. Sandra Schneider vermutet, dass die erste Anlage zeitgleich mit der Burg entstanden ist, als runder Ofen mit einem Durchmesser von drei Metern im Außenbereich.

Heizanlage aus alten Zeiten

Das sei ziemlich groß. Laut Schneider könnte der Ofen die Arbeiter versorgt haben, die die Burg gebaut haben. Aus der zweiten Bauphase ist dann offenbar eine Steinofen-Luftheizung entstanden, um das darüber liegende Gebäude zu beheizen. Eine solche wurde beispielsweise auch im Augustinerkloster in Erfurt gefunden. Als nächstes sei der Ofen sowie auch der Ofenzug verkleinert und anschließend ganz geschlossen worden, um an selber Stelle einen barocken Kachelofen zu bauen.

Steinfundamente im Erdboden
Die ehemalige Ofenanlage auf der Schlossinsel in Schloßvippach. Bildrechte: MDR/Samira Wischerhoff

Naherholungsort und archäologischer Themenpark geplant

Laut Bürgermeister Uwe Köhler bieten sich als Schlussfolgerung aus diesen Erkenntnissen nur zwei Möglichkeiten an: Entweder das Loch wieder verfüllen und einen Gehweg darüber errichten oder aber die Ofenanlage sichern und nach oben hin sichtbar machen.

Zweiteres entspricht zumindest dem Gesamtkonzept, aus der Schlossinsel neben einem Naherholungsort auch einen archäologischen Themenpark zu machen, bei dem auch die anderen Funde oberirdisch präsentiert werden sollen. Für die zusätzlichen Kosten der Ofensicherung konnte Uwe Köhler zwei Sponsoren gewinnen: Die Thüringer Landgesellschaft und die P1 Grundstücksgesellschaft aus Erfurt übernehmen die Kosten von 1.600 Euro.

Der Ofenhohlraum wurde nun mit einer speziellen "Flüssigerde" gefüllt, damit er nicht in sich zusammenfällt. Künftig sollen die Mauerzüge und der Zug des Ofens mit unterschiedlichen Materialien oberirdisch dargestellt werden: "Dann kommen Schautafeln dazu, die das Ganze erläutern und dann hoffe ich, dass sich jeder auch vorstellen kann, was hier mal gestanden hat.", sagt Uwe Köhler.

Das dritte Steinmetz-Zeichen auf Thüringer Burgen

Einige Meter weiter findet sich die nächste kleine Sensation an einem Pfeiler-Fundament. Nachdem dieser freigelegt wurde, hatte es keine Minute gedauert, bis Sandra Schneider das kleine, eingeritzte Steinmetz-Zeichen entdeckt hatte. Erst konnte sie es gar nicht glauben, denn bisher gab es nur zwei Steinmetz-Zeichen auf Thüringer Burgen überhaupt.

Ein eingeritztes Steinmetzzeichen
Das Steinmetz-Zeichen des Fundes in Schloßvippach. Bildrechte: MDR/Uwe Köhler

Schneider erklärt, dass die Steinmetze dieser Zeit ihre Steine so markiert haben, sodass man sieht, welcher Stein von welchem Steinmetz ist: "Ein toller Fund, denn aufgrund des Pfeiler-Fundaments, seiner Bearbeitung und Setzung ist es romanisch - und damit wäre es das älteste Steinmetz-Zeichen bisher auf Thüringer Burgen."

Auch dieses Zeichen soll künftig den Besuchern der Schlossinsel präsentiert werden. Außerdem muss es vor Witterung und anderen Einflüssen geschützt werden. Uwe Köhler denkt über eine Sicherung mit einer Plexiglasscheibe nach, damit es auch in hundert Jahren noch sichtbar ist.

Aus archäologischer Sicht ist es die einmalige Gelegenheit, an Funde und Befunde zu kommen, an die wir sonst niemals gekommen wären.

Grabungsleiterin Sandra Schneider

Aktuell hofft Köhler aber vor allem auf weitere Fördermittel. Denn es müssen noch weitere Bereiche der Schlossinsel ausgegraben werden, wo eventuell auch weitere Funde zutage treten. Derzeit wartet er täglich auf den Fördermittelbescheid, damit die Arbeiten weitergehen können.

In dem anstehenden Bauabschnitt soll der umlaufenden Weg um die Insel weitergeführt werden, die historischen Mauerzüge hochgemauert und die Erde im südwestlichen Teil der Schlossinsel abgetragen werden. Wenn alles gut geht, soll die Neugestaltung der Schlossinsel im Jahr 2024 fertig sein.

Geschichte der Region erhalten und zeigen

Wenn es nach Sandra Schneider ginge, würde sie direkt weitergraben. Sie hält die Schlossinsel für einen bedeutsamen Ort, an dem viel Geschichte versteckt ist. Dass die Burg darauf selbst nicht mehr existiert, sieht sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge: "Wenn eine Burg geschliffen wurde - das wurde sie 1948 - dann ist das natürlich ein riesengroßer Verlust. Aber aus archäologischer Sicht ist es die einmalige Gelegenheit, an Funde und Befunde zu kommen, an die wir sonst niemals gekommen wären."

MDR (sw/mm)

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Nachmittag | 24. September 2022 | 13:15 Uhr

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