Bye-bye, Buga! Was von der Bundesgartenschau in Erfurt bleibt

MDR-Autorin Antje Kirsten
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach 171 Tagen geht in Erfurt am Sonntag die Bundesgartenschau zu Ende. Es war die 36. Buga in der Geschichte der Gartenschauen. Es war die erste unter Pandemie-Bedingungen. Nach einem Start mit angezogener Handbremse, vielen Einschränkungen, geschlossenen Hallen und Restaurants nahm die Buga ab Juni Fahrt auf. Nun geht sie mit rund 1,5 Millionen Besuchern durchs Ziel. Macher, Touristiker, Gastronomen und Besucher sind sich einig: Die Bundesgartenschau in Erfurt war ein Erfolg.

Buga-Besucher sitzen auf Liegestühlen
Die Buga 2021 in Erfurt geht am Sonntag zu Ende. Die Veranstalter ziehen ein positives Fazit. Bildrechte: MDR/Martin Moll

Noch ein letztes Mal putzt an diesem Morgen Gärtnerin Luise Volkmer die großen Kübelpflanzen an den Themengärten. Das Verwelkte muss weg. Die Bundesgartenschau 2021 soll bis zur letzten Minute einen guten Eindruck hinterlassen. "Es ist schade, dass es zu Ende geht. Man hat sich auf die vielen Besucher gefreut, dass man gerade in der Corona-Zeit auch mal was Anderes sehen konnte", sagt sie und fügt im gleichen Atemzug an: "Andererseits geht's mit den Blumen jetzt auch dem Herbst und Frost entgegen und da ist die Pracht eh bald vorbei."

65 Mitarbeiter der Buga-Gesellschaft und 190 Ehrenamtliche haben die Buga am Laufen gehalten. Von ihrem Büro am Egapark blickt Buga-Geschäftsführerin Kathrin Weiß auf das Buga-Areal. "Wir haben sicher von der Berichterstattung zum Start im April profitiert. Die Medien bundesweit haben auf uns geschaut, da es ja die einzige Großveranstaltung war, die stattgefunden hat. Wir hatten eine gute Presse, die Leute sind auf Erfurt aufmerksam geworden."

Mit rund 1,5 Millionen Besucherinnen und Besuchern hat die Gartenschau ihr ursprünglich, allerdings weit vor der Pandemie gestecktes, Ziel verfehlt. Aber nur knapp: 1,8 Millionen Besucher waren geplant. "Wir sind überaus zufrieden mit der Bilanz", sagt Buga-Chefin Kathrin Weiß. Verglichen mit anderen Gartenschauen steht Erfurt gut da. So hat die Buga in Gera und Ronneburg 2007 ebenfalls 1,5 Millionen Besucher gezählt und die Havelland-Region 2015 etwa eine Million Besucher. Die Rechnung mit den beiden Arealen - Egapark und Petersberg - plus das Stadtentwicklungsprojekt "Gera-Aue" sei aufgegangen. Gerade Besucher mit Zwei-Tagestickets hätten das zu schätzen gewusst.

Luftbild vom Petersberg in Erfurt 2 min
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
2 min

Fr 08.10.2021 14:31Uhr 02:02 min

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/mitte-thueringen/erfurt/buga-egapark-petersberg-rutschen-hasen-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Erfurter Buga schließt mit Minus

Die Buga war für Erfurt ein Wirtschaftsmotor, ist Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) überzeugt. "Für die Gastronomen, die Hoteliers war es ein Konjunkturprogramm. Das hatten andere Städte nicht." Mit dem Verkauf von Buga-Tickets wurden laut Bausewein 24 Millionen Euro eingenommen. Plan waren 27 Millionen Euro. Die Bundesgartenschau wird mit einem Minus abschließen. Bausewein geht momentan von zwei Millionen Euro aus. Ein genauer Kassensturz folgt aber erst noch, wenn alle Firmen ihren Rechnungen gestellt haben.

"Gemessen an den Rahmenbedingungen stehen wir dennoch gut da. Mancher hatte schon orakelt, wir würden ein zweistelliges Minus einfahren. Von 49 Millionen Gesamtdurchführungshaushalt sind die zwei Millionen wenig und wir konnten ja erst nur als Park mit Testpflicht starten. Und es wurde im Zuge der Buga so viel in die Stadt investiert. Das wird bleiben."

Gera-Aue und Petersberg - Städtbau-Highlights und Tourist-Juwel

Die Erfurter haben eine großartige Bundesgartenschau auf die Beine gestellt, urteilt Jochen Sandner. Als Geschäftsführer der Deutschen Bundesgartenschaugesellschaft begleitet er beruflich seit 30 Jahren die Gartenschauen. In Erfurt sei zu spüren gewesen, dass die Stadt Blumen, Gemüseanbau, Gartentradition lebt. "Da merkt man das Pflanzen-, das Garten-Gen." Das zu zeigen, sei im Egapark sehr gut gelungen. Laut Sandner wurde geschickt an die große Gartenbautradition angeknüpft, aber auch der Bogen in die Zukunft geschlagen.

Da merkt man das Pflanzen-, das Garten-Gen.

Jochen Sander

Viele Ausstellungsbeiträge hätten gezeigt, wie man mit Klimaresilienz, Trockenheit, Biodiversität umgehen kann. Sein persönliches Highlight sei die Gera-Aue. Von so einem 60 Hektar großen grünen Band würden viele Städte träumen. Städtebaulich sei das die größte Tat der Buga 2021. Aber auch der Petersberg strahle nun als touristisches Juwel. Die Erfurter seien gute Gastgeber gewesen.

Zehn Prozent der Buga werden zurück gebaut

Die Folgekosten der Gartenschau beziffert Oberbürgermeister Bausewein allein mit dem Lohn der zusätzlichen Gärtner. "Mehr ist das nicht", versichert er. Im Garten- und Friedhofsamt waren für die Buga zehn zusätzliche Gärtner und Gärtnerinnen eingestellt worden. Die bleiben auch nach der Buga. Die Flächen auf dem Petersberg und in der Gera-Aue im Norden der Stadt sollen auch künftig gepflegt aussehen. Die Mehrkosten für das zusätzliche Personal schlagen mit rund 650.000 Euro zu Buche.

Auf dem Petersberg beginnt bereits am Montag der Rückbau. Als erstes werden die Kassenhäuschen und Drehkreuze an den Eingängen abgebaut. Dann rollen auch schon bald - noch in der ersten Woche nach der Buga - die Bagger. Die Pflanzen im Festungsgraben, in den Gärten der Epochen kommen raus, die sind verblüht und meist nur einjährig. Aber auch die Rosen müssen weichen. Ihr Pflegeaufwand ist auf Dauer zu hoch. "Alles in allem bauen wir aber nur zehn Prozent der gesamten Buga-Fläche zurück", ordnete Lucie Junge ein. Sie ist in der Buga GmbH für den Rückbau zuständig.

Erfurt war eine sehr nachhaltige Gartenschau.

Lucie Junge

"Nehmen wir nur den Egapark - dort kommen lediglich die Themengärten und der Ausstellungsbereich der Friedhofsgärtner wieder weg". Die Folgekosten für den Egapark kann Kathrin Weiß so nicht rechnen. "Die Ega gibt es ja schon seit 60 Jahren - sie war immer ein Zuschussgeschäft. In den Jahren vor der Gartenschau hatten wir einen Zuschussbedarf von 5,8 bis 6 Millionen Euro. Fürs kommende Jahr rechnen wir mit 4,8 Millionen Euro." Man dürfe nicht vergessen, dass vieles im Egapark verschlissen war und dass mit der Bundesgartenschau die Infrastruktur modernisiert wurde.

"So sparen wir mit dem neuen Klima-Zonen-Haus Danakil auch Energiekosten im Vergleich mit den alten Schauhäusern. In vielen Bereichen wurde die Bewässerung umgestellt, wie im Rosengarten oder im großen Blumenbeet mit der unterirdischen Bewässerung. Dort sparen wir 30 Prozent Wasser. Andererseits sind auch andere, nun mit zu pflegende Bereiche wie der neu gestaltete Karl-Förster-Garten oder der Irisgarten hinzugekommen."

Der besucherstärkste Tag war jeweils der Samstag. Am 9. Oktober wurden alle Rekorde gebrochen: mit fast 20.600 Besuchern. Verkauft wurden 37,5 Tonnen Bratwürste, 50.000 Liter Eis. 2.000 Liter Desinfektionsmittel wurden verbraucht und fast 5.000 Rollen Klopapier. Die ehrenamtlichen Helfer haben rund 35.000 Stunden geleistet. Mit einer Trommel- und Feuershow und einem Umzug der Gärtner und Mitwirkenden verabschiedete sich die Buga am Sonntag. Dann wurde der Staffelstab - die offizielle Buga-Fahne - an Mannheim weiter gereicht. Die Fahne gibt es seit es Bundesgartenschauen gibt, also seit 70 Jahren. Sie ist mit allen Buga-Logos aller Buga-Städte bedruckt: nun auch mit der Buga-Blüte von Erfurt und dem Untertitel "GartenKulturStadt".

Auch Außenstandorte profitierten

Profitiert von der Buga haben auch die Außenstandorte. So zieht die Gemeinde Buttstädt im Landkreis Sömmerda eine positive Bilanz. Wie Bürgermeister Hendrik Blose (CDU) MDR THÜRINGEN sagte, hat man es mit dem historischen Friedhof Camposanto geschafft, die Region und die Stadt bekannter zu machen. Man sei mehr als zufrieden. Nach Angaben des Vorsitzenden des Fördervereins "Historischer Friedhof Buttstädt", Erich Reiche, haben rund 15.000 Menschen die alte Friedhofsanlage besucht. Es seien Menschen aus ganz Deutschland und anderen Ländern angereist, ein Besucher sogar aus Mexiko. Aber auch die Buttstädter selbst hätten den Friedhof für sich als Kleinod und Ruhe-Oase entdeckt.

Gespräch 5 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
5 min

MDR Garten So 10.10.2021 08:30Uhr 05:26 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Mit der Bundesgartenschau sei Erfurt - getreu dem Buga-Motto "Erfurt erblüht" - aufgeblüht, sagt Buga-Geschäftsführerin Kathrin Weiß, die sich jetzt auf ein paar Tage Urlaub freut. "Es war eine großartige aber auch anstrengende Zeit. Wir haben oft rund um die Uhr gerackert." Viele der Mitarbeiter in der Buga-Gesellschaft haben befristete Arbeitsverträge. Wer jetzt was Neues findet, geht von Bord.

Bis zuletzt wird Lucie Junge bleiben. Sie wickelt die Buga ab. "Auf dem Petersberg wird der Rückbau bis ins Frühjahr dauern, da sind zum Teil Tiefbauarbeiten auszuführen. Aber die Straße über den Petersberg werden wir schon in wenigen Tagen wieder befahrbar machen." Stück um Stück können sich die Erfurter dann - ohne Ticket - ihren historischen Berg mit so viel Geschichte und der barocken Festung zurückerobern und ihn, so hofft Erfurts Tourismuschefin Carmen Hildebrandt neu kennenlernen. "Mit wesentlich besserer Infrastruktur", sagt sie "und die bleibt".

Investiert wurden auf dem Berg 46 Millionen Euro, davon waren nur 1,5 Millionen für die temporäre Ausstellung. Der Fahrstuhl, Panoramaweg, der Springbrunnen, die bepflanzten Hochbeete am Fahrstuhl samt Paradiesbaum, das neue Empfangsgebäude der Tourismusgesellschaft, die neue Ausstellung im Kommandantenhaus - all das bleibt auch nach der Gartenschau. Dass die Rutschen in den Festungsgraben abgebaut werden, bedauern viele sehr. "So wie sie jetzt gebaut sind können wir sie nicht erhalten. Wir können ja schlecht einen Gärtner dort hinstellen, der wartet bis einer mal rutschen will und gibt einen Rutschsack raus. Aber das muss noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Vielleicht, wir sind da am Überlegen, kommt doch bald mal wieder eine Rutsche dort hin - vielleicht überdacht", träumt Gartenamtschef Sascha Döll schon mal ein bisschen.

"Der Petersberg muss auf alle Fälle weiter bespielt werden und am besten mit einem deutschlandweiten Gartenfestival", so Döll. Schon 2023 würde er dazu gern Gartenarchitekten und Besucher aus ganz Deutschland einladen. Die einen nennen es jetzt schon "Buga light" oder einfach nur Sommermärchen. Das war die Buga 2021 für viele - nach all den anfänglichen Schwierigkeiten. So wurden über 47.000 Dauerkarten verkauft - und ein Besucher brachte es mit seinem Dauer-Ticket tatsächlich auf 173 Buga-Besuche.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 10. Oktober 2021 | 15:00 Uhr

404 Not Found

Not Found

The requested URL /api/v1/talk/includes/html/28231b3e-2190-412c-8b47-6199ed8a838f was not found on this server.

Mehr aus der Region Erfurt - Arnstadt

Mehr aus Thüringen

Kurzfilm 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK