Mietwohnungen Steigende Nebenkosten: Erfurter Kowo verzeichnet mehr Kündigungen

Immer mehr Menschen kündigen in Erfurt ihre Mietwohnungen - etwa bei der Kowo. Bei mehreren Wohnungsgesellschaften in Thüringen steigen die Mietschulden aufgrund der höheren Nebenkosten.

Blick auf einen Neubau.
Immer mehr Mieter suchen kleinere Wohnungen. Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt

Die Erfurter kommunale Wohnungsgesellschaft Kowo registriert immer mehr Kündigungen von Mietwohnungen. Grund seien die steigenden Betriebskosten. Viele Mieter könnten sich ihre Wohnung nicht mehr leisten und suchten daher kleinere Wohnungen oder würden aufs Land ziehen, sagte Kowo-Geschäftsführer Alexander Hilge MDR THÜRINGEN.

Auf dem Land seien nicht nur die Mieten niedriger als in Erfurt. Auch könne dort oft mit einem Kamin oder Ofen geheizt werden.

Kowo-Nebenkosten um 80 Prozent gestiegen

Wie viele Mieter derzeit kündigen, wollte Hilge nicht sagen. Aber der Anstieg sei seit diesem Monat auffällig. Die Kündigungen hätten eine Dimension, die Anlass zur Sorge bereite. Bereits jetzt habe die Kowo Mietausfälle von mehr als einer Million Euro. Das seien zehn Prozent mehr als noch vor vier Wochen.

Die Nebenkosten sind bei der Kowo mit der Energiekrise um 80 Prozent gestiegen. Jeder fünfte Kowo-Mieter hatte daher bereits im Frühjahr freiwillig höhere Nebenkosten bezahlt. Im Frühsommer erhöhte die Kowo dann die Vorauszahlung um einen Euro pro Quadratmeter.

Häuser und Plattenbauten im Hintergrund.
Blick auf den Erfurter Ortsteil Herrenberg. Bildrechte: IMAGO / Steve Bauerschmidt

Kowo fordert Deckelung des Gaspreises

Immer mehr Mieter könnten das nicht mehr stemmen, die Anrufe bei den Kundenbetreuern häuften sich, heißt es von der Kowo. Die Wohnungsgesellschaft bietet unter anderem Ratenzahlung an und Hilfe beim Beantragen von Wohngeld. Die Sozialbetreuung wurde nach Unternehmensangaben deutlich aufgestockt.

Kowo-Chef Alexander Hilge fordert die Bundespolitik auf, schnell den Gaspreis zu deckeln. Nur wenn der Gaspreis wieder auf das Niveau vom Frühjahr und damit deutlich unter die 100 Euro falle, könnten die Wohnungsunternehmen überleben. Die Erfurter Kowo hat rund 35.000 Mieter.

Steigende Mietschulden auch in anderen Städten

Auch bei anderen Wohnungsgesellschaften in Thüringen steigen die Mietschulden aufgrund der höheren Nebenkosten. In Weimar schulden fünf Prozent der Mieter der Gesellschaft Nebenkosten. Vor einem Jahr waren es noch 3,5 Prozent.

Keine Probleme gibt es bisher in Gera, weil dort langfristige Verträge bis Ende 2024 gelten. Die Städtische Wohnungsgesellschaft Suhl rechnet damit, dass nächstes Jahr mit der Abrechnung das böse Erwachen kommt. Viele Mieter haben ihre Vorauszahlungen zwar schon erhöht. Das wird nach Angaben der Wohnungsgesellschaften aber kaum reichen. So sind die Nebenkosten in Suhl und Ilmenau um 60 Prozent gestiegen, in anderen Regionen sieht es ähnlich aus.

Auch in Sachsen rechnet der Verband der Wohnungsgenossenschaften mit Zahlungsausfällen, wenn sich Mieterinnen und Mieter die Kosten nicht mehr leisten können.

MDR (mm)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 24. September 2022 | 08:00 Uhr

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