Rückkehrerin Bundesanwaltschaft ermittelt gegen Islamistin aus Erfurt

Wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) ermittelt die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe gegen eine 25-jährige Frau aus Erfurt. Mit vier anderen Frauen war sie am Mittwoch aus Syrien ausgeflogen worden. Die Ermittler gehen auch dem Verdacht der Terrorismusfinanzierung nach.

"Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof" steht auf einem Schild am Eingang zum Gebäude der Bundesanwaltschaft.
Terrorismusfinanzierung - so lautet ein Verdacht der Bundesanwaltschaft mit Blick auf die 25-jährige Erfurterin. Bildrechte: dpa

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe ermittelt gegen eine 25-jährige Frau aus Erfurt wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS). Ein Sprecher des Generalbundesanwalts bestätige MDR THÜRINGEN, dass gegen sie ein Haftbefehl beim Bundesgerichtshof (BGH) beantragt worden ist. Die Erfurterin gehört zu vier Frauen, die am Mittwochabend mit einer Maschine der US-Luftwaffe aus Nordsyrien nach Deutschland ausgeflogen worden waren.

Nach Angaben der Bundesanwaltschaft ist sie noch auf dem Flughafen in Frankfurt am Main festgenommen worden. Sie soll bereits am Donnerstag dem Untersuchungsrichter am BGH zur Haftprüfung vorgeführt werden.

Eine Maschine der Air-Force landet bei Dunkelheit am Flughafen.
In diesem Flieger der US-Airforce ist die Frau am Mittwochabend in Frankfurt gelandet. Bildrechte: dpa

Zusammenschluss 2015 mit anderer jungen Frau

Bei der Frau handelt es sich nach MDR THÜRINGEN-Informationen um Kristin L. Sie war Anfang März 2015 mit Leonora M. aus Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) über Frankfurt am Main in die Türkei gereist. Kristin L. und Leonora M. sollen sich vor ihrer Ausreise 2015 im Internet kennengelernt haben. Die damals 15-jährige M. soll sich zuvor für den Islam interessiert und dann ihre Reise in die IS-Gebiete geplant haben. Die beiden jungen Frauen sollen sich dann zusammengetan haben, da die minderjährige Leonora M. eine erwachsene Begleitung brauchte.

Kristin L. war damals 18 Jahre alt. Von der Türkei aus hatten beide Frauen dann in der Folge die Grenze nach Syrien überquert und sollen sich einem Lager der Terrormiliz IS im syrischen Rakka befunden haben. Nach dem Zusammenbruch des IS geriet sie offenbar in die Gefangenschaft kurdischer Milizen in Nordsyrien. Dort wurde sie in einem Gefangenenlager für ehemalige IS-Kämpfer inhaftiert.

Verdacht der Terrorismusfinanzierung

In Thüringen ermittelt das Landeskriminalamt gegen Kristin L. im Auftrag der Bundesanwaltschaft wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in der Terrorgruppe IS. Bei diesen Ermittlungen soll auch der Verdacht der Terrorismusfinanzierung eine Rolle spielen. So soll die Frau an der Beschaffung von Geldern aus Europa beteiligt gewesen sein, die dann in die Kassen des IS geflossen sein könnten.

Bereits 2019 hatte es dazu ein Verfahren gegeben. Damals waren Anfang September Wohn- und Geschäftsräume in Sangerhausen und in Erfurt durchsucht worden. 

Heirat mit IS-Kämpfer

Nach MDR THÜRINGEN-Recherchen hat Kristin L. in Syrien einen IS-Kämpfer nach islamischem Recht geheiratet und von ihm offenbar auch ein Kind bekommen. Dieser Mann soll ebenfalls an den mutmaßlichen Geldtransfers beteiligt gewesen sein.

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 06. Oktober 2022 | 15:00 Uhr

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