Nach Experten-Empfehlung Thüringer Gesundheitsministerin sieht keinen Spielraum für Lockerungen

Eine hohe Impfquote ist laut Wissenschaftlichem Corona-Beirat der wesentliche Faktor in der Bekämpfung der Pandemie. Gleichzeitig sprechen sich die Experten für einen Strategie-Wechsel aus. Auf Lockerungen will sich Thüringens Gesundheitsministerin Werner aber nicht einlassen. Gesundheitspolitiker der Länder beschlossen am Samstag Änderungen bei PCR-Tests.

Arbeitsministerin Heike Werner (Linke)
Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner hat sich gegen Lockerungen ausgesprochen. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) hat Lockerungen der Corona-Auflagen vorerst ausgeschlossen. Sie reagierte damit auf eine entsprechende Empfehlung des Wissenschaftlichen Beirats der Landesregierung.

Die Omikron-Welle rolle auf Thüringen zu, aufgrund der hohen Altersstruktur und der vergleichsweise geringen Impfquote würden sich Krankenhäuser und Intensivstationen in wenigen Wochen füllen und die kritische Infrastruktur möglicherweise gefährden, sagte die Ministerin MDR THÜRINGEN. Der Wissenschaftliche Beirat hatte der Thüringer Landesregierung zuvor einen Paradigmenwechsel empfohlen.

Expertenrat empfiehlt besonderen Schutz von Älteren und vulnerablen Gruppen

In einer Mitteilung hieß es, vor allem gefährdete Menschen müssten besonders geschützt werden: ältere Menschen und diejenigen, die aus unterschiedlichen Gründen keinen Immunschutz aufbauen können.

Diese Gruppen müssten bei einer drohenden Überlastung der Testlabore bevorzugt werden. Weniger effektiv sei es angesichts der hohen Ansteckungsfähigkeit der Omikron-Variante, Infektionen in der Breite verhindern zu wollen. Zudem seien Quarantäne-Zeiten für Kontaktpersonen im Kontext der Omikron-Variante nicht mehr gut zu begründen.

Gesundheitsminister der Länder beschließen Konzentration auf gefährdete Gruppen

Die Gesundheitsministerinnen und -minister der Länder beschlossen am Samstag, dass sich die Gesundheitsämter künftig auf die Kontaktnachverfolgung bei Corona-Fällen im Klinik- und Pflegebereich und in Einrichtungen der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung konzentrieren sollen. Angesichts der steigenden Zahl von Corona-Infektionen in Deutschland sollen außerdem nicht mehr alle per Schnelltest positiv Getesteten einen PCR-Test bekommen. Unbedingt eine PCR-Testung erhalten sollen Personal in Krankenhäusern, Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen sowie Hochrisikopatienten und Personen mit dem Risiko schwerer Krankheitsverläufe. Für alle anderen Personen, die keine Symptome haben und ein positives Antigentest-Ergebnis vorweisen können, soll auf eine Bestätigung per PCR verzichtet werden.

Hohe Impfquote entscheidend

Der Wissenschaftliche Expertenbeirat in Thüringen macht sich auch für eine weitere Entlastung der Gesundheitsämter stark. Bei hohen Infektionszahlen sollten demnach Betroffene ohne Symptome nicht mehr mit Tests identifiziert und Kontakte nachverfolgt werden. Wesentlicher Faktor für ein mögliches Ende der Pandemie ist nach Ansicht der Experten eine hohe Impfquote. Nicht Geimpften sollten weiterhin und verstärkt niedrigschwellige Impfangebote gemacht werden.

Die FDP im Thüringer Landtag sieht damit ihre Forderungen bestätigt. Sprecher Thomas Kemmerich sagte, es sei längst überfällig, dem "chaotischen Agieren" ein Ende zu bereiten und Entscheidungen auf der Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse zu fällen. Die Thüringer Corona-Verordnung habe sich überholt.

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Quelle: MDR(mm/jw)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 22. Januar 2022 | 19:00 Uhr

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