Explodierende Nebenkosten Sachsens Wohnungswirtschaft soll unter Schutzschirm

Die Bauminister der Länder fordern wegen der gestiegenen Energiepreise Liquiditätshilfen und einen Schutzschirm für Wohnungsunternehmen. Sie schließen sich damit einem Vorschlag aus Sachsen an. Die Wohnungsunternehmen wünschen sich die Hilfen so schnell wie möglich.

Balkone an einem Wohnhaus
Die Nebenkosten steigen und die Wohnungsunternehmen müssen vorfinanzieren. Das bringt einige in die Bredouille. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Angesichts explodierender Energiepreise soll der Bund den Wohnungsunternehmen unter die Arme greifen. Wie das Ministerium für Regionalentwicklung mitteilte, haben sich die Bauminister der Länder auf Initiative des sächsischen Ministers Thomas Schmidt (CDU) für Liquiditätshilfen und einen Schutzschirm für Wohnungsunternehmen ausgesprochen.

Mehrkosten von 3.000 Euro pro Wohnung

Laut Ministerium rechnet die Wohnungswirtschaft in Sachsen mit einem zusätzlichen Liquiditätsbedarf von 3.000 Euro pro Wohnung. Selbst für mittlere Unternehmen bedeutete dies eine Belastung im zweistelligen Millionenbereich. Hinzu komme das Risiko, dass die Mieterinnen und Mieter die hohen Nachzahlungen nicht auf einmal oder gar nicht leisten könnten, hieß es.

VSWG-Vorstand Mirjam Philipp
Bildrechte: Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften

Wir begrüßen die Initiative des Freistaates sehr und finden in der Information von heute viele unserer Forderungen wieder.

Mirjam Philipp Vorstand des Verbandes der Wohnungsgenossenschaften in Sachsen

Genossenschaften fürchten Vorfinanzierung der Kosten

Offene Türen rennt Regionalentwicklungsminister Thomas Schmidt mit seiner Forderung unter anderem beim Verband der Wohnungsgenossenschaften in Sachsen (VSWG) ein. Vorstand Mirjam Philipp sagte auf Anfrage von MDR SACHSEN: "Wir begrüßen die Initiative des Freistaates sehr und finden in der Information von heute viele unserer Forderungen wieder. Höchste Priorität hat dabei bei uns das Thema zeitnaher Liquiditätshilfen, um die gewaltigen wirtschaftlichen Herausforderungen für die sächsischen Wohnungsgenossenschaften zu stemmen." Die drohenden Forderungsausfälle für die Mitgliedsunternehmen nach den kommenden Betriebskostenabrechnungen müssten aufgefangen werden, so Philipp.

Der Verband hatte vor Kurzem Alarm geschlagen. Er befindet sich nach eigenen Angaben in einer "Sandwichposition" zwischen Energieversorgern und Mietern. Die Energieunternehmen erhöhten kräftig die Preise. Für viele Mieter werde das aber erst in der nächsten Betriebskostenabrechnung Mitte 2023 ersichtlich. Die Genossenschaften müssten diese Lücke vorfinanzieren, beschrieb der VSWG das Problem.

Rainer Seifert
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Diese Liquiditätslücke entzieht der Immobilienwirtschaft die Liquidität für ihr Bestehen.

Rainer Seifert Direktor des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Sachsen

Kaum noch Geld für Investitionen

Ähnlich sieht das der Direktor des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft in Sachsen (vdw), Rainer Seifert. Er spricht auf Anfrage von MDR SACHSEN ebenfalls von der "Sandwichposition" der Immobilienwirtschaft. "Diese Liquiditätslücke entzieht der Immobilienwirtschaft die Liquidität für ihr Bestehen", sagte Seifert. Die Investitionen für 2023 seien deshalb drastisch reduziert worden. "Wenn es eine Umstellung auf erneuerbare Energien im Bereich Heizung geben soll, muss die Immobilienwirtschaft wirtschaftlich handlungsfähig bleiben."

Zinsloses Darlehen gefordert

Den Schutzschirm und die Liquiditätshilfen begrüßt er ebenfalls und hat genaue Vorstellungen, wie die aussehen sollten. Laut Seifert sollte die Finanzierung bonitätätsunabhänig, also unabhängig von der wirtschaftlichen Situation des jeweiligen Wohnungsunternehmens sein. Darüber hinaus sollte sie zinslos und mit einer Bürgschaft abgesichert sein, da mit einem hohen Forderungsausfall von 30 bis 40 Prozent zu rechnen sei. Seifert plädiert für eine sofortige oder sehr zeitnahe Auszahlung.

MDR (sth)

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