Kriminalität Geringe Aufklärungsquote bei Spritklau in Sachsen - So können Sie sich schützen!

Die Preise für Benzin und Diesel sind seit Jahresanfang durch die Inflation und infolge des Kriegs in der Ukraine auf Rekordstände geklettert. Das hat Kraftstoff-Diebe angelockt. Viele werden nie gefasst. Wie die Täter, die in Erlau bei Rochlitz 31.000 Liter Diesel aus einer Firmentankstelle abpumpten. Auf Anfrage von MDR SACHSEN erklärt die sächsische Polizei, wie sich Autofahrer und Unternehmen vor Sprit-Klau schützen können.

Aus einer Zapfpistole tropft Benzin
Einmal volltanken und dann ohne zu bezahlen abhauen - Tank-Betrug und vor allem Sprit-Diebstähle an Tanks von Lkw haben in Sachen laut Polizei zugenommen. Bildrechte: dpa

Für die Agrargenossenschaft in Erlau bei Rochlitz war der Diebstahl von 31.000 Litern Diesel finanzell ein Verlust - abgesehen vom Schaden, der entstanden ist, weil die Fahrzeuge nicht eingesetzt werden konnten. Den Kraftstoff pumpten Unbekannte im möglichen Tatzeitfenster zwischen dem 29. Juli und 8. August 2021 aus der firmeneigenen Tankstelle ab - Sprit im Wert von rund 40.000 Euro.

Rekord-Klau von 31.000 Litern Diesel bei Rochlitz unaufgeklärt

Die Fahndung nach den Tätern blieb erfolglos. "Das Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des besonders schweren Falls des Diebstahls wurde nach Abschluss der Ermittlungen an die Staatsanwaltschaft Chemnitz abgegeben. Tatverdächtige konnten nicht ermittelt werden", sagte eine Sprecherin der Polizeidirektion Chemnitz MDR SACHSEN.

Sprit-Diebe nehmen Kräne und Bagger ohne Überwachung ins Visier

Das betrifft weitere Fälle von Sprit-Diebstahl in Sachsen ebenso: In Leisnig pumpten Täter am Osterwochenende 650 Liter Diesel aus einem Kran. In Dresden zapften Diebe an einem Mai-Wochenende 600 Liter Diesel im Wert von 1.200 Euro aus den Tanks von vier Lastwagen auf einem Firmengelände. Kurz darauf stahlen Unbekannte in Dresden in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch 400 Liter Diesel aus drei Baggern. Die Baufahrzeuge waren auf zwei umzäunten Baustellen abgestellt.

Bagger auf einer Großbaustelle
Baufahrzeuge auf großen Baustellen (Archivbild) werden häufig nachts von Spritdieben aufgesucht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Generell sollten Firmen keine vollgetankten Fahrzeuge nachts im Freien stehen lassen.

Kathlen Zink Sachbearbeiterin Medienarbeit, Landeskriminalamt (LKA) Sachsen

Für Firmen: Zäune, Videoanlagen, Wachschutz können sich lohnen

Das Landespolizeipräsidium gibt insbesondere Firmen folgende Ratschläge zur Vorbeugung von Spritdiebstählen:

  • Baustellenfahrzeuge und mobile Baustellentankstellen durch mobile videotechnische Baustellenabsicherungen zusätzlich überwachen,
  • Fahrzeuge dicht aneinander oder an Wände, Baucontainer parken, um die Erreichbarkeit der Tanks zu erschweren,
  • Tankdeckel immer verschließen,
  • Tankinhalt reduzieren oder vollgetankte Fahrzeuge nicht über Nacht unbewacht stehen lassen,
  • Nutzung von Zusatzschlössern für Kraftstofftanks und Zusatztanks,
  • Kontrollierter Zugang zum Firmengelände oder zu Abstellflächen per Zaun, Alarm- und Videoanlagen oder Wachschutz,
  • Firmenfahrzeuge in verschlossenen Hallen mit fester Gebäudehülle abstellen.

Auch private Pkw-Nutzer können sich schützen

Private Pkw-Eigentümer können sich keineswegs in Sicherheit wiegen. Laut Polizei werden neben großen auch kleinere Mengen von 30 bis 50 Liter Benzin gestohlen, wie Jana Ulbicht weiß. Das könne laut Landespolizeipräsidium durch folgende Vorkehrungen verhindert werden:

  • Fahrzeuge möglichst auf bewachten/überwachten Rast- und Parkplätzen abstellen,
  • Fahrzeuge in absperrbaren Einzelgaragen abstellen.

Die Kameras sind derzeit ausgesetzt und mit einem Sticker abgedeckt.
Geeignete Videoüberwachung erleichtert die Aufklärung von Kraftstoffdiebstählen. Bildrechte: IMAGO/Future Image

Oftmals passieren die Taten übers Wochenende oder in der Nacht und werden so erst mit deutlichem Zeitverzug polizeibekannt.

Jana Ulbricht Pressesprecherin Polizeidirektion Chemnitz

Niedrige Aufklärungsquote vor allem bei Sprit-Diebstählen

Für Eigentümer lohnt sich Prävention angesichts niedriger Aufklärungsquoten: Für Kraftstoffdiebstahl liegt sie laut Landeskriminalamt Sachsen im oberen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Damit wird maximal jeder sechste Spritdiebstahl aufgeklärt. "Die Tatorte sind meist abgelegen. Oftmals passieren die Taten auch übers Wochenende oder in der Nacht und werden so erst mit deutlichem Zeitverzug polizeibekannt", erklärt Jana Ulbricht von der Polizeidirektion Chemnitz die schwierigen Ermittlungen. In Breitenbrunn waren beispielsweise Diebe auf eine im Wald gelegene Baustelle geschlichen und stahlen aus mehreren Baufahrzeugen 520 Liter Diesel im Wert von 1.040 Euro.

Es lohne sich für Firmen, "elektronische Überwachungsanlagen anzuschaffen. Zuvor sollten sie sich von einer Fachwerkstatt beraten lassen, welche Geräte für ihre Fahrzeuge geeignet sind", rät Kathlen Zink vom LKA. Generell sollten Firmen keine vollgetankten Fahrzeuge nachts im Freien stehen lassen, rät die LKA-Sprecherin.

Für private Eigenheimbauer gibt es ein interessantes Urteil vom Oberlandesgericht Saarbrücken (Az. 1 U 49/14). Danach haftet für Diebstähle auf der Baustelle "grundsätzlich der Bauunternehmer". Der Fall beschäftigte sich mit einem Diebstahl auf der Baustelle für ein schlüsselfertiges Objekt, das per Werkvertrag durch eine beauftragte Baufirma errichtet wurde.

Tankstelle mit Preissäule
Wer an einer Tankstelle sein Auto volltankt ohne zu bezahlen, wird mit höherer Wahrscheinlichkeit gefasst als Diebe, die Sprit aus anderen Fahrzeugen abpumpen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Tankbetrug etwa dreimal häufiger aufgeklärt als Sprit-Klau

Viele Tankstellen sind mittlerweile videoüberwacht. Das trägt zu einer höheren Ermittlungsquote bei.

Kathlen Zink Sachbearbeiterin Medienarbeit, Landeskriminalamt Sachsen

Im Bereich Tankbetrug, wenn Autofahrer also ohne zu bezahlen von der Tankstelle wegfahren, würden in etwa 45 Prozent der Fälle die Täter gefasst, schätzt das Landeskriminalamt. "Viele Tankstellen sind mittlerweile videoüberwacht. Das trägt zu einer höheren Ermittlungsquote bei", erklärt Kathlen Zink vom Landeskriminalamt MDR SACHSEN.

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MDR (wm)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 17. Mai 2022 | 13:00 Uhr

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