Schulunterricht Kultusminister: Ukrainische Schüler in Sachsen sollen verstärkt Deutsch lernen

Rund 9.600 Schüler und Schülerinnen aus der Ukraine sind zurzeit an Sachsens Schulen angemeldet. In ihrer Heimat wurden die Kinder aus einem laufenden Schuljahr herausgerissen und dann spontan und auf ganz unterschiedliche Art und Weise in das laufende sächsische Schuljahr aufgenommen. Nun soll der Unterricht vereinheitlicht werden - los geht's nach den Sommerferien zunächst mit der Unterrichtssprache.

Schülerinnen sitzen beim Sprachunterricht in einem Unterrichtsraum
Schülerinnen sitzen beim Sprachunterricht in einem Unterrichtsraum (Symbolbild). Bildrechte: dpa

Kurswechsel an Sachsens Schulen ab dem kommenden Schuljahr: Unterricht in ukrainischer Sprache soll nur noch flankierend und unterrichtsergänzend angeboten werden. Unterricht soll auf Deutsch stattfinden und Deutsch verstärkt unterrichtet werden. Das teilte das Kultusministerium mit.

Ukrainische Schüler einheitlicher unterrichten - Hauptaugenmerk: Deutsch

Nach den Sommerferien soll es - wenn möglich - geregelter und in Sachsen einheitlicher weitergehen. Das sächsische Kultusministerium hat die entsprechenden Leitlinien nun in einem umfassenden Schulleiterbrief zusammengefasst.

Der Kernpunkt: Das Hauptaugenmerk soll auf den Erwerb der deutschen Sprache gelegt werden. Einen entsprechenden Beschluss hat auch kürzlich die Kultusministerkonferenz verabschiedet. Sachsens Kultusminister Christian Piwarz erläutert im Interview mit MDR Sachsen, dass über das vorrangige Ziel der Integration lange diskutiert worden sei. Schließlich wisse man nicht, wie lange die ukrainischen Schüler in Deutschland bleiben werden.

9.000 zusätzliche Schüler, die in kurzer Zeit gekommen sind, sind eine Be- und Überlastung für das Bildungssystem. Wir haben ohnehin mit dem Lehrermangel zu kämpfen. Die zusätzlichen Schüler bringen das System an die Grenze und darüber hinaus.

Christian Piwarz (CDU) Sächsischer Kultusminister

Im Gespräch mit MDR SACHSEN erklärte Kultusminister Christian Piwarz, warum es zu dem Kurswechsel gekommen ist. "Für uns war die Frage, wieviel Integration ist jetzt zwingend notwendig und wieviel herkunftssprachlichen Unterricht kann man anbieten, um dann auch eine schnelle Rückkehr in die Ukraine zu bewerkstelligen."

In der Oberschule in Bad Düben schreibt der 15-jährige Jaroslaw aus der Ukraine im Deutschunterricht Vokabeln in sein Heft.
Ukrainische Schüler an sächsischen Schulen sollen im Präsenzunterricht die deutsche Sprache erlernen und auf Deutsch unterrichtet werden. Bildrechte: dpa

Integration hat für Schulminister Vorrang

Schließlich habe man sich aber dafür entschieden, dass die Integration vorrangig sei und dazu gehöre auch das Erlernen der deutschen Sprache, so Piwarz. Das Problem ist nur: Es gibt nicht genug Lehrer, die Deutsch als Zweitsprache unterrichten. Das räumt das Ministerium auch im Schulleiterbrief ein: "Trotz aller Anstrengungen" werde es "leider kaum möglich" sein, den Schulen erforderliches zusätzliches Personal für den Unterricht in Deutsch als Zweitsprache zur Verfügung zu stellen.

Lehrermangel: Schulen sollen Kompromisse finden

Jede Schule müsse selbst die notwendigen Kompromisse finden, um nach Möglichkeit täglich Deutschunterricht anzubieten. Auch nach zusätzlichem Personal wird gesucht, befristet kann dies ohne die sonst notwendigen Qualifikationen eingestellt werden - beispielsweise mit einem anderen Hochschulabschluss ohne Lehrbefähigung oder mit einem pädagogischen Abschluss. Kultusminister Piwarz weiß, dass die schulische Integration der ukrainischen Schülerinnen und Schüler die Schulen vor enorme Herausforderungen stellt.

440 ukrainische Lehrkräfte in Sachsen eingestellt

Um das System zu entlasten, wurden rund 440 ukrainische Lehrkräfte und Schulassistenten befristet für das laufende Schuljahr angestellt. Auch im kommenden Schuljahr sollen diese weiterbeschäftigt werden können. Allerdings müssten diese in der Mehrheit nun selbst Deutsch lernen. Das werde zur Einstellungsvoraussetzung, schreibt das Kultusministerium.

Christian Piwarz
Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) hat über das Landesamt für Schule und Bildung 440 ukrainische Lehrkräfte und Schulassistenen befristet anstellen lassen. Sie sollen im kommenden Schuljahr weiterbeschäftigt werden und Deutsch lernen. Bildrechte: dpa

Konsequente Schulpflicht statt Online-Kurse

Insgesamt müsse man davon ausgehen, dass auch das kommende Schuljahr für die ukrainischen Schülerinnen und Schüler ein Übergangsjahr sein werde. Gleichwohl gelte auch für diese die Schulbesuchspflicht. Durch das Absolvieren von ausschließlich ukrainischen, schulischen Online-Angeboten werde die Schulpflicht nicht erfüllt. Das Kultusministerium kündigt an, im kommenden Schuljahr konsequent auf die Einhaltung der Schulpflicht zu achten. Kultusminister Piwarz sagt, das habe auch organisatorische Gründe. Nur bei einer regelmäßigen Unterrichtsteilnahme könne Integration funktionieren.

Davon unabhängig wird gerade in Gesprächen zwischen Bund und Ländern geklärt, ob und wie ukrainische Schulabschlüsse auch hier in Deutschland erlangt werden können. Diesbezüglich gibt es jedoch noch keine Entscheidung.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | NACHRICHTEN | 05. Juli 2022 | 15:00 Uhr

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