Lehrkräftemangel Sächsischer Rechnungshof für Fortführung der Lehrerverbeamtung

Der Sächsische Rechnungshof hat die Wirksamkeit zweier Programme zur Verbesserung der Unterrichtsversorgung an öffentlichen Schulen zwischen 2018 und 2021 geprüft. Im Ergebnis stellt der Rechnungshof eine Steigerung der Attraktivität des Lehrerberufs fest. Trotz des Erfolges bleibe der Lehrkräftemangel aber immer noch ein Problem, das sich in den nächsten Jahren noch verschärfen würde. Abhilfe sollen deswegen vor allem effizienzsteigernde Maßnahmen bringen.

Gymnasiallehrerin unterrichtet 2014 in einem Gymnasium in Straubing und Schülerinnen der Oberstufe melden sich.
Seit 2019 können ausgebildete Lehrkräfte in Sachsen bis zur Vollendung ihres 42. Lebensjahres verbeamtet werden. Die Landesregierung möchte die Regelung, die bis Ende 2023 befristet ist, fortsetzen. Bildrechte: dpa

In den letzten Jahren hat es Sachsen geschafft, die Attraktivität des Lehrerberufs deutlich zu erhöhen. So lautet das Urteil des Sächsischen Rechnungshofes (SRH), der am Freitag seinen Sonderbericht zur Überprüfung zweier Maßnahmenpakete der Landesregierung von 2016 und 2018 veröffentlicht hat.

Trotz der positiven Effekte stellt der Rechnungshof erst in einigen Jahren eine Entspannung der Lage in Aussicht. "Um die Unterrichtsversorgung sicherzustellen, muss der Freistaat bis zum Absinken der Schülerzahlen ab dem Schuljahr 2028/2029 eine Durststrecke überwinden, auf der er lernen muss, mit weniger Personal als gewohnt auszukommen", lautet die Auswertung des SRH.

Rechnungshof will mehr Pflichtstunden in der Grundschule  

Um die fehlenden Arbeitskräfte im Bildungswesen auszugleichen, empfehlen die Wirtschaftsprüfer mehr Effizienz und eine bessere Steuerung des vorhandenen Personals.

So sollen Lehrkräfte sogenannte unterrichtsfremde Tätigkeiten besser an Assistenzkräfte abgeben können. Zudem sollen Instrumente wie Abordnung und Versetzung von Lehrkräften verstärkt genutzt werden.

Auch eine Erhöhung der Pflichtstunden im Grundschulbereich von derzeit 27 Stunden pro Woche sei im Bereich des Möglichen. "Alle Stellschrauben müssen genutzt werden, es darf keine Denkverbote geben", fordert SRH-Präsident Jens Michel.  

Sabine Friedel, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, kritisiert einige der vorgeschlagenen Maßnahmen des Rechnungshofes wie eine Erhöhung des Pflichtstundenmaßes. Eine allgemeine Verbesserung der Arbeitsbedingungen sei zielführender, so Friedel. "Ein Stellenplan, der Entlastungsperspektiven bietet, ein modernes Schulsystem und pädagogische Freiheit, eine gute Ausstattung, mehr und dauerhaftes Assistenzpersonal sowie ausreichend Mittel für den Schulhausbau."

Landesregierung will Verbeamtung fortführen

Seit 2019 können ausgebildete Lehrkräfte an öffentlichen Schulen bis zur Vollendung ihres 42. Lebensjahres in Sachsen verbeamtet werden. Nach Angaben des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus werden sich die zusätzlichen Gesamtkosten bis zum Ende des Erprobungszeitraums 2023 auf 1,7 Milliarden Euro belaufen.

Die Landesregierung plant über das Jahr 2023 hinaus die Verbeamtung fortzuführen. Ein Gesetzesentwurf zur Verlängerung wird derzeit im Landtag beraten. "Das Instrument ist teuer, aber notwendig", sagt Kultusminister Christian Piwarz (CDU). "Wir müssen zwingend den jetzigen Lehramtsstudentinnen und -studenten das Signal der Sicherheit geben, dass es die Möglichkeit der Verbeamtung auch morgen noch geben wird."

Wissen

Grafik: Ich wer´d Lehrerin! 32 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
32 min

MDR+ Fr 13.09.2019 15:00Uhr 32:21 min

Audio herunterladen [MP3 | 29,6 MB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 59 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.mdr.de/wissen/podcast/challenge/Meine-Challenge-Lehrerin100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Lehrerverbände rufen zu einer Demo auf

Für den 21. September 2022 haben mehrere Lehrerverbände zu einer Protestkundgebung gegen den Bildungsnotstand vor dem Sächsischen Landtag in Dresden aufgerufen. Der Sächsische Lehrerverband (SLV) und die Bildungsgewerkschaft GEW Sachsen werfen der Landesregierung Untätigkeit angesichts der Personalnot im Bildungswesen vor.

Symbolbild für den Lehrermangel 2 min
Bildrechte: dpa
2 min

MDR SACHSEN Mi 07.09.2022 08:17Uhr 02:11 min

https://www.mdr.de/sachsenradio/audio-ebersbach-neugersdorf-104.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

"Noch nie haben wir ein Schuljahr erlebt, in dem schon zu Beginn die Personalnot an sächsischen Bildungseinrichtungen so groß war", sagt Uschi Kruse, Landesvorsitzende der GEW in Sachsen. "Aber offensichtlich fehlt der politische Wille, dies künftig zu ändern. Anders lässt sich der Haushaltsentwurf der Landesregierung nicht erklären, der keinerlei Verbesserungen an Kitas vorsieht und für die Schulen weiteren massiven Personalmangel bedeutet."

Der Berufsschullehrerverband (LVBS) und der Philologenverband Sachsen (PVS) unterstützen den Aufruf des SLV.

MDR (mad)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | 16. September 2022 | 17:00 Uhr

404 Not Found

Not Found

The requested URL /api/v1/talk/includes/html/e03eed8b-0a3b-4f8c-8e56-76bfb1856b54 was not found on this server.

Mehr aus der Landespolitik

Mehr aus Sachsen

Der Ministerpräsident bei einem Essen mit Bundeswehrofffizieren 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Viele Feuerwehrleute vor einem Schulgebäude 1 min
Kellerbrand in Oberschule in Cossebaude Bildrechte: Audiovision Chemnitz
1 min 02.12.2022 | 17:31 Uhr

In einer Oberschule in Cossebaude hat es am Freitag gebrannt. Die Feuerwehr rückte mit einem Großaufgebot an. Verletzt wurde den Angaben zufolge niemand. Einige Kinder hätten jedoch Panikattacken erlitten.

Fr 02.12.2022 15:55Uhr 00:55 min

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/video-dresden-cossebaude-oberschule-panikattacken-feuerwehr-kellerbrand-schulbrand100.html

Rechte: Audiovision Chemnitz

Video