Umgang mit Protesten Was tun gegen aufgeheizte Corona-Proteste?

Seit Wochen gehen Menschen auf die Straße und protestieren gegen die Corona-Maßnahmen. Ein Schwerpunkt bildet Sachsen. Die Stimmung ist dabei oft aufgeheizt. Politiker und Wissenschaftler werden diffamiert, Polizisten beschimpft, Coronaschutz-Maßnahmen missachtet. Was könnte man tun, um das zu ändern und die Stimmung zu beruhigen?

Das Erzgebirge ist gerade eine der Hochburgen auf der Protestlandkarte. Schneeberg, Zwönitz, auch in Aue protestieren regelmäßig Menschen gegen die Corona-Maßnahmen. Aus Sicht von Dieter Bankmann, Superintendent im Kirchenbezirk Aue, sind die Teilnehmenden für eine sachliche Auseinandersetzung nicht mehr erreichbar.

Was also tun, um den Konflikt zu befrieden? Seine Antwort startet er mit einem tiefen Seufzer. "Was wir machen können, ist beten. Was wir machen, ist, moralisch die Menschen unterstützen, die in den Krankenhäusern über ihre Belastungsgrenze hinaus für die Menschen da sind." Aber überzeugt, dass das jetzt hilft, ist er nicht. Bankmann ist ratlos.

Ein Auseinanderbrechen der Gesellschaft verhindern

Michael Nattke vom Kulturbüro Sachsen versprüht da mehr Hoffnung: "Sprechen wir mit denen, die die Maßnahmen einhalten, deswegen vielleicht auch in ihrer Existenz bedroht sind, die vielleicht in einer Einraumwohnung sind mit einer ganzen Familie und mit denen wir sprechen müssen, wo wir wirklich Ressourcen investieren müssen, damit die Gesellschaft nicht auseinanderbricht."

Wer hingegen Polizisten beschimpfe, diese Demokratie eine Diktatur nenne, habe das Recht auf demokratischen Dialog aus seiner Sicht erst einmal verwirkt. Proteste, die gegen die Corona-Schutzverordnung verstoßen, sollten aufgelöst werden – gewaltfrei, aber konsequent.

Forderungen nach Aufgabe der Corona-Proteste

Das sieht Christoph Macholdt ganz genauso. Der 21-Jährige engagiert sich im Kinder- und Jugendbeirat Ilmenau in Thüringen, nebenbei arbeitet der Medizinstudent in einem Impfzentrum. "Es sind genug Gesetzesverstöße begangen worden. So geht's nicht weiter. Gleichzeitig sollte der Staat seine Möglichkeit prüfen, wie er mit einer Impfpflicht dafür sorgt, dass man wissenschaftlich fundiert die Pandemie so unter Kontrolle bekommt, dass diese Wirrköpfe zwar immer noch wirr sein können, aber damit nicht immer noch mehr Menschleben gefährden." Sein zweiter Punkt: eine geschlossene Reaktion der restlichen Gesellschaft. In Ilmenau werde gerade daran gearbeitet.

In Freiberg ist man da schon weiter. Die Initiative Freiberg für alle hat einen Offenen Brief veröffentlicht. Eine Forderung lautet, die montäglichen Corona-Spaziergänge aufzugeben. Dort den Dialog zu suchen, habe nichts bewirkt – außer Anfeindungen, erklärt Mit-Initiator Helmuth Albrecht: "Insofern ist die Geduld bei uns jetzt zu Ende gewesen und deswegen haben wir uns jetzt an die schweigende Mehrheit gewandt mit dem offenen Brief und hoffen, dadurch in den Dialog zu kommen."

Einige stehen zwischen den Fronten und wollen Dialog

Dass der Dialog nicht abreißt, das wünscht sich auch Maja Vater aus Annaberg-Buchholz im Erzgebirge. Sie war selbst schon protestieren, zum Beispiel für Schulöffnungen im Lockdown – und würde es auch wieder tun, sofern die Proteste friedlich bleiben. Sie hat den Eindruck, dass alle, die auf die Straße gehen, als Rechtsradikale, Impfgegner, Verschwörungsanhänger abgestempelt werden. Das führe nicht weiter.

Man sollte stattdessen bewusst das Gespräch mit Protestierenden suchen. "Wichtig wäre es, sich gewisse Leute raus zu picken. Leute, die sachlich sind, die was bewegen wollen, die auch friedlich was bewegen wollen, und mit denen wirklich in einen Dialog geht. Und da geht es nicht darum, die rauszunehmen und die zu überzeugen, sondern ums Zuhören. Was bewegt sie dazu, eine gewisse Meinung zu haben? Und dann kann man gemeinsam Lösungen finden." Vielleicht ist sie in diesem Punkt gar nicht so weit weg von einigen ihrer Vorredner.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Dezember 2021 | 06:00 Uhr

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