Justiz Ex-MDR-Manager Foht legt vor Landgericht Leipzig Geständnis ab

Der Prozess gegen den ehemaligen MDR-Unterhaltungschef Udo Foht ist am Freitag fortgesetzt worden. Foht werden Betrug, Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Der Angeklagte hat einer Verständigung zugestimmt und ließ durch seinen Verteidiger ein Geständnis verlesen. Darin äußerte er sich vor allem zu den Betrugsvorwürfen und bat die Geschädigten um Entschuldigung.

Udo Foht
Der ehemalige Unterhaltungschef des MDR, Udo Foht, hat am Freitag ein Geständnis zu den gegen ihn erhobenen Betrugsvorwürfen abgelegt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Prozess vor dem Landgericht Leipzig hat der frühere MDR-Unterhaltungschef Udo Foht am Freitag ein Geständnis abgelegt. Der 71-Jährige gab zu, sich in mehreren Fällen Summen im fünfstelligen Bereich als Darlehen für MDR-Produktionen geliehen zu haben. Dabei habe er gewusst, dass er die Beträge nicht rechtzeitig zurückzahlen kann. Das Geld bekam er unter anderem von Firmen und Managern der Schlagerszene. Dafür habe er seine Position als MDR-Unterhaltungschef verwendet und so auch seine Pflichten gegenüber dem Sender verletzt. Das Geständnis ließ Foht durch seinen Verteidiger Lawrence Desnizza verlesen.

Ich verstehe mich heute selbst nicht mehr, ich war von meiner Arbeit besessen.

Udo Foht ehemaliger MDR-Unterhaltungschef

Foht sieht sein Lebenswerk zerstört

Er habe seine Pflichten als Unterhaltungschef verletzt, hieß es in der Einlassung. Nach elf Jahren des Schweigens habe er das Bedürfnis, sich zu erklären. "Die Vorverurteilung der Öffentlichkeit hat mein Lebenswerk zerstört", erklärte Foht durch seinen Anwalt. Er habe seine Vorstellungen von Unterhaltung verwirklichen wollen. Sein Leben sei die Arbeit für die Unterhaltung gewesen. "Ich war nicht auf Karriere aus", erklärte der Angeklagte.

Freien Mitarbeiter um 5.000 Euro geprellt

Bei dem ersten von insgesamt 16 geladenen Zeugen, einem ehemaligen freien Mitarbeiter des MDR, entschuldigte sich Foht persönlich. Er bedauere, dass er den heute 84-Jährigen, den er von Produktionen persönlich kannte, angeschwindelt habe. "Ich bitte um Entschuldigung", sagte Foht: "Es tut mir besonders leid." Von dem früheren Kollegen hatte er sich laut Anklage 5.000 Euro Bargeld geliehen. Der Zeuge bestätigte dies. Foht habe gesagt, er müsse mit dem Opernsänger José Carreras verhandeln und brauche das Geld kurzfristig. Nichts von der Summe habe Foht jemals zurückgezahlt.

Jose Carreras
Der spanische Opernstar José Carreras sammelt seit vielen Jahren mit einer Show im MDR Spendengelder für seine Krebsstiftung. Bildrechte: BR/José Carreras Stiftung

Angeklagter fühlt sich heute gegenüber Geprellten schuldig

Für alle Fälle des Betruges gelte: "Ich verstehe mich heute selbst nicht mehr, ich war von meiner Arbeit besessen." Bei allen, die er getäuscht habe, wolle er sich aufrichtig entschuldigen. Er fühle sich diesen Menschen gegenüber schuldig. Foht ließ mitteilen, dass die von ihm geschädigten Geldgeber keinerlei Vorteile beim MDR bekommen hätten, "weder zusätzliche Sendungen noch höhere Budgets". Zu den durch Foht geschädigten gehören neben dem MDR auch bekannte TV-Produzenten wie Michael Jürgens und Werner Kimmig oder der Moderator Florian Silbereisen.

Noch offen, ob Geständnis für Bewährungsstrafe reicht

Laut Prozessbeobachtern blieb Foht mit seinem Geständnis in einigen Bereichen an der Oberfläche. Wichtige Fakten zu finanziellen Transaktionen seien offen geblieben. Damit stellt sich die Frage, ob Foht damit die von ihm und seiner Verteidigung erhoffte Bewährungsstrafe erreichen kann. Die zuständige Staatsanwaltschaft konnte eine dementsprechende Anfrage von MDR SACHSEN am Freitag nicht beantworten. Der Vorsitzende Richter Michael Dahms hatte zum Prozessauftakt angekündigt, ein "Pauschalgeständnis" im Zuge einer Verständigung nicht zu akzeptieren. Das Gericht will auch noch mehrere Zeugen vernehmen, um die Glaubwürdigkeit von Fohts Aussagen zu überprüfen.

Offene Fragen zu Erpressung

Wegen seines Gesundheitszustands wurde Foht am Freitag nicht zu seinem Geständnis befragt. Sein Anwalt kündigte aber schriftliche Antworten auf offene Fragen an. Dabei könnte es, so Prozessbeobachter, auch um den E-Mail-Verkehr zwischen einem Produzenten und dessen Anwalt gehen. Die E-Mails belegen, dass diese Druck auf Foht ausübten und drohte, sein Finanzkonstrukt öffentlich zu machen. In seinem Geständnis hatte Foht erklärt, der Produzent habe oft auf sein Geld warten müssen und sei "immer ärgerlicher und fordernder geworden". Das sei später als Erpressung ausgelegt worden. "Das war aber nicht so", erklärte Foht vor Gericht.

Der Produzenten und dessen Anwalt sind wegen Erpressung angeklagt. Das Verfahren ist vom Foht-Verfahren abgetrennt, ein Verhandlungstermin steht noch nicht fest.

Angeklagter fühlt sich schlecht: Verhandlungstage sollen gedeckelt werden

Der am 1. September gestartete Prozess soll am 16. September fortgesetzt werden. Eine Anfrage des Verteidigers, ob Foht an einigen Verhandlungstagen fernbleiben könnte, wies der Vorsitzende Richter Michael Dahms ab. Er wolle aber die Verhandlungszeiten begrenzen. Auch müssten nicht alle 16 Zeugen gehört werden. Zuvor hatte Foht in der Verhandlung gesagt, dass es ihm nicht gut gehe und er daher nicht selbst vor Gericht sprechen könne.

Was ist eine "Verständigung" vor Gericht? Eine sogenannte Verständigung im juristischen Sinn ist eine Möglichkeit der deutschen Strafprozessordnung, ein Verfahren zu beschleunigen. Darin können sich das Gericht und der Angeklagte über den weiteren Fortgang und das Ergebnis des Verfahrens verständigen. So sollen Ressourcen geschont und die Hauptverhandlung verkürzt werden. Voraussetzung ist in der Regel ein Geständnis des Angeklagten.

Der Fall Foht

Dem früheren MDR-Unterhaltungschef wird vorgeworfen, von verschiedenen Personen Geld bekommen und dieses nicht zurückgezahlt haben. Es geht um mehrere, oft fünfstellige Summen, Darlehen und Transaktionen, bei denen Show- und Musikmanager eine große Rolle spielen. Im Falle einer Einlassung Fohts sollen Teile der Vorwürfe fallen gelassen werden. Der Angeklagte muss dann mit einer Bewährungsstrafe von mindestens zwölf und maximal 21 Monaten rechnen.

Korruptionsprävention im MDR

Der MDR hatte Foht nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Jahr 2011 entlassen. Auch hat der Sender die Compliance-Regeln neu definiert. Es gibt für die Mitarbeitenden eine zentrale Anlauf- und Koordinationsstelle für Fragen im Bereich der Prävention von Rechts- und Regelverstößen im Hinblick auf organisatorische Strukturen. Eine externe Ombudsfrau nimmt außerdem Hinweise auf mögliche Korruptionssachverhalte, Unregelmäßigkeiten, Interessenkollisionen, Gesetzesverstöße und andere verdächtige Sachverhalte entgegen.

MDR (kk,ma,wim,ben)/epd

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 09. September 2022 | 10:00 Uhr

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