Wirtschaft Porsche feiert 20 Jahre Autoproduktion in Leipzig

Rund um die Jahrtausendwende lag die Arbeitslosenquote in der Region Leipzig bei reichlich 20 Prozent. Als sich in dieser Zeit der Sportwagenbauer Porsche am Rande der Messestadt ansiedelte, begrüßten das viele. Leipzigs früherer Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee beschreibt die Werkseröffnung als eine Art Startschuss, der weitere Investitionen, zum Beispiel von DHL und BMW, nach sich gezogen hat. Mittlerweile ist das Porsche-Werk 20 Jahre alt. Am Sonnabend wurde das Jubliläum gefeiert.

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Der Auto-Hersteller Porsche hat am Sonnabend das 20. Jubiläum seines Leipziger Werkes gefeiert. Die Fabrik war am 20. August 2002 eröffnet worden. Zuvor hatte Porsche nach eigenen Angaben 17 Standorte in ganz Deutschland geprüft, bevor schließlich im September 1999 die Wahl auf Leipzig fiel.

Drei Männer mit dunklen Mänteln stehen auf einem Acker mit Spaten in der Hand
Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD), Porsche-Vorstandsvorsitzender Wendelin Wiedeking und der sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU, v.l.n.r.) im Februar 2000 beim Spatenstich für das neue Werk. Bildrechte: Porsche AG

Porsche-Ansiedlung in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit

Angesichts einer Arbeitslosenquote von fast 20 Prozent in der Region Leipzig verbanden sich viele Hoffnungen mit der Ansiedlung. "Es war ja nicht nur das Werk selbst, das hier entstehen sollte, sondern es war eine Visitenkarte: Hier kann man investieren", gibt Leipzigs früherer Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee (SPD) die damalige Stimmung wieder. Die Entscheidungen, die später gefallen sind - DHL, Amazon, BMW - die seien alle damit in Verbindung zu bringen, so Tiefensee.

Es war ja nicht nur das Werk selbst, das hier entstehen sollte, sondern es war eine Visitenkarte: Hier kann man investieren.

Wolfgang Tiefensee (SPD) früherer Oberbürgermeister von Leipzig

Entsprechend legte sich die Stadt unter anderem bei der Baugenehmigung für das Werk ins Zeug. Innerhalb von vier Wochen nach Bekanntgabe der Entscheidung lag sie vor. Trotzdem war Porsche nicht von Anfang an ein großer Jobmotor. Anders als heute, wo 4.400 Mitarbeiter in dem mehrfach erweiterten Werk arbeiten, waren es anfangs gerade einmal 259.

Emotionaler Moment, als erster Cayenne vom Band rollt

Zu den Frauen und Männern der ersten Stunde gehört Katrin Schubert. Schon im Oktober 2001 wurde die gelernte Kfz-Mechanikerin eingestellt und hat von der Pike auf alle Abläufe am Band kennengelernt und mit aufgebaut. Zunächst habe es nur eine leere Halle mit glänzendem Fußboden gegeben - ohne Fahrzeuge Doch als dann der erste Cayenne vom Band lief, sei das ein sehr emotionaler Moment gewesen, erinnert sich Katrin Schubert.

Eine Frau in weißer Bluse
Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

In der Halle war zunächst nur hochglänzender Fußboden. Fahrzeuge waren noch keine da. Als wir dann den ersten Cayenne produziert haben, waren das Emotionen pur.

Katrin Schubert Mitarbeiterin von Porsche Leipzig

Michael Kretschmer und Albrecht Reimold stehen während der Jubiläumsveranstaltung 20 Jahre Porsche Leipzig auf der Bühne an enem Porsche Macan.
Zum Porsche-Jubiläum in Leipzig schaute auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (li.) vorbei - hier im Bild mit Porsche-Produktionsvorstand Albrecht Reimold. Bildrechte: dpa

Alle drei Monate neue Mitarbeiter hinzu

Auch Matthias Beyer ist gelernter Kfz-Mechaniker und von Anfang an dabei. Seine Porsche-Karriere begann sogar schon anderthalb Jahre vor der offiziellen Eröffnung. Zunächst sei die leere Halle eingerichtet worden mit Anlagen und Standard-Arbeitsplätzen. Danach seien im Viertel-Jahresrhythmus neue Mitarbeiter hinzugekommen, sagt Beyer.

Ein Mann in einem weißen hemd
Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Wir haben angefangen, eine hohle Halle einzurichten mit Anlagen und Standard-Arbeitsplätzen. Im Viertel-Jahresrhythmus kamen dann die Mitarbeiter hinzu, bis die Fabrik schließlich eröffnet wurde.

Matthias Beyer Mitarbeiter von Porsche Leipzig

Vom Kfz-Mechaniker zum Logistik-Profi

Und wie das Werk selbst sind auch die Mitarbeiter mit ihren Aufgaben gewachsen. So steht Matthias Beyer heute nicht mehr am Band, sondern kümmert sich um die Logistik der Vorserien-Fertigung. "Ich habe als Fertiger angefangen und die Firma hat es mir mit verschiedenen Arbeitszeitmodellen ermöglicht, dass ich in der Abendschule nochmal studieren konnte." Er habe dann ein technisches Industrie-Studium abgeschlossen.

Ein von grünen Feldern umgebenes Fabrikgelände mit einem kegelförmigen Hauptgebäude
Bei der Werkseröffnung 2002 waren noch viele Grünflächen rund um die Fabrik zu sehen. Nach fünf Werkserweiterungen sind diese inzwischen deutlich geschrumpft. Bildrechte: Porsche AG

Arbeitsschutz wird im Leipziger Werk groß geschrieben

Stetig neu dazugelernt hat auch Katrin Schubert und unter anderem ihren Meisterbrief erworben. Seit ein paar Jahren ist sie im Werk die Expertin für die persönliche Schutzausrüstung der Mitarbeiter. Ob lackschonende Handschuhe,  Arbeitsschutz-Schuhe oder Brillen, in ihrer "Kleiderkammer" kommt  jeder Porsche-Mitarbeiter irgendwann vorbei. "Ich kann mich sehr gut in die Kollegen reinversetzen, wie es ist, am Band zu arbeiten." Jemanden persönlich zu beraten für seine Gesundheit - das sei etwas ganz Großes, sagt Schubert.

Zahlen und Fakten - der SUV Cayenne wurde von 2002 bis 2017 in Leipzig gebaut
- Porsche hat den Cayenne reichlich 700.000 Mal verkauft
- aktuell werden die Modelle Macan und Panamera in Leipzig produziert
- pro Tag laufen 550 Fahrzeuge vom Band
- das 2002 gebaute Werk wurde bisher fünfmal erweitert - zuletzt 2020 für Elektrofahrzeuge
- mit circa 4.400 Beschäftigten ist Porsche einer der größten Arbeitgeber in der Region Leipzig
- Porsche hat bisher nach eigenen Angaben rund 1,3 Milliarden Euro in den Standort Leipzig investiert
- ab 2023 soll der neue E-Macan in Leipzig in Serie gehen, zudem ist der Bau eines weiteren Geländewagens mit Elektroantrieb geplant

MDR (sth/bbr/Birgit Hettwer)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 20. August 2022 | 19:00 Uhr

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