Solidarische Landwirtschaft Kooperative in Taucha macht Ackerbau erlebbar

In Taucha bei Leipzig leben junge Menschen ihren Traum von einer gemeinschaftlichen und nachhaltigen Landwirtschaft. Vor vier Jahren haben sie die Genossenschaft Kooperative Landwirtschaft Leipzig gegründet. Unterstützung haben sie dabei von ihren Mitgliedern, via Crowdfounding und von der örtlichen Kirchgemeinde erhalten. Mittlerweile versorgt die Genossenschaft mehr als 1.500 Haushalte mit Gemüse aus der Region.

Am Anfang war eine Kiste, die die Nachbarin Woche für Woche mit dem Lastenrad geliefert bekam. Darin: Gemüse. Tomaten, Salat, Kartoffeln, Rüben, je nach Saison. Auf der Kiste die Aufschrift "KoLa".

Die Kooperative Landwirtschaft Leipzig (KoLa) ist ein soziales, wirtschaftliches und ökologisches Experiment in einer europaweit einzigartigen Dimension: Auf 35 Hektar Land wird hier Gemüse angebaut, bis zu 3.000 Haushalte will die KoLa damit wöchentlich versorgen. Frisch, saisonal und ökologisch lautet die Maxime der Genossenschaft.

Eine Kiste gefüllt mit Tomaten, Zucchini, Salat und Brokkoli.
Genossenschaftsmitglieder können wöchentlich eine Kiste voll mit frischem Gemüse von der KoLa Leipzig beziehen. Bildrechte: MDR/KoLa Leipzig

Ökologische Landwirtschaft im Speckgürtel von Leipzig

Das Gelände der KoLa ist ein großer, platter Acker in Taucha bei Leipzig. Zusätzlich gibt es zwei Hallen, vier Tunnel, die als Gewächshaus dienen und in denen Tomaten, Paprika, Gurken und Auberginen wachsen. Dazu zahllose Reihen, in denen Salat, Fenchel, Kohlrabi oder Kürbis gedeihen. Der Gemüseanbau folgt strengen ökologischen Standards. Das bedeutet auch: keine Pestizide, möglichst wenig Technikeinsatz, dafür viel Handarbeit.

Auch für die Verbraucherinnen und Verbraucher ist die KoLa etwas Besonderes, wie Vorstandsmitglied Hanno Böhle erklärt: "Wir ermöglichen, dass die Leute mit auf den Acker kommen. Da erfahren Leute auch nochmal mehr im Detail, wie der Anbau funktioniert, was es für Themen gibt und wo man mitbestimmen kann oder nicht."

Eine Frau mit Kopfhörern kümmert sich um die Blüten von Tomatenplfanzen.
Die KoLa Leipzig beschäftigt mehr als 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bildrechte: MDR/KoLa Leipzig

Denn die KoLa Leipzig ist eine Genossenschaft. Jedes Mitglied zahlt eine Einlage von 300 Euro, die der KoLa hilft zu wirtschaften. Jedes Mitglied kann darüber hinaus wöchentlich seine Gemüsekiste beziehen. Wer möchte, kommt mit auf den Acker.

Genossenschaftsmodell Die KoLa Leipzig wirtschaftet genossenschaftlich. Das heißt, jede und jeder kann Mitglied werden und muss dafür eine einmalige Einlage von 300€ zahlen. Damit erhält jedes Mitglied auch ein Mitbestimmungsrecht. Und jedes Mitglied kann wöchentlich eine Gemüsekiste beziehen. Die KoLa produziert also vor allem für ihre Mitglieder.

Wagemutige und unbelastete Jungunternehmer

Unser Eindruck war, dass die das können.

Bernd Klauer Vorstandsmitglied der Kirchgemeinde Taucha

Die KoLa wurde vor knapp vier Jahren gegründet. Die meisten der Gründer sind um die 30 Jahre alt, viele stammen aus Süd- oder Westdeutschland, sind auf elterlichen Gemüsebaubetrieben groß geworden. So ist Gründungsmitglied Jan-Felix Thon zum Beispiel nach Sachsen gekommen, weil es hier noch Land gab, um solidarisches Wirtschaften zu erproben. Seine Ideen konnte er im Kleinen bereits vor mehr als zehn Jahren in der Solidargemeinschaft "Rote Beete" in Taucha umsetzen. Die Kirchgemeinde zeigte sich von den Ideen überzeugt und stellte dafür große Landflächen zur Verfügung. So ist Jan-Felix Thon schließlich bei der "Roten Beete" ausgestiegen, um die KoLa zu gründen und seine Ideen weiterzuführen.

"Unser Eindruck war, dass die das können", erklärt Bernd Klauer von der Kirchgemeinde Taucha. "Also, dass das Leute sind, die wissen, wovon sie reden. Die sind jung, aber trotzdem alle mit Erfahrung in ihren Gebieten und auf ihren Gebieten schon Spezialisten."

Die Kirchgemeinde sah also Potenzial in den Ideen der Genossenschaftler und stellt der KoLa seitdem Land zur Verfügung. Die "Rote Beete" gibt es übrigens bis heute.

Ein Mann bearbeitet mit einem Traktor ein Gemüsefeld.
Auf einer Fläche von rund 35 Hektar Größe werden in Taucha Obst und Gemüse angebaut. Die Ländereien stellt die Kirchgemeinde zur Verfügung. Bildrechte: MDR/KoLa Leipzig

Schlaflose Nächte und gute Aussichten

Die Unterstützung in der Anfangszeit war enorm. In kürzester Zeit hatten die KoLa-Leute Mitglieder geworben, mit deren Einlagen der Betrieb zum Laufen gebracht werden konnte. Darüber hinaus konnten sie über eine große Crowdfunding-Aktion eine große Summe an Direktkrediten einsammeln.

Und dann sind da auf einmal die Millionen zusammen und das ist alles nicht unser Geld.

Niels Horstrup Landwirt KoLa Leipzig

Trotz der guten Aussichten bereitete den Landwirten die bevorstehende Aufgabe auch schlaflose Nächte. Landwirt Niels Horstrup erinnert sich noch an die aufregende Zeit, als die Genossenschaft ihren Anfang nahm: "Und dann sind da auf einmal die Millionen zusammen und das ist alles nicht unser Geld. Einerseits freuen wir uns riesig über dieses ganze Vertrauen und das macht das hier natürlich erst alles möglich, aber da dreht man sich schon ein-, zweimal um des Nachts, das lastet schon auch mal auf der Schulter, das Vertrauen."

Einen landwirtschaftlichen Betrieb aus dem Nichts aufzubauen, kostet eben sehr viel Geld: Lager- und Kühlhallen mussten gebaut, Brunnen gegraben, Leitungen verlegt, Technik angeschafft werden. All das natürlich nachhaltig und energieeffizient.

Eine Frau läuft über einen Platz, im Hintergrund steht ein Minibagger vor zwei großen Häusern.
Mit dem im Crowdfoundin eingenommenen Geld wurden unter anderem der Bau eines Kühl- und eines Lagerhauses finanziert. Bildrechte: MDR/KoLa Leipzig

Gleichzeitig habe das bisher Erreichte die Erwartungen der KoLa-Gründer weit übertroffen. Über 1.500 Mitglieder, die wöchentlich ihre Gemüsekiste bekommen, sind es inzwischen. Tendenz weiter steigend.

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Feature - Komm auf den Acker! | 26. März 2022 | 09:00 Uhr

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