Extremismus Analyse: Rechtsextreme Einflüsse in Sachsen schleichen sich in Alltag ein

In der kostenlosen Broschüre "Sachsen rechts unten" analysiert der Verein Kulturbüro Sachsen in diesem Jahr, wie rechtsextreme Themen in der Bevölkerung verfangen und sich in den Alltag einschleichen. Diese "Normalisierungseffekte" werden beispielhaft an Corona-Protesten, Rechtsrock-Konzerten und Alltagsrassismus beleuchtet.

NPD Eichsfeldtag in Leinefelde 2017. Am Rande von Konzerten wie diesem treffen sich internationale Neonazinetzwerker.
In der neuen Publikation "Sachsen rechts unten" will das Kulturbüro Sachsen auf wachsende rechte Einflüsse hinweisen, die so häufig stattfinden, dass sie scheinbar zum Alltag gehören könnten. Rechtsrock-Konzerte werden als Beispiel genannt. (Symbolbild) Bildrechte: MDR

Das Kulturbüro Sachsen hat in der neuen Ausgabe der Publikation "Sachsen rechts unten" die schleichende Normalisierung von rechtsextremen Inhalten unter die Lupe genommen. Der Verein beobachtet seit Jahren die Verschiebung der Grenzen des Sagbaren.

So geht das Kulturbüro in seiner Publikation zum Beispiel auf die Gewöhnung an Neonazikonzerte ein. Dabei wird die Bedeutung eines rechten Konzertstandortes im Landkreis Nordsachsen in Staupitz für rechtsterroristische Unterstützungsnetzwerke beschrieben.

Bis zu zehn Rechtsrock-Konzerte jährlich in Staupitz

Staupitz selbst hat etwa 300 Einwohner und gehört zur großen Kreisstadt Torgau. Bis zu zehn Rechtsrock-Konzerte mit jeweils rund 200 Besuchern finden hier jedes Jahr auf einem Privatgelände statt. Und die Konzerte sind laut Kulturbüro völlig legal, da der Betreiber des Geländes sich an alle gesetzlichen Auflagen halte.

Rechtsrock ist keine Jugendkultur mehr wie in den 1990-er Jahren.

Michael Nattke Kulturbüro Sachsen

Nach Erkenntnissen des Kulturbüros sind die Rechtsrockkonzerte für Anwohnende und Behörden inzwischen normal. Ein zivilgesellschaftliches Engagement gegen die Konzerte, wie beispielsweise in Ostritz, gibt es in Staupitz nicht. "Aktuell fehlt der Wille vor Ort, diese Normalität aufzubrechen", sagt Michael Nattke vom Kulturbüro. "Vielleicht ist es die Angst, selbst zur Zielscheibe zu werden." Es brauche jemanden, der vorangeht.

Rechtsrock für alle Altersgruppen

"Rechtsrock ist keine Jugendkultur mehr wie in den 1990-er Jahren", sagt Nattke. Es gebe Angebote für viele verschiedene Altersgruppen und auch verschiedene Musikstile. "Inzwischen gibt es Rock, Metal, punkähnliche Klänge, Volksmusik und Liedermacher", erklärt er. Alles, was in der Szene Rang und Namen hat, habe bereits in Staupitz gespielt.

Mann und Frau 34 min
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34 min

Mi 09.03.2022 01:23Uhr 33:41 min

https://www.mdr.de/nachrichten/podcast/mdr-investigativ/video-603874.html

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Alltagsrassismus normal für viele Jugendliche

In der Publikation "Sachsen rechts unten" werden auch die alltäglichen Rassimuserfahrungen von Jugendlichen in Sachsen betrachtet. Dieser Rassismus gehe bereits im Kindergartenalter los und sei ein hochemotionales Thema. Es sei "normal" für die Kinder und Jugendlichen ständig rassistischer Diskriminierung ausgesetzt zu sein.

Das in den Jahren 1922/23 erbaute Schloss in Bärwalde diente zu DDR-Zeiten als Lungenklinik. Heute ist das denkmalgeschützte Gebäude in Privatbesitz und dient zu Wohnzwecken.
Das in den Jahren 1922/23 erbaute Schloss in Bärwalde diente zu DDR-Zeiten als Lungenklinik. Heute ist das denkmalgeschützte Gebäude in Privatbesitz und dient zu Wohnzwecken. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

"An diese Normalisierungseffekte dürfen sich Demokratinnen und Demokraten nicht gewöhnen", so das Kulturbüro. Eingeschliffene Denkmuster müssten durchbrochen werden. Dazu soll die Publikation einen Beitrag leisten.

MDR (al)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | 20. Mai 2022 | 18:02 Uhr

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