Umfrage Mitgliederschwund bei Kirchen in Sachsen schwächt sich ab

Die Zahl der Kirchenaustritte in Sachsen geht zurück. Zwar verzeichen evangelische und katholische Kirche weiter schwindende Mitgliederzahlen - der Trend ist allerdings rückläufig. Auch die Corona-Pandemie spielt offenbar eine Rolle bei der Zahl der Gemeindemitglieder im Freistaat.

 Ein Mann verlässt .2010 eine katholische Kirche.
Die Zahl der Kirchenaustritte in Sachsen geht zurück. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Die christlichen Kirchen in Sachsen verlieren weniger Mitglieder, als noch vor einigen Jahren. Die Kirchgemeinden seien weitgehend auf einen stabilen Kern abgeschmolzen, sagte Gert Pickel, Professor für Religions- und Kirchensoziologie an der Universität Leipzig. Die Kirchenfeindlichkeit der DDR habe die Säkularisierung der Gesellschaft im Osten Deutschlands beschleunigt. Die Zeiten von hohen Mitgliederverlusten der großen Kirchen in Sachsen sei aber weitgehend vorbei.

Niedrigster Stand in Meißen seit Jahren

Das Bistum Dresden-Meißen zählte nach eigenen Angaben im Jahr 2020 rund 139.200 Mitglieder. Das waren gut 1.100 weniger als 2019 - der niedrigste Stand der vergangenen Jahre und entsprach in etwa dem Stand von 2010 mit damals rund 139.900 Katholiken.

Zwischenzeitlich war die Mitgliederzahl bis 2016 sogar wieder auf 142.800 angestiegen. Das sei vor allem durch den Zuzug von katholischen Christen zustande gekommen, sagte Bistumssprecher Michael Baudisch. Das Bistum habe von 2017 bis 2020 auf den Schwund reagiert und die Zahl der Pfarreien reduziert, so Baudisch. Damit sollten die Ressourcen besser genutzt und die Kräfte gebündelt werden.

Leichter Zuwachs in Görlitz

Das Bistum Görlitz verzeichnete 2020 ebenfalls aufgrund des Zuzugs von Katholiken aus Polen einen leichten Zuwachs um 179 auf derzeit 29.790 Mitglieder. Aktuell gibt es im Bistum 29.630 Katholiken.

Weniger Austritte bei evangelischer Landeskirche

Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens zählte Ende 2020 noch gut 647.200 Mitglieder - rund 16.000 weniger als im Jahr zuvor. Dennoch sind die Kirchenaustritte rückläufig. 2020 verließen 6.627 Mitglieder die Gemeinden. Das sind 1.000 weniger als im Jahr zuvor. Einer Sprecherin des Landeskirchenamtes zufolge verschärften neben der fortschreitenden Säkularisierung die Alterung der Gesellschaft und der Wegzug junger Familien den Mitgliederschwund. Dennoch gebe es in Sachsen noch immer viele starke Gemeinden und auch der Gottesdienstbesuch sei vergleichsweise gut.

Corona führt zu Mitgliederschwund

Ein Teil der Verluste wird auch der Corona-Pandemie zugeschrieben. So seien etwa die Taufen im Jahr 2020 verglichen mit 2019 von 4.885 auf 2.950 zurückgegangen. 2018 waren es noch mehr als 5.400. "Viele Taufen wurden von den Familien aufgeschoben, weil die Feierlichkeiten während des Lockdowns nicht möglich waren", sagte Landesbischof Tobias Bilz - die Folge des "Kleinerwerdens der Kirche", so Bilz. Gemeinden und kirchliche Einrichtungen müssten mit weniger Geld und Mitarbeitenden auskommen. Er sehe mit großer Sorge, dass es da oft Überforderung gebe.

Ein Geistlicher wird in einer Kirche interviewt
Sachsens Landesbischof Tobias Bilz sieht in der Pandemie einen Grund für den Mitgliederschwung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wir müssen neu schauen, was mit weniger Mitteln und Menschen gut zu leisten ist, und Kräfte und Energien vielleicht auch ganz neu ausrichten.

Tobias Bilz Evangelischer Landesbischof Sachsen

Anpassung der Strukturen seit 2015

Erste Überlegungen zur Anpassung der kirchlichen Strukturen in der evangelischen Kirche gab es schon 2015. Nach Beschlüssen von Kirchenleitung und Landessynode seien Regionen mit mindestens 4.000 Gemeindegliedern gebildet worden, hieß es. Die Gemeinden hätten sich zu Einheiten zusammengeschlossen, die längere Zeit stabil bleiben sollen und in denen mehrere Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Mitarbeitende für Gemeindepädagogik, Kirchenmusik und Verwaltung als Team zusammenarbeiten.

Politische Konflikte erreichen Gemeinden

Dem Religionsexperten Pickel zufolge trifft die zunehmende politische Spreizung der Gesellschaft auch die Gemeinden. "Das Spektrum reicht von AfD-Anhängern bis zu jenen, die eher den Grünen nahestehen." In den Gemeindevorständen müssten sie gemeinsam Probleme lösen. Die Kirchenleitung müsse sich vor diesem Hintergrund öffentliche Aktionen und Äußerungen immer gut überlegen und sie gut begründen.

Quelle: MDR (bj)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 09. Januar 2022 | 12:00 Uhr

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