Prozesstag Juwelendiebstahl: Grünes Gewölbe schlecht gesichert?

Welche Rolle spielte beim Einbruch ins Grüne Gewölbe der Sicherheitsstandard des Museums? Der Prozesstag am Dienstag hat sich dieser Frage gewidmet. Die Beurteilung eines Zeugen: Es war nicht perfekt, eher ein Kompromiss.

Ein vergittertes Fenster
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Das Sicherheitskonzept des Grünen Gewölbes in Dresden war offenbar nicht perfekt. Zur Rekonstruktion des Museums 2005 konnten sich die Beteiligten nicht auf ein abgestimmtes Gesamtkonzept einigen. Das sagte am Dienstag ein Zeuge im Prozess um den Juwelendiebstahl aus. "Es war mehr ein Kompromiss", so der Planer von einem privaten Ingenieurbüro am Dresdner Landgericht. Es sei um einen Weg zwischen Sicherheitsanforderungen und Vorstellungen der Staatlichen Kunstsammlungen gegangen.

Auch die Verwendung eines stärkeren Sicherheitsglases sei vom Museum abgewählt worden. Nach Informationen von MDR SACHSEN hatte sich das Museum für ein entspiegeltes Glas entschieden, um den Besuchern optimale Sichtverhältnisse zu gewähren.

Scanner mit toten Winkeln

Es seien schon gute Sachen eingebaut worden, "aber da war die Technik noch eine ganz andere", sagte der Planer. Später seien Außenscanner und Aufnahmegeräte ausgetauscht worden, dem geplanten Wechsel der Innenkameras sei dann der Einbruch zuvorgekommen. Die Scanner an der Fassade hätten nicht jedes Fenster erfasst, dort habe es dann Lichtschranken gegeben, aber auch tote Winkel.

So war das Einstiegsfenster demnach von den Außenscannern nur teilweise erfasst. Zwei Drittel bis zu 50 Prozent des Fensters lagen der Aussage des Ingenieurs zufolge im toten Winkel. Das sei schon so in der Planungsphase 2005 bekannt gewesen, sei aber als akzeptabel hingenommen worden. Weiter erklärte der Zeuge: Die über 20 Außenkameras konnten nur teilweise gleichzeitig von den Wachmännern in der Leitzentrale beobachtet werden. Auch eine nächtliche Außenbegehung am Residenzschloss war ihm zufolge nicht vorgeschrieben. Ob alles, was angedacht und eingebaut war, auch funktionierte, sei Sache der Kunstsammlungen.

Seit Ende Februar müssen sich im Zusammenhang mit dem Juwelendiebstahl im November 2019 sechs Männer zwischen 23 und 28 Jahren wegen schweren Bandendiebstahls, Brandstiftung und besonders schwerer Brandstiftung verantworten. Die Deutschen aus einer bekannten arabischstämmigen Berliner Großfamilie sollen am Morgen des 25. November 2019 aus dem berühmten Museum 21 Schmuckstücke mit insgesamt 4.300 Diamanten und Brillanten im Gesamtwert von über 113 Millionen Euro gestohlen und zudem über einer Million Euro Sachschäden hinterlassen haben.

Ihnen wird auch vorgeworfen, einen Stromkasten sowie in der Tiefgarage eines Wohnhauses ein Fluchtauto angezündet zu haben. Laut Anklage haben sie schon Tage zuvor das Gitter vor dem späteren Einstiegsfenster zum Museum präpariert, indem sie ein Loch hineinschnitten und das Gitterteil dann mit Klebstoff wieder einsetzten.

MDR/dpa (st)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | 05. April 2022 | 19:30 Uhr

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