Universitätsklinikum Corona-Patienten in Dresden haben weniger Interesse an Seelsorge

Die Corona-Pandemie stellt auch die Klinikseelsorger am Dresdner Uniklinikum vor Herausforderungen. Während der Besuch von Patientinnen und Patienten sonst zu ihren wichtigsten Aufgaben gehört, war das vor allem zu Beginn der Pandemie plötzlich nicht mehr möglich. Mittlerweile haben sie neue Wege gefunden, um die Situation zu meistern. Allerdings gibt es eine auffällige Entwicklung: Die aktuellen Corona-Patienten nehmen die Seelsorge deutlich seltener in Anspruch als frühere Patienten.

Vier Menschen stehen mit Mundschutz in einer natursteinfarbenen Kapelle um einen Altar herum.
Christoph Behrens, Michael Leonhardi, Peter Brinker und Katrin Wunderwald (v.l.n.r.) sind das Seelsorger-Team am Dresdner Uniklinikum. Bildrechte: MDR/Stephan Hönigschmid

Je länger die Corona-Pandemie dauert, desto weniger Menschen nehmen in Dresden die Krankenhausseelsorge in Anspruch. Zu diesem Schluss kommt der katholische Klinikseelsorger am Dresdner Uniklinikum, Christoph Behrens. "In den ersten Corona-Wellen wurden in der Klinik oft ältere Menschen behandelt, die noch kirchlich verwurzelt waren. Jetzt merken wir an der Resonanz, dass das Bedürfnis nach Seelsorge gesunken ist", stellt der 67-Jährige fest.

Es handle sich häufig um Menschen, die eine Abstinenz zum Glauben hätten. Darüber hinaus seien vermehrt Patienten darunter, die den Klinikaufenthalt mit einer Impfung hätten vermeiden können. "Einige von ihnen glauben selbst im Krankenbett nicht, dass es Corona gibt", sagt der Pfarrer, der neben dem Uniklinikum auch das Städtische Klinikum betreut.

Religion hilft nicht immer beim Sterben

Dass es im Angesicht des Todes nicht zwangsläufig ein Nachteil sein muss, an nichts zu glauben, räumt der Pfarrer ein. Die weitverbreitete Vorstellung eines gelasseneren Sterbens, wenn man einer Religionsgemeinschaft angehört, kann Behrens nicht grundsätzlich bestätigen: "Manchmal ist es sogar umgekehrt. Die Gläubigen denken voller Angst über ihre Sünden nach, während die Nicht-Gläubigen Zuversicht und Tapferkeit ausstrahlen, so dass man sich wundert, wo das herkommt."

Salbung für Menschen an der Maschine

Obwohl es solche Fälle gibt, ist der Alltag sowohl für die katholischen als auch für die evangelischen Seelsorger am Dresdner Uniklinikum nicht schwarz-weiß, sondern komplex. "Ich wurde auch zu Corona-Patienten gerufen, die gar nicht gläubig waren, einfach, weil es den Angehörigen am Herzen lag." Die Patienten hätten dann sediert an der Maschine gehangen, weshalb Rituale wie die Krankensalbung wichtiger als Worte gewesen seien, sagt Behrens, der bei der Salbung improvisieren musste und aufgrund der Hygienevorschriften viele kleine Dosen mit ins Krankenzimmer gebracht hat, damit sie gleich dort entsorgt werden konnten.

Improvisieren lautet auch das Motto für seinen katholischen Kollegen Peter Brinker sowie die evangelischen Pfarrer Katrin Wunderwald und Michael Leonhardi, die ebenfalls am Uniklinikum tätig sind. Vor allem zu Beginn der Pandemie hat es enorme Herausforderungen gegeben.

In der ersten Welle waren wir zunächst geplättet. Wir haben uns gefragt: Was machen wir als Seelsorger, wenn es keine Gottesdienste und Andachten gibt und wir auch nicht regulär auf die Stationen dürfen?

Michael Leonhardi evangelischer Klinikseelsorger am Universitätsklinikum Dresden

Intranetvideos statt Gottesdienst

Die Sprachlosigkeit hielt allerdings nicht lange an. Schnell wussten sich die Seelsorger zu helfen. "Wir haben Videos, Bilder und Texte für das Intranet produziert." Auf diese Weise habe man die Mitarbeiter erreicht, während man mit den Patienten telefonisch Kontakt gehalten habe, so Leonhardi. Ähnlich wie sein katholischer Kollege Behrens hebt auch er den Wert von Ritualen hervor. "Ich segne in letzter Zeit deutlich mehr als früher. Die Leute sind jedes Mal sehr ergriffen. Durch Corona galt es ja Kontakte zu reduzieren. Man merkt aber, wenn es dann wieder eine Begegnung gibt, ist diese besonders intensiv", beschreibt der 64-Jährige seine Beobachtungen.

Blick in einen natursteinfarbenen Raum mit Stühlen drin und einem erhöhten Bereich für den Altar.
In der kleinen Kapelle des Uniklinikums finden regelmäßig Andachten und Gottesdienste statt. Zu Beginn der Pandemie mussten diese aber zunächst pausieren. Bildrechte: MDR/Stephan Hönigschmid

Seelsorgerin hält Patientin den Telefonhörer

Doch nicht nur mit kirchlichen Ritualen versuchen die Seelsorger den Menschen in ihrer isolierten Lage zu helfen, sondern mitunter auch ganz praktisch: "Ich habe älteren Menschen das Telefon gehalten, damit sie mit ihren Angehörigen sprechen konnten. Für sie war es wichtig, wenn schon nicht persönlich, dann zumindest per Telefon die Stimme vom Sohn oder der Tochter zu hören", berichtet Klinikseelsorgerin Katrin Wunderwald, die mit Blick auf die Corona-Beschränkungen am Uniklinikum auch diejenigen kennengelernt hat, die froh darüber waren: "In der Onkologie waren die Patienten dankbar dafür, dass sie beispielsweise nach einer Transplantation geschützt waren", sagt die 52-Jährige.

In einer Laterne brennt auf einem Sims eine Kerze.
Seit April 2020 brennt in der Kapelle ein Corona-Licht. Es erinnert an die Menschen, die durch Corona ihr Leben verloren haben. Bildrechte: MDR/Stephan Hönigschmid

Dankbar, wenn Operation stattfindet

Schwieriger ist es für Menschen, deren Operation aufgrund der Corona-Lage verschoben werden muss, weiß Peter Brinker. Der 56 Jahre alte Gemeindereferent hat dies hautnah mitbekommen.

Ich habe erlebt, wie krebskranke Menschen nicht zeitnah operiert werden konnten, weil das Personal im Corona-Bereich benötigt wurde. Das beschäftigt einen schon.

Peter Brinker katholischer Gemeindereferent am Universitätsklinikum Dresden

Da wundert es kaum, wie dankbar Patienten sind, wenn es dann doch endlich klappt. Michael Leonhardi hat erst kürzlich von einem solchen Fall erfahren: "Ein Patient, der über zehn Stunden operiert werden musste, sagte mir: Ich danke Gott, dass ich lebe, weil sich so viele Menschen impfen lassen haben und deshalb eine normale Versorgung stattfinden konnte."

Quelle: MDR

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