Wandern & Picknick Mit der Kräuterhexe durch Wald und Wiesen der Sächsischen Schweiz

Moderatorin Susanne Langhans
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Die Kräuterhexe Janet Hoffmann aus der Sächsischen Schweiz lädt zu Exkursionen ein. Dabei lernen die Teilnehmer Kräuter und ihre Heilkräfte kennen. Auch die Fragen wann, wie und wo gesammelt werden sollte, werden beantwortet. Die ausgebildete Kräuterheilkundlerin verrät ebenfalls Rezepte für Speisen, Getränke und Salben. Je nach Alter und Interesse gibt es unterschiedlich ausgerichtete Touren. MDR SACHSEN-Reporterin Susanne Langhans hat eine davon mitgemacht.

Urlaub zu Hause in Saupsdorf
Janet Hoffmann hat sich schon als Jugendliche für die Heilkraft von Pflanzen begeistert und später eine Ausbildung zur Heilkräuterkundlerin gemacht. Bildrechte: MDR/Susanne Langhans

Urlaub zu Hause in Saupsdorf Karte
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"Zart, weich, klebrig." Drei Worte, die Kräuterhexe Janet Hoffmann wie eine Zauberformel immer wieder sagt. "Denn nur dann, wenn die Blätter der Kräuter zart, weich und klebrig sind, kann man sie frisch gezupft gut essen." Aber der Reihe nach:

Anreise mit dem 9-Euro-Ticket: der Weg ist das Ziel

Ich habe mich für eine Tour angemeldet, die 10 Uhr an der Kräuterbaude bei Saupsdorf beginnt. Ich möchte von Dresden aus mein 9-Euro-Ticket nutzen und muss tatsächlich ein bisschen recherchieren. Denn nicht jede S-Bahn, die in Bad Schandau landet, bringt einen auch zeitnah in den Bus 241. Der wiederum fährt zum Erbgericht Hinterhermsdorf. Dort muss ich hin.



Da ist also vorab eine Verbindungssuche bei den Dresdner Verkehrsbetrieben nötig. Es helfen auch die Fahrpläne des Verkehrsverbundes Oberelbe oder die Onlineseite der Deutschen Bahn. Während der Fahrt verliebe ich mich mal wieder in meine Heimat. Denn die S1 Richtung Schöna schlängelt sich durch das Elbtal. Die Felsen der Sächsischen Schweiz ziehen draußen vorbei. Auch der Bus bleibt im Kirnitzschtal lange an der Seite des Flusses. Dabei türmen sich die Berge rechts und links in die Höhe.

Schilderwald und Schildersegen

Nach fast 40 Minuten kommt der Bus an seiner Endhaltestelle an. Dort locken mich die zahlreichen Wanderschilder auf die andere Straßenseite. Sie zeigen in alle Himmelsrichtungen - aber keines den Weg zur Kräuterbaude. Gut, ich könnte jetzt mit meinem Handy und Google Maps nachschauen. Ich will es aber auf die gute alte Art schaffen.

Urlaub zu Hause
Die Kräuterbaude liegt im Südosten von Sachsen an der Grenze zu Nordböhmen. Dort kommt der Begriff Baude auch her. Damit ist eine Ausflugsstätte oder ein Restaurant mit Übernachtungsmöglichkeit gemeint. Bildrechte: MDR/Susanne Langhans

Letztendlich finde ich das entscheidende Schild. Es steht rechter Hand der Haltestelle, ein paar Meter abseits. Durch die blendende Sonne konnte ich das nicht sehen. Von dem Moment an ist wieder alles klar. Denn an allen möglichen Abzweigungen ist gut sichtbar das nächste Schild angebracht oder aufgestellt. So laufe ich kurz an der Straße entlang und biege dann auf einen Weg ein, der sich zwischen Wiesen und Wald dahinschlängelt.

Dabei spaziere ich an Kühen und Pferden vorbei und fühle mich von jetzt auf gleich wie im Urlaub. Nach etwa zehn Minuten komme ich an der Kräuterbaude an. Wer überall etwas länger stehen bleiben will, um die Natur zu bestaunen, sollte bis zu 20 Minuten einplanen.

Kräuterwanderungen zwischen ein und fast vier Stunden

An der Exkursion nehmen heute ein Ehepaar aus Brandenburg und eine Mutter und ihre Tochter aus Chemnitz teil. Wie die Kräuterhexe mir später erklärt, seien so wenige Teilnehmer die Ausnahme. Das könne daran liegen, dass ich mir die Exkursion ausgesucht hatte, die vom Nationalpark unterstützt wird und etwas anspruchsvoller ist. Darum gleich mal der Hinweis: Es gibt verschiedene Touren.

Wir waren fast dreieinhalb Stunden unterwegs. Für jüngere Kinder empfiehlt Janet Hoffmann Exkursionen, die nur eine Stunde dauern und insgesamt spielerischer ablaufen. Spaß für Klein und Groß gäbe es auch beim Kräuterkochkurs, ergänzt die Expertin. Darüber hinaus bietet sie noch Kurse an, in denen Salben und Essenzen hergestellt werden.

Die Nachtkerze schmeckt nach Schinken.

Janet Hoffmann Kräuterhexe

Rotklee ein natürlicher UV-Schutz

Unsere Tour war inhaltlich sehr gehaltvoll. Wir sind zunächst an der Baude geblieben und danach durch den Wald spaziert, beziehungsweise ab und an gestolpert. Denn laufen und gleichzeitig schreiben ist schwierig. Ohne Notizen geht es aber nicht. Die Kräuterhexe sagt so viele tolle Dinge, an die ich mich unbedingt erinnern will. Sie zeigt zum Beispiel auf den Rotklee und erklärt: "Diese Blüte tut der Haut gut und ist aufgebrüht als Tee oder verarbeitet zu einer Salbe ein natürlicher UV-Schutz."


Ich erfahre, dass Nachtkerzen nach Schinken schmecken. Beim Löwenzahn kommentiert sie: "Die frischen Blätter bringen die Verdauung in Schwung." Das werde ich mal probieren, genauso wie einen Rosmarin-Tee. Der soll nämlich wie Kaffee wirken. An dieser Stelle möchte ich nicht weiter in die Tiefe gehen. Ich kann nur empfehlen, eine Tour mitzumachen. Janet Hoffmann ist als ausgebildete Heilkräuterkundlerin wahrlich ein wandelndes Naturheilkräuter-Lexikon.

Natürlich schreibe ich nicht nur mit. Ich streiche über Stängel, rieche an Blüten, koste und packe das ein oder andere Kraut auch ein. "In Tupperdosen gehören die aber nicht." Die Expertin rollt mit den Augen und schnauft empört. Da kommt kurz die Hexe durch. Was hier aber als Kompliment gemeint ist. "Wer Kräuter sammeln will, nimmt am besten einen Korb oder einen Jute- oder Papierbeutel."

Das Ende will bedacht sein

Nach der Exkursion lädt das Areal zum Verweilen ein: Leckeres Essen, entspannen, auf dem Spielplatz toben, Tiere streicheln oder einfach weiter wandern … es gibt zahlreiche Möglichkeiten. Wer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, sollte sich vorab informieren, wann der Bus 241 zurück nach Bad Schandau fährt. Ich will hier ehrlich sein: Meinen habe ich verpasst und musste mich in Geduld üben. Wer mit dem Auto fährt, ist flexibler unterwegs, liegt mit seinen Fahrtkosten aber deutlich über dem 9-Euro-Ticket.

Urlaub zu Hause in Saupsdorf Geheimtipp
Bildrechte: MDR/Susanne Langhans

Giersch-Limonade Für die Giersch-Limonade: zehn Stängel Giersch und jeweils ein Stängel Gundermann und Zitronenmelisse zusammenbinden und zwei Stunden in einem Liter Apfelsaft ziehen lassen. Den Dicksaft danach durch ein Tuch gießen und mit Wasser verdünnen. In der Kräuterbaude werden abschließend noch Blüten und Kräuter hinzugefügt, die ebenfalls frisch gesammelt wurden.

Fazit

Janet Hoffmann passt ihre Kräutertour jedem Wunsch an. Wer also vorab alles mit ihr bespricht, erlebt definitiv einen tollen Ferientag.

Adresse und Anreise

  • Kräuterbaude, Hinteres Räumicht 18, 01855 Saupsdorf
  • Auto oder öffentliche Verkehrsmittel

Öffnungszeiten während der Ferien

  • täglich ab 11.30 Uhr
  • Startzeiten der Touren nach Absprache

Kosten

  • Kosten auf Anfrage / Länge und Inhalt der Touren können separat abgesprochen werden
  • 9-Euro-Ticket oder Spritkosten
  • Geld / EC-Karte für Essen und Trinken vor Ort

Geeignet für

  • alle Altersgruppen
  • Einzelpersonen und Gruppen mit bis zu 20 Teilnehmenden

Barrierefreiheit

  • Für Rollstuhlfahrer und Familien mit Kinderwagen empfiehlt sich eine Anreise mit dem Auto. Denn nach der Busfahrt bis Hinterhermsdorf muss man ein Stück durch den Wald. Eine Exkursion um die Baude herum geht aber.
  • Auch Touren für Seh- und Hörgeschädigte mit Begleitperson sind möglich.

Verpflegung

  • Selbstverpflegung für An- und Abreise sowie während der Exkursion
  • frisch zubereitete Speisen und Getränke in der Kräuterbaude

Daran sollte man denken

  • Stift und Notizbuch
  • Korb, Jute- oder Papierbeutel für die Kräuter
  • Rückfahrtzeiten von Bus, S-Bahn und Zug vorab prüfen

Wenn man schon mal da ist

  • Essen genießen, Alpakas und Hunde streicheln, Insektenhotel anschauen und Spielplatz erkunden
  • in der Kräuterbaude übernachten und ein paar Wandertage dranhängen

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