Kosten-Nutzen-Analyse Elektrifizierung der Sachsen-Franken-Magistrale vor dem Aus?

Die Elektrifizierung der Sachsen-Franken-Magistrale steht seit Jahren im vordringlichen Bedarf des Bundes. Milliarden Euro wurden dafür schon ausgegeben. Doch immer wieder stockt der Ausbau der Strecke. Eine neue Analyse könnte nun sogar das Aus bedeuten. Politiker aus Sachsen und Bayern wollen das nicht hinnehmen. Sie haben ein Krisentreffen in Berlin organisiert.

Ein Regionalzug verlässt 2012 den Chemnitzer Hauptbahnhof.
Der Abschnitt von Dresden bis Hof der Sachsen-Franken-Magistrale ist schon elektrifiziert. Bildrechte: dpa

Die Nachricht über ein mögliches Aus der vollständigen Elektrifizierung der Sachsen-Franken-Magistrale hat Bundes- und Landespolitiker in Sachsen aufgeschreckt. Eine neue Prüfung des Kosten-Nutzen-Aufwands des Bundesverkehrsministeriums bewertet die noch nicht elektrifizierten Trasse auf bayrischer Seite als unwirtschaftlich. Der Kosten-Nutzen-Faktor liege demnach bei 0,6 und damit deutlich unter dem verlangten Faktor 1. Doch das Rechenspiel wollen sowohl die Oberbürgermeister und Landräte entlang der Strecke, als auch Bundestagabgeordnete aus Sachsen und Bayern so nicht hinnehmen.

Krisentreffen in Berlin

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Yvonne Magwas aus dem Vogtland sagte nach einem Krisentreffen im Bundesverkehsrministerium in Berlin, die Anbindung der Industriestädte Chemnitz, Zwickau oder Plauen an die Metropolregion Nürnberg könne man nicht nur betriebswirtschaftlichen Überlegungen der Deutschen Bahn überlassen. Man müsse auch neueste Anforderungen wie die "klimaneutrale Mobilität" oder "Dekarbonisierung" einbeziehen.

Die Bundestagsabgeordnete Yvonne Magwas
Bildrechte: Die Hoffotografen

Pragmatisches Beispiel: In Zwickau haben wir das Leitwerk der E-Mobilität von VW. Die Elektro-Autos werden immer noch mit dem Dieselzug gefahren.

Yvonne Magwas (CDU) Bundestagsabgeordnete aus dem Vogtland

Zudem müsse die europäische Dimension der Strecke berücksichtigt werden. So sei auch die Anbindung der Sachsen-Franken-Magistrale nach Prag geplant.

Dulig: Keine Dieselloks mehr in Zukunft

Auch Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) will sich für die weitere Elektrifizierung der Sachsen-Franken-Magistrale einsetzen. Seiner Ansicht nach ist die Verbindung ein wichtiger Baustein für die wirtschaftliche Entwicklung und den Klimaschutz. Es könne nicht sein, dass Sachsen wieder vom Fernverkehr abgehängt werde, sagte Dulig.

Perspektivisch werden wir Fernverkehrszüge nur elektrisch fahren lassen. Wir werden keine Dieselloks fahren lassen. Insofern müssen wir elektrifizieren, damit Fernverkehr überhaupt möglich ist.

Martin Dulig Wirtschaftsminister in Sachsen

Signale nach Treffen in Berlin positiv

Ob das Krisentreffen in Berlin Wirkung gezeigt hat? Die Bundestagsabgeordnete Magwas sieht zumindest positive Signale: "Ich habe vom Staatssekretär vernehmen können, dass der gemeinsame Wille da ist, die Elektrifizierung anzugehen", sagte Magwas. Staatssekretär Michael Theurer (FDP) sagte im Anschluss auf Anfrage von MDR SACHSEN, man sei sich einig, dass trotz der Kosten-Nutzen-Analyse "Wege gefunden werden sollten, dieses auch für das Zusammenwachsen Europas wichtige Projekt zu realisieren." Dafür kämen neben einer Neubewertung auch andere Finanzierungsmittel in Betracht.

Elektrifizierung der Sachsen-Franken-Magistrale - Die Sachsen-Franken-Magistrale ist die Bahnstrecke von Dresden nach Nürnberg. Sie ist 390 Kilometer lang.
- Der Abschnitt von Dresden nach Hof ist bereits seit 2013 elektrifiziert.
- Noch nicht elektrifiziert ist die komplette Strecke in Bayern von Nürnberg über Bayreuth nach Hof.

Schon seit 1993 gilt die Elektrifizierung der Franken-Sachsen-Magistrale laut Bundesverkehrswegeplan als ein Projekt des "vordringlichen Bedarfs". Auch der Koalitionsvertrag der Bundesregierung sieht die Elektrifizierung von Bahnstrecken als besonders vordringlich an. Bundesregierung und Bahn haben bereits Milliarden investiert.

MDR (kb)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 07. Juli 2022 | 19:00 Uhr

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