Städtebauförderung Seit 2002 mehr als 126.000 Wohnungen in Sachsen abgerissen

Durch die Städtebauförderung von Bund und Land sind in Sachsen in den vergangenen 20 Jahren Zehntausende leerstehender Wohnung abgerissen werden. Rückbau oder Stadtumbau Ost nennen das die Geldgeber. Sachsens Regionalentwicklungsminister Thomas Schmidt (CDU) verwies bei einem Besuch in Stollberg auf die Stadt als Positiv-Beispiel und nannte Gründe, warum der Stadtumbau mit Häuserabriss nicht weitergehen muss.

Bagger reißen im Stralsunder Wohngebiet Knieper West 2011 einen Plattenbau aus DDR-Zeiten ab.
In den vergangenen 20 Jahren sind in Sachsen mehr als 126.000 Wohnungen abgerissen worden. Fördermittel sollen auch künftig nicht nur für den Abriss fließen. Stadtstrukturen sollen auch gefördert werden (Archivbild). Bildrechte: dpa

In Sachsen sind in den vergangenen 20 Jahren rund 126.300 Wohnungen mit Unterstützung aus der Städtebauförderung abgerissen worden. Darüber informierte das sächsische Ministerium für Regionalentwicklung am Donnerstag in Stollberg im Erzgebirgskreis. Insgesamt hätten Bund und Land, um Wohnungen abzureißen und das Umfeld zu gestalten, seit 2002 mehr als 400 Millionen Euro für Städtebauförderung gezahlt.

Der Abriss vor allem in Plattenbaugebieten aus DDR-Zeiten habe zu einer erheblichen Aufwertung beigetragen, hieß es. Außerdem seien so die Wohnungsgesellschaften von hohen Kosten für leerstehende Wohnungen entlastet worden.

Durch Abriss-Förderung wird Wohngebiet attraktiver

Bei seinem Besuch in Stollberg am Donnerstag betonte Regionalentwicklungsminister Thomas Schmidt (CDU), wie sehr die Stadt in den vergangenen drei Jahrzehnten attraktiver und lebenswerter geworden sei: "Stollberg ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie die Fördermittel, die der Freistaat Sachsen gemeinsam mit EU und Bund bereitstellt, positive Wirkungen entfalten."

Stollberg ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie die Fördermittel, die der Freistaat Sachsen gemeinsam mit EU und Bund bereitstellt, positive Wirkungen entfalten.

Thomas Schmidt Regionalentwicklungsminister

Beispielsweise würden im Wohngebiet Dürer-Gebiet die Erfolge sichtbar. Dort wurden rund 500 Wohnungen abgerissen, sagte Oberbürgermeister Marcel Schmidt (Freie Wähler). Das in den 1980er Jahren gebaute Plattenbaugebiet sei mit seiner sehr engen Bebauung und wenig Grünflächen früher als "Ghetto" verschrien gewesen, sagte Schmidt.

Rückbau wird weiter eine Rolle spielen

Im Stollberger Dürer-Gebiet wurden ganze Wohnblöcke abgerissen, teilweise aber auch nur obere Etagen oder einzelne Eingänge. Mittlerweile ist laut Schmidt der Leerstand deutlich geringer und auch der soziale Brennpunkt beseitigt. Denn neben dem Abriss seien rings herum neue Flächen und soziale Einrichtungen sowie Treffpunkte gestaltet worden.

Abrisse werden auch in den nächsten Jahren Thema für Sachsens Kommunen bleiben, sagte Minister Thomas Schmidt: "Der Rückbau wird weiter eine Rolle spielen." Nun gehe es vor allem um die Frage, ob ein bestimmtes Gebäude sanierungsfähig sei. Wenn die Sanierung als zu aufwendig eingeschätzt werde, könne ein Abriss und Neubau die bessere Lösung sein.

Nachhaltige Stadtentwicklung unterstützen

Damit der Stadtumbau in Stollberg auch künftig fortgeführt werden kann, hatte Thomas Schmidt, Fördergeldbescheide von mehr als 200.000 Euro im Gepäck. So erhält die Stadt aus dem Programm "Nachhaltige soziale Stadtentwicklung ESF Plus 2021 - 2027" insgesamt 164.000 Euro. Damit könne die Stadt soziale Projekte wie die "3D-Druckwerkstatt" oder die Arbeit des Quartiersmanagement in den Fördergebieten Innenstadt und Hufeland-Gebiet bis Ende 2023 fortsetzen.

Städte-Kooperation wird gefördert

Eine weitere Förderung von 40.000 Euro erhält Stollberg aus dem Programm "Besondere Regionale Initiativen" (FRL RegIn) für ihr Vorhaben "Innenstädte - lebendig, aktiv und zukunftsorientiert". Stollberg ist federführende Kommune des "Innenstadtnetzwerkes Sachsen". Zum Städte-Netzwerk gehören aktuell acht Kommunen, die sich die Entwicklung und Stärkung ihrer Innenstädte zum Ziel gesetzt haben. Dafür arbeiten die acht Städte zusammen und suchen gemeinsam Lösungen.

Rathaus von Stollberg im Erzgebirge
Stollberg ist federführende Kommune des Innenstadtnetzwerkes Sachsen. Die kooperierenden Städte des Netzwerkes tauschen sich aus - auch über Innenstadtbelebung. Dem Netzwerk gehören beispielsweise noch die Städte Grimma und Burgstädt an. Bildrechte: IMAGO / Volker Preußer

Mit der Förderung soll das Netzwerk wachsen und sich entwickeln. Es soll sich auch als Ansprechpartner für andere Kommunen und Unternehmen im Land etablieren.

Innenstadtnetzwerk Sachsen - Das Netzwerk bemüht sich um den Aufbau und die Finanzierung von City-Managements und um die Innenstädte.
- Es fördert Ideen und Konzepte gegen Leerstand von Geschäften und Gebäuden, setzt sich für die digitale Innenstadt, Mobilität und Erreichbarkeit ein sowie für das Wohnen in den Innenstädten.

- Das Netzwerk hat sich im Jahr 2018 gegründet. Neben Stollberg als federführender Kommune gehören ihm Rodewisch, Grimma, Burgstädt, Annaberg-Buchholz, Frankenberg, Zschopau und Brandis an. Weitere Gemeinden haben laut Sachsens Regionalentwicklungsministerium Interesse an einer Mitarbeit bekundet. Sächsisches Staatsministerium für Regionalentwicklung

In sozialen Frieden investieren

Die Stadt Stollberg mit ihren rund 11.500 Einwohnerinnen und Einwohnern kann viele Beispiele vorweisen, die sie mit den Förder-Millionen geschaffen werden hat. So entstand aus einem ehemaligen Schlachthof ein Veranstaltungshaus für Konzerte, Workshops und Projekte. Im neu gebauten Sport- und Vereinsheim samt Kunstrasenplatz entstanden auch Fitness-Räume.

Bei all diesen Projekten gehe es nicht nur um Infrastruktur, betonte der Stollbergs Oberbürgermeister, Marcel Schmidt: "Solche Maßnahmen dienen dem sozialen Frieden." Es würden Treffpunkte entstehen, an denen Menschen zusammenkämen, die sich sonst nicht begegnen würden.

Solche Maßnahmen dienen dem sozialen Frieden.

Marcel Schmidt Oberbürgermeister der Stadt Stollberg

149 Millionen Euro Fördermittel kommen von Bund und Land

Für die Städtebauförderung haben der Bund und das Land Sachsen seit 1991 insgesamt 6,2 Milliarden Euro ausgegeben. Für das Jahr 2022 sind es allein rund 149 Millionen Euro, die Bund und Land bereitstellen.

Außerdem fördert der Freistaat die Stadtentwicklung mit Geldern der EU über verschiedene Fonds wie den für Regionale Entwicklung (EFRE) mit dem benachteiligte Stadtquartiere aufgewertet werden sollen. Zusammen mit Mitteln des Landes Sachsen sind in diesem Fördertopf bis 2027 fast 200 Millionen Euro.

Mit dem Europäischen Sozialfonds (ESF) werden soziale Einrichtungen in benachteiligten Stadtgebieten unterstützt. Hierfür stehen bis 2027 insgesamt 42,5 Millionen Euro zur Verfügung.

MDR (phb)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 11. August 2022 | 19:00 Uhr

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